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Wahlkampf

Ein abgewetztes Tweed-Sakko und eine "Taubernuss"

CDU-Generalsekretär Peter Tauber, sonst eher unauffällig, wettert mit schrillen Tönen gegen die FDP. Das gefällt auch in den eigenen Reihen nicht allen. Und in der FDP schon gar nicht.

Das nennt man dann wohl einen Generalangriff: Schwer zu ergründen, was CDU-Generalsekretär Peter Tauber da geritten hat. In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" knöpfte sich der Parteimanager von Angela Merkel die FDP und vor allem deren Vorsitzenden Christian Lindner vor: "Er redet teilweise wie Herr Gauland von der AfD. Der einzige Unterschied besteht darin, dass er statt eines abgewetzten Tweed-Sakkos einen überteuerten Maßanzug trägt." Lindners Auftreten sei überdies selbstherrlich. Da half es dann auch nichts mehr, dass Tauber Lindners FDP weiterhin als möglichen Koalitionspartner nach der Bundestagswahl betrachtet. Was die FDP ja auch eigentlich ist: Bis 2013 regierten die Liberalen an der Seite von Angela Merkels CDU, verpassten dann aber den Wiedereinzug in den Bundestag. Zurzeit können sie den Umfragen der Meinungsforscher nach damit rechnen, im Herbst wieder ins Parlament einzuziehen.

Laschet: "Lindner redet nicht wie Gauland"

Hintergrund der wüsten Attacke von Tauber dürften die jüngsten Äußerungen Lindners etwa auf dem Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart sein, wo dieser scharfe Kritik an der gegenwärtigen Großen Koalition aus CDU, CSU und SPD äußerte.

Deutschland Armin Laschet, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion NRW (DW/B. Riegert)

Das geht zu weit, findet Armin Laschet

Aber die Schärfe im Ton ging vielen Politikern auch in der CDU zu weit: So meinte etwa der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Armin Laschet: "Christian Lindner redet rhetorisch stark, zuspitzend und zuweilen kritisch, aber gerade eben nicht wie Gauland." Laschet macht sich auch deshalb so für Lindner stark, weil er CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Mitte Mai ist und auf eine Koalition mit der FDP hofft. Und nach Ansicht des Innenexperten der CSU im Bundestag, Stephan Mayer, ist Taubers Gauland-Vergleich "total verunglückt" und könne potenzielle CDU-Wähler eher abschrecken.

Kubicki: Eine unverschämte Taubernuss

Und natürlich erntete Tauber für seine Kritik wüste Beschimpfungen aus der FDP: Parteivize Wolfgang Kubicki, selbst immer für derbe Kritik gut, bemühte ein Wortspiel: "Der CDU-Generalsekretär ist und bleibt eine Taubernuss." Kubicki fügte hinzu: "Mit seinen unverschämten Äußerungen hat sich Herr Tauber als ernstzunehmender Gesprächspartner endgültig disqualifiziert." Und FDP-Generalsekretärin Nicola Beer meinte: "Wenn Peter Tauber schon auf Kleidungsfragen ausweichen muss, um vom Scheitern der Union in der Flüchtlingsfrage abzulenken, zeigt dies nur, wie nervös er ist."

FDP Bundesparteitag in Berlin (picture-alliance/dpa/B. von Jutrszenka)

FDP-Parteichef Christian Lindner (Mitte) redet wie die AfD? Eine Unverschämtheit, findet Wolfgang Kubicki (r.)

Sturmgeschütz der Partei

CDU-Generalsekretäre galten schon immer als eine Art Sturmgeschütz der Partei. Legendär war 12 lange Jahre unter Parteichef und Kanzler Helmut Kohl Generalsekretär Heiner Geißler, der kaum Grenzen kannte bei seinen Attacken gegen die SPD. Oder der jüngst verstorbene Peter Hintze in den Neunziger Jahren, der die Rote-Socken-Kampagne gegen die SED-Nachfolgepartei PDS und gegen die SPD erfand. Aber Peter Tauber entsprach diesem Typus lange eigentlich gar nicht. Eher sachlich und still managte er die Regierungspartei CDU. Auch jetzt scheint er von den heftigen Reaktionen auf sein Interview erschrocken. Auf Facebook bemühte er sich um ein halbes Dementi: Er habe sich auf Lindners scharfe Kritik an der Großen Koalition bezogen: "Ich kritisiere ihn dafür, aber ich vergleiche ihn nicht mit Herrn Gauland", schrieb er.

Lindner selbst reagierte gelassen auf Taubers schrille Töne. Das trübe nicht die Aussichten auf eine mögliche Koalition, zeige aber, wie nervös die Union im beginnenden Wahljahr sei, meinte Lindner am Montag in Düsseldorf. 

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