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Asien

Eigener Friedensplan - Karsais Flucht nach vorn

Für das Wiedererstarken der Taliban und für die Korruption im Land macht Afghanistans Präsident Hamid Karsai die internationale Gemeinschaft verantwortlich. Er will mehr Macht für seine Regierung

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Der viel gescholtene Hamid Karsai geht in die Offensive

Für die afghanische Regierung geht es in London um mehr als nur um Hilfsgelder und weitere Truppen. Die Afghanen wollen endlich als gleichberechtigter Partner behandelt werden. Das wollte Präsident Hamid Karsai auch bei der Londoner Konferenz deutlich machen. "Die afghanische Regierung möchte auf der einen Seite mehr Gestaltungsraum, um als wichtigster politischer Akteur des Landes handeln zu können", sagt Wahid Omar, der Sprecher des Präsidenten. "Auf der anderen Seite haben wir das Ziel, die Taliban wieder in die Strukturen der afghanischen Gesellschaft einzugliedern. Zudem setzen wir auf enge regionale Zusammenarbeit."

Das Versagen der internationalen Gemeinschaft

Taliban, Archivbild

Laut Karsai sind viele Taliban bereit für einen Frieden mit Kabul

'Gespräche statt Kämpfe' – so lautet schon seit einigen Monaten die Parole der afghanischen Regierung. Große Teile der Taliban seien bereit, über ein Friedensabkommen mit Kabul zu verhandeln. Deswegen verlangt die afghanische Regierung, dass die Namen vieler Talibanführer von der schwarzen Liste gesuchter Terroristen der USA gestrichen werden. Er wirft den Geberländern vor, mit ihrem oft eigenmächtigen Handeln die afghanische Regierung geschwächt und der Korruption Tür und Tor geöffnet zu haben. "In jedem Land, in dem ausländische Organisationen über größere Macht verfügen als die offizielle Regierung selbst, wird es Chaos und Korruption geben", so Präsident Karsai. "Daher ist es von größter Bedeutung, dass die eigentliche Macht bei der offiziellen Regierung liegt".

Karsais Flucht nach vorne

Der viel kritisierte Karsai ging vor der Londoner Konferenz in die Offensive. Er warf den Geberländern auch vor, nicht genug für den Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte getan zu haben. Kabuls Militärexperten stellen folgende Rechnung auf: Mit der Summe, mit der die NATO einen Soldaten im Jahr in Afghanistan finanziert, kann die afghanische Regierung 60 einheimische Soldaten ausbilden und bewaffnen. Doch Kabuls Haltung wurde bislang wenig beachtet. Das soll sich nun ändern. "Wir brauchen zurzeit eine Armee mit 240 000 Soldaten und 160 000 Polizeikräfte", so General Zaher Azimi, Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums. "Dafür benötigen wir eine Finanzierungsgarantie über die nächsten 20 Jahre."

Der Abzug der internationalen Truppen sei möglich

Afghanistan Polizei auf Patrouille

Der Westen soll helfen, 160 000 weitere Polizeikräfte auszubilden

Sollten diese Forderungen erfüllt werden, fügt Azimi hinzu, könnten die internationalen Truppen nach und nach aus Afghanistan abgezogen werden. Für den Erfolg der Afghanistanmission sei aber noch ein Aspekt relevant: "Wir müssen die Terrorzellen außerhalb Afghanistans beseitigen. Ohne diesen Schritt wird der Frieden in Afghanistan keine Zukunft haben."

Autor: Ratbil Shamel

Redaktion: Silke Ballweg