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Politik

Ein Arbeitstag als 'Wegelagerer'

Zu den Tätigkeiten, denen der Parlamentsjournalist ab und an nachgehen muss, die aber nicht sehr beliebt sind, gehört das so genannte "Herumlungern".

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Jens Thurau

Der Finanzauschuss der Bundestages kam zu einer Sitzung im Paul-Löbe-Haus zusammen, einem großen, hypermodernen Betonkasten an der Spree, in dem fast alle Ausschusssitzungen stattfinden. Thema der Sitzung: Die Verwerfungen auf den Finanzmärkten dieser Welt. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sollten berichten, wie sie die Dinge sehen - und wie es sein kann, dass die staatseigene KfW- Bank "aus Versehen" 350 Millionen Euro an eine Pleite - Bank in den USA überwies.

Nur: Glos und Steinbrück kamen gar nicht, wie alle erwartet hatten, jedenfalls nicht sofort. Stattdessen stellten sich einfache Abgeordnete vor die Kameras, beschuldigten die jeweils andere Fraktion, nichts gegen die ausufernden Spekulationen an der Börse zu unternehmen - und verschwanden in der Sitzung. Dann war erst einmal Pause für die Medienmenschen. Zwei Stunden lang.

Wartende Kreaturen

In solchen Pausen lungert der Journalist dann herum. Verspeist mitgebrachte Brötchen, trinkt Tütenkaffee und benimmt sich irgendwie daneben. Ex-Kanzler Helmut Schmidt hat für solche Kreaturen, die auf Politiker warten, den Begriff des "Wegelagerers" geprägt.

Steinbrück und Glos kamen dann doch noch - nach Stunden. Sagen wollten sie aber nichts. Stattdessen wurde die Sitzung in das benachbarte Reichstagsgebäude in einem abhörsicheren (!) Sitzungssaal verlegt. Dort dürfen Kameras grundsätzlich nicht hinein. Nach ein paar Stunden nutzlosen Herumlungerns erschien Steinbrück und erklärte, man habe die Lage intensiv erörtert, voreilige Schritte seien jetzt nicht sinnvoll. Man bleibe im Gespräch.

Ende eines Arbeitstages als Herumlungerer. Man hat sich wieder nicht beliebt gemacht. Und erfahren hat man auch nichts. Irgendjemand hat mal das Gerücht aufgebracht, es gebe kaum spannendere Jobs als den des Parlamentskorrespondenten. Wenn den jemand trifft: bitte mal zu mir schicken - ich muss da was klarstellen.