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Podcast Wirtschaft

Ein Anfang ist gemacht

Klaus Feldkeller kommentiert den Abschluss des 1. Europäischen Sozialforums in Florenz

Hunderttausende Menschen aus ganz Europa sind am Sonntag zum Abschluss des Ersten Europäischen Sozialforums in Florenz gegen den drohenden Krieg in Irak auf die Straße gegangen. Die Veranstalter sprachen von einer Million Teilnehmern an der friedlichen Kundgebung am Samstag; nach Angaben der Polizei waren es 450.000. Die Organisatoren, die Stadt Florenz und die regionale Regierung sahen sich durch den gewaltfreien Verlauf der Großdemonstration in ihrer Haltung bestätigt, dem von der rechten Berlusconi-Regierung ausgeübten Druck zum Verbot des ersten Europäischen Sozialforums nicht nachzugeben.

Viele Luxus-Geschäfte in Florenz waren geschlossen, amerikanische Hamburger-Restaurants hatten ihre Fenster verbarrikadiert. Die Polizei war an jedem Platz zu jeder Zeit präsent. Doch die Panik, die italienische Medien - vor allem die in der Hand von Ministerpräsident Berlusconi, vor Beginn des Europäischen Sozialforums verbreitet hatte, erwies sich als völlig unbegründet. Nicht Tränengas und der Qualm brennender Autos wie beim G-8-Gipfeltreffen in Genua im letzten Jahr lagen über der Stadt, auch waren die eigens geschützten Kunstdenkmäler zu keiner Zeit in Gefahr.

Dafür stand die toskanische Metropole ganz im Zeichen von friedlichen, wenn auch chaotischen Diskussionen Zehntausender, vor allem jugendlicher Teilnehmer. Es ging um die große Themen: Neoliberalismus, Globalisierung, Rassismus, Ausbeutung und die Ungerechtigkeit in der Welt. Mehr oder minder unverbindliche Appelle und Proteste wurden hier in den zaholosen Workshops und Gesprächskreisen an die Regierungen in Europa gerichtet.

Konkret wurde es in Florenz dann beim schwelenden Konflikt um den Irak. Zum Abschluss gingen fast eine halbe Million Menschen auf die Straße. Es war dies die größte Anti-Kriegs-Demonstration seit Jahren auf europäischem Boden. Neben den bekannten Identifikations-Figuren der Anti-Globalisierungs-Bewegung, dem französischen Bauern José Bové und der US-amerikanischen Autorin Naomi Klein, hatten sich die Vertreter unterschiedlichster Organisationen und Altersgruppen in den Marsch der Kriegsgegner eingereiht. Wie immer waren Altkommunisten und die europäische Rest-Linke dabei, aber es waren auch kirchliche Gruppen, Gewerkschafter, die Veranstalter von Attac und Ökologiebewegte sowie stinknormale Bürger aus Florenz bei der Massen-Demonstration.

Diese Breite lässt den Schluss zu, dass die Menschen in Europa ein tiefes Unbehagen vor einem drohenden Krieg erfasst hat. Auch die deutschen Friedens-Aktivisten, lange Zeit ohne ein gemeinsames Ziel, haben nun ihr Thema. Krieg und Frieden im Irak haben nach der Angst vor dem internationalen Terrorismus wieder einen stärkeren Widerhall in der Öffentlichkeit gefunden.

So sprachen die Organisatoren in Florenz bereits von einer Widergeburt einer großen Friedensbewegung. Mitte Februar nächsten Jahres soll ein "europäischer Protest-Tag gegen den Irak-Krieg" auf breiter Basis stattfinden. Dem Aktionstag sollen zwei europa-weite Anti- Kriegsdemonstrationen vorangehen. Ein gemeinsames Europa - dabei war mit dem EURO zuerst einmal an eine einheitliche Währung gedacht. Auch in Sachen soziale Bewegungen wächst Europa nun ein Stück weit zusammen - die Mobilisierung der Menschen in Florenz könnte der Anfang sein.

  • Datum 11.11.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2pB1
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