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Ein Abstecher nach „Faustopia“

Sie kann geballt werden, man kann sie im Nacken spüren oder jemanden spüren lassen und mit ihr auf den Tisch hauen: die Faust. Beide Fäuste können manchmal auch fliegen – nur in „Faustopia“ nicht …

Audio anhören 05:08

Ein Abstecher nach „Faustopia“ – die Folge als MP3

Wir beginnen unsere Geschichte mit der folgenden – natürlich fiktiven – Situation: Wir befinden uns irgendwo in einer Kneipe in einer Großstadt, nennen wir sie „Faustopia“. Am Tresen steht ein junger Mann, der ziemlich betrübt dreinschaut. Er scheint Liebeskummer zu haben. Die rechte Hand hat er zu einer Faust geballt. Immer und immer wieder schlägt er mit ihr auf die Tresenplatte. Würde er beide Fäuste nehmen, wüsste man, dass er sich in einem Faustkampf mit einem unsichtbaren Gegner sieht. Aber so? Höchstens würde er eine Fliege erwischen, die nicht schnell genug wegfliegt …

Der imaginäre Faustkämpfer trifft …

Eine Szene aus einer Faust-Theateraufführung: links Mephisto, rechts Dr. Faustus

„Mein Herr, darf ich’s wagen ...

Wie aus dem Nichts gesellt sich zu unserem imaginären Faustkämpfer, nennen wir ihn „Fusto“, ein dunkel gekleideter Mann. Besonders freundlich sieht der nicht aus. Aber vielleicht täuscht das Äußere, wer weiß das schon. Es soll ja auch innere Werte geben, und vom Äußeren soll man bekanntlich nicht auf das Wesen eines Menschen schließen. Der Schwarzgewandete spricht unseren imaginären Faustkämpfer Fusto an: „Mein Herr, darf ich’s wagen, Ihnen meine Gesellschaft anzutragen?“

Fusto reagiert nicht sofort, hängt weiter seinen Gedanken nach. Der Schwarzgewandete spricht ihn erneut an. Plötzlich dreht sich Fusto um und schreit ihn an: „Was willst du von mir? Und was quatschst du so geschwollen daher? Willst du meine Fäuste spüren?“ Der Schwarzgewandete schaut Fusto ziemlich regungslos ins Gesicht und antwortet: „Besonders lernt die Weiber führen; es ist ihr ewig Weh und Ach, so tausendfach aus einem Punkte zu kurieren.“

Da lacht sich einer ins Fäustchen

Trotz der ziemlich altertümlichen Sprache hört Fusto eines heraus: „Weiber“. Sein Aggressionspegel sinkt. Er sieht in dem Schwarzgewandeten einen Verbündeten und es platzt aus ihm heraus: „Ja, Weiber sind wirklich unberechenbar. Seit sieben Jahren waren Anne und ich ein Liebespaar. Da kommt doch dieser dahergelaufene Kerl, erobert sie im Sturm und lacht sich ins Fäustchen, dass Anne nichts mehr von mir wissen will.

Dabei passen die beiden wie die Faust aufs Auge: Sie ist zierlich, er ist ein grobschlächtiger Möchtegern-Protz, der jeden Tag fünf Stunden im Fitnessstudio hängt. Am liebsten würde ich mit der Faust endlich mal ordentlich auf den Tisch hauen. Aber der Kerl hat es faustdick hinter den Ohren. Der tut so harmlos, in Wahrheit soll der ein übler Schlägertyp sein.“

Manchmal macht man die Faust in der Tasche

Eine Männerhand hält ein gefülltes kleines Wodkaglas fest

Die Faust in der Tasche machen und den Kummer in Alkohol ertränken

Nach diesem langen Klagelied entgegnet der Schwarzgewandete: „Ein jeder lernt nur, was er lernen kann. Doch der den Augenblick ergreift, das ist der rechte Mann.“ Fusto schaut erstaunt: „Du scheinst ja doch normal reden zu können! Ja, du hast Recht. Eigentlich müsste ich handeln. Ich spüre auch die Faust im Nacken, stehe unter Druck.

Nur auf eigene Faust zu handeln, die Fäuste fliegen zu lassen und dem Kerl zu zeigen, was eine Harke ist – das traue ich mich nicht. Ich bin ein faustischer Mensch, wissbegierig und neugierig, aber kein Faustkämpfer. Daher mache ich lieber die Faust in der Tasche und ertränke meinen Frust im Alkohol.“ Der Schwarzgewandete guckt Fusto wieder sehr lange an und entgegnet ganz gelassen: „Mit Worten lässt sich trefflich streiten.“

Faustisches

Nun ist es Fusto, der den Schwarzgewandeten sehr lange anschaut, angestrengt nachdenkt und bei der Suche nach den richtigen Worten die Faust in der Luft hin- und herbewegt. Plötzlich kommt aus seinem Mund: „Die Botschaft hör ich wohl. Allein mir fehlt der Glaube. Zwei Seelen, ach, wohnen in meiner Brust. Am liebsten würde ich ihn mit meinen Fäusten traktieren. Andererseits würde ich als armer Tor da steh’n und wär so klug als wie zuvor. O glücklich, wer noch hoffen kann, aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen. Was man nicht weiß, das eben brauchte man. Und was man weiß, kann man nicht brauchen. – Sie kann mir gestohlen bleiben. Und das ist kein Zitat!“






Arbeitsauftrag
Ein Detektivauftrag für eure Lerngruppe: Findet heraus, wer in der fiktiven Geschichte der „Schwarzgewandete“ ist und wer Fusto – was im Italienischen übrigens „stämmiger Kerl“ heißt. Ordnet die Zitate literarisch ein. Am Ende habt ihr dann „des Pudels Kern“!

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