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Asien

Eigene Ideen für chinesische Marken

China ist der größte Automarkt der Welt, alle "global player" kämpfen hier um Marktanteile. Einheimische Marken sind allerdings weniger gefragt. Aber Chinas Automobilindustrie will sich neu aufstellen.

Ohne eine strategische Neuausrichtung seines Automobilsektors wird China es nicht schaffen, mit Marken aus eigener Produktion nennenswerte Marktanteile zu erobern. Die chinesische Politik, ausländischen Firmen Marktzugang zu gewähren und dafür deren Technologie zu übernehmen - durch die Gründung von Joint Ventures - hat sich nach Ansicht von Experten als Fehlschlag erwiesen.

Seit fast drei Jahrzehnten ist eine Vorschrift in Kraft, wonach ausländische Automobilfirmen, die auf den chinesischen Markt wollen, ein Joint Venture mit einem chinesischen Partner eingehen müssen. Eine international konkurrenzfähige einheimische Automobilindustrie ist aus dieser Strategie aber bislang trotz beeindruckender Zahlen nicht hervorgegangen.

Marktanteil verloren

Mehrere Milliarden US-Dollar an ausländischen Investitionen sind in diese Joint Ventures geflossen, 30 Millionen Jobs wurden dabei geschaffen. 2009 überholte China die USA als größten Neuwagenmarkt, 2011 wurden über 18 Millionen Stück verkauft.

Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Director CAR Center Automotive Research an der Uni Essen-Duisburg (Foto: picture-alliance/dpa)

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht Chinas Automobilbranche am Wendepunkt

Gleichzeitig geht der Anteil einheimischer Marken am chinesischen Markt drastisch zurück. Nach Zahlen des chinesischen Automobilherstellerverbandes betrug der Marktanteil einheimischer Marken bei den Autoverkäufen im Juli 2012 6,8 Prozent, 2010 waren es noch 30,9 Prozent.

"Die Joint Ventures haben wirklich nicht den Erfolg für die Chinesen gebracht, den sie erwartet haben. Das Know-how ist nicht abgeflossen, die Fahrzeugentwicklungen stecken immer noch in den Kinderschuhen", erläutert Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Essen-Duisburg.

Joint Ventures als Opium

Ausländische Partner hätten es geschafft, den Weg der Joint Ventures so zu nutzen, "dass man zwar mit einer 50-zu-50-Beteiligung dabei ist, aber seine Ideen, Geschäftsgeheimnisse und Entwicklungsvorsprünge für sich behalten kann", so Dudenhöffer. Bei Versuchen des Technologieklaus wie jüngst im Fall von Volkswagen China, wo die chinesische Seite ein neuartiges Getriebe abkupfern wollte, habe VW wirksamen Protest einlegen können.

Der frühere chinesische Industrieminister He Guangyuan sagte auf einem Branchentreffen, dass die Joint Ventures für die chinesische Automobilfirmen "wie Opium" seien, das sie süchtig mache. Er kritisierte die chinesischen Partner dafür, dass sie ausländische Modelle geringfügig modifizierten und für kurzfristigen Gewinn verkauften, anstatt aus eigener Kraft Autos zu entwickeln und sich auf diesem Weg Know-how und Patentrechte zu verschaffen.

Neue Ansätze

Deutsch-chinesisches Elektroauto Denza (Foto: AFP)

Der "Denza" soll Chinas Käufer für Elektroautos begeistern

Es gebe allerdings auch Bemühungen, die Zusammenarbeit zu verstärken, berichtet Christoph Stürmer vom Marktforschungsinstitut IHS Global Insight. Er verweist auf das Modell Denza, ein Gemeinschaftsprojekt von Daimler Benz und dem chinesischen Autobauer BYD. Das nur für China bestimmte Elektroauto soll 2013 auf den Markt kommen. "Die beiden Partner haben das Auto von Anfang an gemeinsam entwickelt, aber es war und ist ein mühsamer Weg." Dass China seinen Automobilsektor auf Vordermann bringen will, geht laut Stürmer aus dem jüngsten Fünfjahresplan hervor. "Die Regierung will drei führende Hersteller und zehn Zulieferfirmen etablieren, die international konkurrenzfähig sein sollen. Auf allen Stufen der Wertschöpfung sollen chinesische Unternehmen präsent sein", so Stürmer.

Konsolidierung

Um den Sektor zu konsolidieren, will Peking allen Autofabriken die Produktionslizenz entziehen, bei denen in den nächsten zwei Jahren weniger als 1.000 PKWs pro Jahr vom Band laufen. Chinas Branchenverband rechnet damit, dass rund die Hälfte der einheimischen Automobilunternehmen verschwinden wird. Autoexperte Dudenhöffer geht davon aus, dass Chinas verschlankte Automobilindustrie eines Tages als globaler Wettbewerber auftreten wird und mit einem oder zwei Modellen durchaus Erfolg haben könnte.

"Es ist wichtig für China als Exportnation, in das Autogeschäft einzusteigen", so Dudenhöffer. Autos seien ein wichtiges, werthaltiges Produkt in der Produktion und im Verkauf. Vorerst versuchten einige chinesischen Autobauer auf dem Weg zur globalen Marke eine Abkürzung zu nehmen. So hat das Pekinger Unternehmen BAIC Motor Corp. kürzlich den italienischen Sportwagen-Designer Leonardo Fioravanti unter Vertrag genommen, und bei Great Wall Motor tüftelt jetzt der frühere Mercedes-Benz-Designer Andreas Deufel.