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Afrika

Eigene Währung für den Südsudan

Der Südsudan hat mit der Einführung einer neuen Währung begonnen. Damit möchte der gerade erst unabhängig gewordene Staat seine Eigenständigkeit noch sichtbarer machen.

Südsudanesische Flagge (schwarz, rot, grün, blau, mit gelben Stern) (Foto: AP)

Seit dem 9. Juli ist der Südsudan ein eigener Staat

Unter dem Jubel Zehntausender hat der Südsudan am 9. Juli 2011 in der Hauptstadt Juba seine Unabhängigkeit gefeiert. Er ist nun der jüngste Staat der Welt und der 54. Afrikas. Eine der ersten Aufgaben der Regierung war es, die eigene Währung auf den Weg zu bringen. Nachdem es zunächst einige Verwirrung um den Zeitpunkt der Einführung gegeben hatte, legte der südsudanesische Informationsminister Barnaba Marial Benjamin den 18.07.2011 als den Tag fest, ab dem das südsudanesische Pfund verfügbar ist. Doch die Einführung im ganzen Land wird dauern. "Wir haben zwei Monate dafür vorgesehen. In dieser Zeit können alle unsere Einwohner zur Bank gehen und das alte Geld gegen das neue südsudanesische Pfund eintauschen", sagte Informationsminister Benjamin.

"Ein Stück eigene Identität"

Südsudanesen feiern und schwenken Fahne (Foto: dpa)

Die Südsudanesen sind stolz auf ihren jungen Staat

Per Flugzeug seien die in Großbritannien gedruckten Geldscheine eingetroffen und lägen bereits in den Banken bereit. Die neuen Banknoten sollen auf der einen Seite das Bild des Nationalhelden John Garang tragen, dem ehemaligen Führer der südsudanesischen Volksbefreiungsarmee. Auf der anderen Seite sollen Bilder zu sehen sein, die für die Kultur und den Reichtum des Landes stehen.

Für viele Südsudanesen bedeute die eigene Währung auch ein Stück eigene Identität, sagt Marina Peter. Die Sudan-Expertin vom Netzwerk Sudan Focal Point hält sich zurzeit in der Hauptstadt Juba auf. "So ein neuer Staat muss ja als erstes einmal äußere Symbole haben. Das hat angefangen mit dem Hissen der Flagge des Südsudan - einer der bewegendsten Momente der Zeremonie zur Unabhängigkeit. Und Währung ist natürlich auch so ein Symbol." In Deutschland erinnerten sich ja auch noch viele daran, wie schwer es gefallen sei, die D-Mark abzugeben, so Marina Peter.

Für den Südsudan, der kaum über Infrastruktur verfügt, ist die Einführung des neuen südsudanesischen Pfundes allerdings eine logistische Herausforderung. Viele Südsudanesen außerhalb der Hauptstadt Juba wissen nicht einmal, dass sie ihre alten Geldscheine demnächst gegen neue austauschen sollen. "Wir dürfen nicht vergessen, dass in der Fläche des Landes Radiosender, Fernsehstationen und Zeitungen kaum verfügbar sind", so Sudan-Expertin Peter.

Viele ungeklärte Fragen

Nationalsymbol des Südsudan (Foto: DW)

Das Nationalwappen und die Währung sind für die Südsudanesen wichtige Symbole

Die südsudanesischen Behörden zeigen sich da optimistischer. Die Währung werde ja nicht an einem Tag, sondern nach und nach umgetauscht. Informationsminister Benjamin sieht zu der Einführung des neuen Pfundes ohnehin keine Alternative. "Die alte Währung gehört der nordsudanesischen Zentralbank. Wir benutzten sie zwar, aber wir mussten sie während der Phase der Übergangsregierung der Zentralbank mit US-Dollar abkaufen", erklärt Minister Benjamin.

Das neue südsudanesische Pfund soll eins zu eins zum Wert des aus dem Norden stammenden sudanesischen Pfundes eingetauscht werden. Doch wie wird das in der Praxis funktionieren? Werden die Südsudanesen in Zukunft mit ihrem Geld immer noch Nahrungsmittel im Norden einkaufen können? Was passiert, wenn ungültig gewordene Geldscheine aus dem Süden im Norden in Umlauf gebracht werden? Lauter ungeklärte Fragen, die sich auch durch die Äußerungen von Sudans Präsident Omar al-Bashir nicht auflösen. Er kündigte vor kurzem an, dass nun auch der Nordsudan eine eigene Währung einführen wolle. Den Zeitpunkt ließ er allerdings offen.

Der Wirtschaftsexperte Adel Abdelaziz vom Zentrum für Internationale und Afrikanische Studien in Khartoum kann die Absichten der nordsudanesischen Regierung nachvollziehen. So sei beispielsweise auf den Geldscheinen die alte sudanesische Karte abgebildet. Außerdem sei ein wichtiger Teil der nordsudanesischen Währung im Süden im Umlauf. "Für die Stabilität der Währung ist aber notwendig, dass die Hauptmasse der Banknoten innerhalb der geographischen Grenzen des Sudans bleibt", erklärt der nordsudanesische Wirtschaftswissenschaftler.

Gegenseitige Abhängigkeit

Hütte im ländlichen Südsudan (Foto: DW)

Gerade auf dem Land ist die Armut der Südsudanesen groß

Dass die Einführung neuer Währungen negativen Einfluss auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Staaten haben wird, glaubt Adel Abdelaziz allerdings nicht. Denn es gebe genug gemeinsame Wirtschaftsinteressen und gegenseitige Abhängigkeiten. So verfügt der Süden zum Beispiel über den größten Teil des gesamt-sudanesischen Erdölvorkommens, aber über keine eigenen Pipelines. Alle wichtigen Exportrouten führen durch den Norden.

Auch Marina Peter vom Sudan Focal Point sieht die großen Herausforderungen für den Südsudan nicht in der Einführung einer neuen Währung. Die entscheidende Frage sei, wie sich das Land wirtschaftlich entwickeln werde und wie sich der Norden und der Süden in Sachen Öl-Einnahmen einigen, denn in beiden Ländern liege die Wirtschaft fast am Boden. "Natürlich hofft man, dass mit der neuen Staatsgründung auch viele Investoren ins Land kommen, aber da ist noch vieles offen." Wenn die Aufteilung der Öl-Einnahmen nicht bald geklärt sei, dann werde es sehr schwierig für beide Länder, so die Sudan-Expertin.

Doch neben der Öl-Frage gibt es noch zahlreiche andere Konflikte zwischen Norden und Süden. Dazu gehört neben verschiedenen ethnischen Auseinandersetzungen auch die Kontrolle über strittige Grenzregionen. Ob die Wirtschaft sich unter diesen Voraussetzungen überhaupt entwickeln kann, bleibt die große Frage.

Autorin: Katrin Ogunsade
Redaktion: Jan-Philipp Scholz/Ursula Kissel

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