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Sprachbar

Eigentlich eigen

"Willst du mein eigen sein?", fragte man sich früher. Bei einem "Ja" entstand ein Hochzeitspaar. Man gehörte zueinander – man gehörte einander. Das "Einander gehören" passt aber heutzutage nicht mehr. Eigentlich.

Dampfende Suppe

Manche kochen lieber ihr eigenes Süppchen.

Da es keine Leibeigenschaft mehr gibt, gehören einem höchstens noch Sachen. Sie darf man sein eigen nennen, vorausgesetzt, man besitzt sie, man hat sie sich rechtmäßig angeeignet. Das Angeeignete kann man dann wiederum jemandem übereignen. Das klingt sehr trocken, unschön und juristisch.

Eigentlich ..., aber!

Wohltuender für Ohr und Herz und unter Hochzeitsglockengeläut klingt da "Willst du mein eigen sein?" Zumindest für diejenigen, die einen Hang zur Romantik haben und ein klares Ja erwarten dürfen. Stünde vor dem Ja ein "eigentlich", wäre die Freude doch arg getrübt. Bei "eigentlich" hört man das Einschränkende und Ausweichende allzu deutlich mit. Besser wäre, man ließe hier das “eigentlich“ weg.

Matthias Claudius dichtete: "Eigentlich sollte Schönheit unschuldig und Unschuld sollte schön sein, aber in der Welt sind es verschiedene Dinge." Beides, Schönheit wie Unschuld, sind Eigenschaften, die erste meist äußerlich, die zweite innerlich. Zusammen, das will uns der Dichter sagen, eignen sie selten ein und derselben Person (besser: sind sie selten ein und derselben Person zu eigen).

Eigentümliche Eigenschaften

"Mögen wir noch so viele Eigenschaften haben", seufzte einst Molière, "die Welt achtet vor allem auf unsere schlechten." Die Welt ist schon seltsam bzw. eigenartig. Einander sehr nahe stehen die Begriffe "Eigenheit" und "Eigentümlichkeit". Sie sind "Spezial-Eigenschaften". "Eigenheit" meint "Besonderheit" und "Eigentümlichkeit" meint das erst recht.

Mancher verhält sich eigentümlich, mancher riecht eigentümlich. Positiv klingt das nicht. Mit gleichen Begriffen lobt man aber den Volksstamm, der sich seine Eigenart, die Eigentümlichkeit seines Brauchtums bewahrt hat. Doch sei nicht verschwiegen, dass man heute derlei Eigenheiten gerne mit Ausdrücken wie "Authentizität" oder "Identität" bedenkt - wunderschöne deutsche Worte ...

Eigentum verpflichtet

Bekannt ist das Sprichwort: "Eigner Herd ist Goldes wert". Schon allein, weil man den Herd nie fragen muss: "Willst du mein eigen sein". Er ist es, sobald man ihn bezahlt hat. Mit dem eigenen Geld. Auf dem eigenen Herd kann man dann – in der Mietwohnung wie im Eigenheim – "sein eigenes Süppchen kochen", auf eigene Gefahr. Aber so ist das nun mal, wenn man auf eigene Verantwortung arbeitet, "sein eigener Herr" ist.

Indem man das Possessivpronomen weiter verstärkt, kann man sogar auf Gefahren hinweisen. Man möge sich doch bitteschön nicht "ins eigene Fleisch schneiden" oder gar "sein eignes Grab schaufeln", eigenhändig! Das tut weh. Ach, wie leicht schießt man ein Eigentor, also: Wie leicht schadet man sich selbst. Trotzdem: "auf eigenen Füßen zu stehen" ist in jedem Fall besser als auf den Füßen anderer.

Etwas Eigenes

Das Sprichwort "Eigenlob stinkt" ist sehr alt, auch in der gereimten Form: "Wer sich lobt alleine, des Ehre ist gar kleine." Mag sein – andererseits: wenn es sonst keiner macht? Dann bleibt nur Eigeninitiative, Mut zum Selbstlob. Und überhaupt: Etwas Stinkendes ist besser als nichts.

Friedrich Schiller mahnte zu recht: "Etwas muss er sein eigen nennen, / oder der Mensch wird morden und brennen." Will einer einen Beruf ergreifen, muss er sich fragen, ob er sich eignet und ob er dazu taugt. Das sollte sich eigentlich (an und für sich) jeder fragen. Letztlich kann er sich sogar fragen: Ist so ein Beruf denn das Eigentliche im Leben, das Wesentliche?

Sonderbar ist eigentlich normal

Der Begriff "Eigen" illustriert und verstärkt gern, am liebsten Vorwürfe: was denkst du dir eigentlich? Oder: wie heißt du eigentlich, wer bist du überhaupt? Von einigen Leuten weiß man den Namen, ihr Denken bleibt einem fremd. Solche Leute nennt man "sehr eigen" ihr Verhalten ist auf jeden Fall "sonderbar". Ein spezieller Sonderling ist der Eigenbrötler. Ursprünglich war das ein alleinlebender Junggeselle, der sein eigenes Brot backen musste und seiner Umgebung daher absonderlich erschien. Aber ist es schlimm, eigen zu sein, wunderlich, eigensinnig? Im Gegenteil, meint der große Goethe: "Ursprünglich eignen Sinn lass dir nicht rauben! / Woran die Menge glaubt, ist leicht zu glauben."

Fragen zum Text

Was ist ein anderes Wort für Besitz?

1. Eigentümlichkeit

2. Eigenheit

3. Eigentum

Mit welcher Redewendung kritisiert man eine Person?

1. Eigner Herd ist Goldes Wert.

2. Eigenlob stinkt.

3. Willst du mein eigen sein?

Wer eigen ist, ...

1. ist frei und unabhängig.

2. verhält sich merkwürdig.

3. ist abhängig von einer anderen Person.

Arbeitsauftrag

Suchen Sie im Text:

a) drei Redewendungen, die ausdrücken, dass jemand sich selbst schadet

b) zwei Redewendungen, die ausdrücken, dass jemand unabhängig von anderen Personen ist

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