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Politik

Ein Amerikaner in Berlin

Es muss nicht immer das Brandenburger Tor sein. Ein guter Spruch in holperndem Deutsch ist viel wichtiger als der Ort. Das gilt auch für Barack Obama. Ein berühmter US-Präsident hat es vorgemacht, sagt Marcel Fürstenau.

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Wenn ein amerikanischer Präsident nach Berlin kommt, dann muss er mindestens einen berühmten Satz sprechen. John F. Kennedy begründete diese Tradition 1963, zwei Jahre nach dem Mauer-Bau und kurz bevor er in den USA einem Attentat zum Opfer fiel. Den Menschen im Westen Berlins garantierte er ihre Freiheit, denen im Osten machte er Hoffnung auf ein Ende der DDR-Diktatur. Legendär wurde damals seine mit starkem amerikanischem Akzent auf Deutsch gesprochenen Worte: "Ich bin ein Berliner."

Marcel Fürstenau

24 Jahre nach Kennedys Klassiker tauchte 1987 ein ehemaliger Schauspieler namens Ronald Reagan als US-Präsident in Berlin auf. Die Stadt war noch immer geteilt, durch Europa verlief noch immer der Eiserne Vorhang. Reagan nutzte die Mauer und das dahinter stehende Brandenburger Tor als Kulisse für seinen historischen Appell an den Machthaber im Kreml, das Zeitalter des Kalten Krieges zu beenden: "Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein!"

"Alles ist möglich. Berlin ist frei."

Natürlich hielten das Alle für einen gelungenen Propaganda-Auftritt, denn ein Ende des Ost-West-Konflikts und die deutsche Wiedervereinigung hielt ernsthaft niemand für möglich. Es kam anders. Zwei Jahre später fiel über Nacht die Berliner Mauer. Bill Clinton war dann 1994 der erste US-Präsident, der im wiedervereinigten Berlin vor dem Brandenburger Tor eine bedeutende Rede hielt. Sie endete mit den nicht gerade originellen, aber nahe liegenden Worten: "Alles ist möglich. Berlin ist frei." Übrigens auch frei von amerikanischen Soldaten, die ja nicht mehr für den Schutz Berlins gebraucht wurden. Zu ihrem Abschied war Clinton seinerzeit gekommen.

Keine Sympathien für George Bush junior

Clintons Nachfolger, der kriegerische George Bush junior, war clever genug, auf einen Auftritt vor dem Wahrzeichen Berlins zu verzichten. All zu viele Sympathien wären ihm von den überwiegend friedliebenden Berlinern bestimmt nicht entgegengebracht worden. Für seinen möglichen Nachfolger, den demokratischen Präsidentschafts-Kandidaten Barack Obama, gilt das Gegenteil. Ihm würden wohl Tausende zujubeln, weil sie mit seiner Person das bessere Amerika verbinden. Das, was sie an die Zeiten John F. Kennedys erinnert. Vor dem Brandenburger Tor wird Obama allerdings wohl nicht zu Wort kommen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ließ ausrichten, "jeder müsse wissen, was er für angemessen und stilvoll" halte.

"Ich bin ein Berliner"

Das hat gesessen. Der so Verschmähte denkt jetzt angeblich darüber nach, auf dem Gendarmenmarkt, einem schönen Platz im Regierungsviertel, zu reden. Zu sehr sollte sich der smarte Präsidentschafts-Kandidat nicht grämen. Vielleicht kann er sich ja damit trösten, dass der berühmteste Spruch eines berühmten Amerikaners in Berlin auch nicht vor dem Brandenburger Tor fiel: John F. Kennedy sprach seinen Satz "Ich bin ein Berliner!" vor dem Sitz des damaligen West-Berliner Senats, dem Rathaus Schöneberg. Es kommt also vor allem auf die Worte an, weniger auf den Ort, wo sie gesprochen werden. Jetzt muss Obama nur noch ein flotter Spruch einfallen, um in die deutsch-amerikanische Geschichte eingehen zu können.