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Welt

Ein Appell für mehr Mitgefühl

Das katholische Hilfswerk Misereor hat einen neuen Hauptgeschäftsführer: Der Pfarrer Pirmin Spiegel steht jetzt an der Spitze der Organisation - und will sich für mehr Gerechtigkeit in der Welt einsetzen.

Hunger und Armut sind für Pirmin Spiegel keine abstrakten Begriffe. Im Gegenteil. 14 Jahre lang hat der katholische Pfarrer in Brasilien gearbeitet, in einem der ärmsten Bundesstaaten des Landes. Hier hat er die Sorgen und Nöte der Menschen geteilt und sich für eine strukturelle Veränderung ihrer Lebenssituation eingesetzt. Kein Wunder also, dass dem neuen Hauptgeschäftsführer des Entwicklungshilfswerks Misereor ein Punkt ganz besonders am Herzen liegt: "größere Gerechtigkeit zu schaffen", wie er im DW-Interview verrät.

Kampf gegen Leid und Ungerechtigkeit

Pirmin Spiegel löst Prälat Josef Sayer ab, der am Freitag (23.03.2012) in den Ruhestand verabschiedet wurde. Wie sein Vorgänger will Spiegel sich gegen Leid und Ungerechtigkeit einsetzen. Bereits seit 1958 kämpft Misereor gegen Hunger und Armut. Das weltweit größte kirchliche Entwicklungshilfswerk wurde auf Vorschlag des damaligen Kölner Kardinals Josef Frings von den deutschen katholischen Bischöfen gegründet. Der Name bezieht sich auf das im Markus-Evangelium überlieferte Jesuswort "Misereor super turbam", was übersetzt "Ich erbarme mich des Volkes" bedeutet.

Armenviertel in Guatemala (Foto: Florian Kopp/Misereor)

Misereor hilft in Afrika, Asien und Lateinamerika

Misereor unterstützt Entwicklungsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Von Aachen aus werden zurzeit mehr als 2500 Partnerorganisationen durch Hilfe zur Selbsthilfe gefördert; seit 1958 sind es eigenen Angaben zufolge etwa 100.000. Ermöglicht wird die Arbeit durch Spenden, aber auch durch finanzielle Unterstützung des Staates. Mit 77 Millionen Euro hat Misereor im Jahr 2010 ein Spenden-Rekordergebnis erzielt. Von staatlicher Seite erhielt das Hilfswerk im selben Jahr 108 Millionen Euro.

Zusammenarbeit von Staat und Kirche

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hält die entwicklungspolitische Arbeit der Kirchen für "hervorragend und enorm wichtig". Hilfswerke wie Misereor seien "manchmal ein schwieriger, aber immer ein guter Partner" für die Politik, sagte er anlässlich der Verabschiedung Josef Sayers am Freitag in Aachen. Auch wenn der Staat und die Kirche in Sachen Entwicklungshilfe eng zusammenarbeiten - für die katholische Missionsarbeit gibt es vom deutschen Staat keine finanzielle Unterstützung.

Pirmin Spiegel betont einen grundsätzlichen Unterschied zur staatlichen Entwicklungshilfe: "Unsere erste Frage ist nicht, ob uns die Entwicklungshilfe hier in Deutschland wirtschaftlich nutzt", erklärt der Pfarrer. "Unsere Aufgabe ist es, sich von der Not des anderen berühren zu lassen und zu versuchen, auf diese Herausforderung eine Antwort zu geben."

Blick für die Not des anderen

Säcke mit Reis Foto: Achim Pohl (Misereor)

Ein Misereor-Ziel: Der Kampf gegen den Hunger

Das müsse allerdings keine Einbahnstraße sein, erläutert Spiegel. Gerade während seiner Zeit in Brasilien hat er beobachtet, dass Deutsche und Europäer durchaus von der Entwicklungszusammenarbeit und dem Blick für die Not des anderen profitieren können. "Menschen, die permanent ums Überleben kämpfen, sind näher dran an den wertvollsten Wurzeln des Lebens", sagt Spiegel. Wie Solidarität und Gastfreundschaft funktioniere, könnten sich viele reiche Menschen bei den Armen und Vernachlässigten abschauen.

Für die kommenden Jahre hat sich der neue Misereor-Hauptgeschäftsführer Spiegel einiges vorgenommen: nicht nur, eine größere Gerechtigkeit zu schaffen, sondern auch, die Menschenwürde zu sichern und einen Beitrag dazu zu leisten, die Schöpfung zu bewahren - ganz im Sinne der Gründungsgedanken von Kardinal Frings.

Lob aus Lateinamerika

Der peruanische Theologe Gustavo Gutierrez lobte am Freitag das weltweite Engagement von Misereor für Ausgegrenzte und Arme. Die Arbeit von Misereor helfe Kirche und Theologie immer wieder, den Bezug zur Praxis und zum alltäglichen Leben nicht zu verlieren. Misereor helfe den Menschen in den Armenvierteln der Welt vor allem, "wieder Herr ihres eigenen Schicksals zu werden", so Gutierrez. Er gehört zu den Theologen, die seit den 1960er Jahren mit der so genannten Befreiungstheologie auf die sozialen Missstände in Lateinamerika reagieren. Teile der Befreiungstheologie werden vom Vatikan kritisch beurteilt, da sie eine Nähe zum Marxismus aufweise.