Eigentümliches | Sprachbar | DW | 12.06.2013
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Eigentümliches

Sehr eigene Menschen wie Eigenbrötler und Eigensinnige sind eigenartig und haben ihre Eigenheiten. Eigentlich gut sind Eigeninitiativen, Eigenlob eher weniger. Eigentore sind schnell geschossen. Alles sehr eigentümlich…

Nach und nach wurde sie im 19. Jahrhundert in Deutschland abgeschafft: die Leibeigenschaft. Diese Form der gegenseitigen Verpflichtung von Leibherren und Leibeigenen war seit dem Mittelalter üblich. Leibeigene mussten zum Beispiel für ihre Gutsherren arbeiten, durften nicht wegziehen und nur mit Erlaubnis ihres Gutsherrn heiraten. Leibherren konnten Leibeigene kaufen, verkaufen und tauschen. Sie waren wie eine Art menschlicher Besitz.

Was man mit „eigen“ alles machen kann

Ein Foto der sogenannten Heerschildordnung. Sie bildet die Standesgliederung der mittelalterlichen Gesellschaft ab.

Leibeigene standen in der mittelalterlichen Standesordnung ganz unten

In Leibeigenschaft steckt das Wort „eigen“. Etymologisch gesehen bedeutete es schon im Alt- beziehungsweise Mittelhochdeutschen, dass jemand etwas besitzt oder beherrscht. Da es keine Leibeigenschaft mehr gibt, gehören einem höchstens noch Sachen. Sie darf man sein eigen nennen, vorausgesetzt man besitzt sie, man hat sie sich rechtmäßig angeeignet.

Allerdings: Auch wer etwas gestohlen hat, hat sich etwas angeeignet – nur unrechtmäßig. Das Angeeignete kann man dann wiederum jemandem übereignen – ein etwas steifer, juristischer Begriff für die Tatsache, dass man sein Eigentum auf jemanden überträgt.

Eigentlich …

Die US-Schauspielerin Audrey Hepburn in einer Szene des Films Frühstück bei Tiffanys. Sie sitzt in Abendkleidung am Tisch und lächelt

Ihre Eigenschaften: Schönheit und Unschuld

Wohltuender fürs Ohr klingt da die beinahe poetische Frage: „Willst du mein eigen sein?“ – zumindest für diejenigen, die einen Hang zur Romantik haben. Lautet die Antwort dann „Ja“, hüpft das Herz des Fragestellers. Kommt allerdings „Eigentlich ja“ und folgt eine Pause, sollte ihm das zu denken geben. Denn bei „eigentlich“ schwingt das Einschränkende und Ausweichende allzu deutlich mit. Wer sich sicher ist, dass er einen Heiratsantrag annehmen möchte, sollte das „eigentlich“ weglassen.

Matthias Claudius dichtete: „Eigentlich sollte Schönheit unschuldig und Unschuld sollte schön sein, aber in der Welt sind es verschiedene Dinge.“ Beides, Schönheit wie Unschuld, sind Eigenschaften, die erste meist äußerlich, die zweite innerlich. Zusammen, das will uns der Dichter sagen, sind sie selten ein und derselben Person zu eigen.

Wie eigentümlich!

Ein Kind steht vor einem Kochtopf, hält den Deckel in der linken Hand und hält sich die Nase mit einem Ausdruck des Ekels zu

Das riecht aber sehr eigentümlich!

Und der französische Schriftsteller Molière seufzte einst: „Mögen wir noch so viele Eigenschaften haben. Die Welt achtet vor allem auf unsere schlechten.“Die Welt ist schon seltsam, eigenartig. In dieser tummeln sich Menschen, die sehr eigen sind in dem, wen oder was sie mögen, deren Eigenheit es wiederum ist, sich an Eigenheiten anderer zu stoßen. Das sind schon eigentümliche Menschen.

Mancher verhält sich sehr eigentümlich, mancher riecht eigentümlich. Positiv klingt das nicht. Auf der anderen Seite lobt man aber auch eine Volksgruppe, die sich ihre Eigenart, die Eigentümlichkeit ihres Brauchtums bewahrt hat. Die Begriffe „Eigenheit“, „Eigenart“ und „Eigentümlichkeit“ sind synonym zu verwenden und ein Hinweis darauf, dass jemand oder etwas anders ist.

Auf eigene Gefahr

eigentor eines Spielers von Hannover 96 Fim Spiel gegen Bayern München. Der Ball landet im Tor, ein Spieler von Hannover versucht ihn noch zu stoppen

Manches Eigentor ist spielentscheidend…

Das trifft wohl nicht zu auf diejenigen, die nach dem Motto handeln: Eigner Herd ist Goldes wert. Denn auf eigenen Füßen zu stehen, ist in jedem Fall besser, als auf den Füßen anderer. Stolz ist, wer sich den eigenen Herd vom eigenen Geld kaufen kann. Auf dem kann er dann – in der Mietwohnung wie im Eigenheimsein eigenes Süppchen kochen, allerdings auf eigene Gefahr.

Denn wer nur das tut, was er selbst für richtig hält, ohne sich mit den anderen abzusprechen, kann sich schnell ins eigene Fleisch schneiden, sich schlimmstenfalls sogar sein eigenes Grab schaufeln – und das auch noch eigenhändig. Alles natürlich nur bildlich gesprochen! Aber so ist das nun mal, wenn man auf eigene Verantwortung handelt, sein eigener Herr ist. Ein Eigentor ist da schnell geschossen. Ein unbedachter Schritt und schon steckt man in einer schwierigen Situation.

Stinkendes Eigenlob

Eine Frau mit ausgebreiteten Armen und einem selbstbewussten Lächeln

„Keiner ist besser als ich!“

Auch Eigenlob ist nicht gern gesehen. Redensartlich stinkt es sogar. Im Mittelalter hörte sich der Fakt an sich poetischer an: „Der alle Zeit sich selbst lobt allein, des Lob ist schwach und allzeit klein.“ Mag sein. Andererseits: Wenn es sonst keiner macht? Dann bleibt nur die Eigeninitiative: der Mut zum Selbstlob.

Friedrich Schiller mahnte zu Recht: „Etwas muss er sein eigen nennen, / oder der Mensch wird morden und brennen.“ Und wenn es nur die eigensinnige Wahl eines Berufs ist, für den „er“ sich eigentlich nicht eignet, weil „er“ als kreativer Mensch am Bankschalter nicht richtig aufgehoben ist. Irgendwann mag „er“ sich dann fragen: Ist ein Beruf denn das Eigentliche im Leben, das Wesentliche?

„Eignen Sinn lass dir nicht rauben“

Die Begriffe „eigen“ und „eigentlich“ verstärken gern, am liebsten Vorwürfe: „Was denkst du dir eigentlich?“ Oder: „Und überhaupt. Warum hast du das eigentlich getan?“ Manchmal meint man Personen zu kennen, man kennt aber nur ihren Eigennamen, ihr Denken und Verhalten bleiben einem aber fremd. Sie erscheinen sonderbar. Ein spezieller Sonderling ist der Eigenbrötler. Aber ist es schlimm, eigen zu sein, wunderlich, eigensinnig? Im Gegenteil, meint der große Goethe: „Ursprünglich eignen Sinn lass dir nicht rauben! / Woran die Menge glaubt, ist leicht zu glauben.“




Fragen zum Text

Wer unabhängig von anderen ist, …
1. steht auf eigenen Füßen.
2. ist ein eigentümlicher Herr.
3. schaufelt sein eigenes Grab.

Ist jemand mit der Entscheidung einer anderen Person nicht einverstanden, kann sie/er nicht sagen: …
1. „Du riechst sehr eigentümlich.“
2. „Du schießt dir damit ein Eigentor.“
3. „Du handelst auf eigene Verantwortung.“

Handelt jemand selbstständig, …
1. entwickelt sie/er Eigeninitiative.
2. ist sie/er eigentümlich.
3. stößt sie/er sich an Eigenheiten.


Arbeitsauftrag
Wir haben die Buchstaben der folgenden Wörter ein bisschen durcheinandergewürfelt. Wenn ihr das richtige Wort herausgefunden habt, setzt es in der Reihenfolge der Begriffe ein. Alles zusammen ergibt einen Satz mit zwei Redewendungen aus dieser Sprachbar.

nies – negiees – snüepcph – tokch – cish – nis – ngeeei – selifch – nchenedis

Wer ________ ________ ________ ________,

kann ________ ________ ________ ________ ________.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads