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Kultur

Ehrwürdiger Hit

Fast jeder kennt sie, ob musikbegeistert oder nicht: Beethovens neunte Sinfonie wird in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco aufgenommen. Nach Goethes Handschriften jetzt auch späte Lorbeeren für Beethoven.

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Ohrwurm auf vergilbtem Papier: die Noten Beethovens

Ob zur Wiedervereinigung, zu Olympischen Spielen oder einer Fernsehgala - wenn es feierlich wird, klingt oft Beethovens Neunte mit. Dann schmettert der Chor "Freude schöner Götterfunken" und für eine Weile fühlen viele auf dem Parkett, wie "alle Menschen Brüder" werden. Jetzt bekommt der Klassik-Hit mit dem Schlusstext von Friedrich Schillers "Ode an die Freude" die Weihen der weltweiten Kulturhüter: Die Originalpartitur der 9. Sinfonie wird an diesem Sonntag (12.01.03) bei einer Feier offiziell in das Unesco-"Gedächtnis der Welt" aufgenommen, die Philharmonie der Nationen spielt das Werk, Justus Frantz dirigiert.

Sinfonie mit Nachhall

Das fast 200 Seiten starke Manuskript gilt wohl als einer der wichtigsten Schätze in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, wo unter anderem auch wichtige Originale von Bach, Mozart und Mendelssohn Bartholdy aufbewahrt werden.

Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven

Für Bibliotheksdirektor Graham Jefcoate ist das Manuskript aber ein besonderes Juwel: Kein zweites Werk der sinfonischen Literatur habe eine so breite Wirkung gehabt wie Ludwig van Beethovens Opus 125 in d-moll.

Das Autograph der Partitur, wie sie Beethoven zwischen 1822 und 1824 zu Papier brachte, befindet sich nahezu vollständig am Boulevard Unter den Linden. Nur zwei Blätter aus dem zweiten Satz liegen im Bonner Beethovenhaus, drei Folien aus dem Finale in der Bibliothèque Nationale in Paris. Da das Manuskript jedoch keine Reinschrift ist und mit zahlreichen Streichungen, Rasuren und Überschreibungen schwer zu lesen ist, musste es von Kopisten ins Reine geschrieben werden.

Beethoven gab den Takt an

Als Beethovens Werk am 7. Mai 1824 im Wiener Kärntnertortheater uraufgeführt wurde, stand der damals 53-jährige Meister dem Dirigenten mit dem Original zur Seite und markierte den Takt. Ein Zuhörer berichtete später, wie Beethoven, der schon unter seiner zunehmenden Schwerhörigkeit litt, erst nach einer Weile den Applaus bemerkte und sich "in linkischster Weise" dafür bedankte.

Nach dem Tod des Komponisten 1827 kam das Autograph in die Hände seines Biografen Anton Schindler, und 1846 - zunächst nur in Auszügen - in die Königliche Bibliothek zu Berlin, die sich beim Spender mit einer Rente bedankte. Nachdem 1901 die Wiener Verlegerfamilie Artaria noch den Finalsatz der Bibliothek übergab, war das Original in wesentlichen Teilen wieder komplett.

Musikalische Odysee

Zum Schutz vor den Kriegswirren brachte die Preußische Staatsbibliothek das Manuskript in drei Partien 1941 an verschiedenen Orten außerhalb der Stadt unter - das Risiko eines Totalverlustes sollte so gering wie möglich bleiben. Erst 1967, nach einer Odyssee zwischen dem pommerschen Altmarrin und der Universitätsstadt Tübingen, gelangten die zentralen Teile zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz im damaligen West-Berlin. Und im selben Jahr übergab die polnische Regierung der DDR den fehlenden Rest - die Neunte war zumindest wieder in einer Stadt vereinigt.

Allerdings lagerte das Manuskript noch in getrennten Stadthälften - der Riss ging ausgerechnet durch jene Doppelfuge im Schlusssatz, in der Beethoven die weltumspannende Freude und Brüderlichkeit beschwört. Und so war es nur konsequent, als kurz nach dem Mauerfall Ende 1989 Leonard Bernstein nach Berlin eilte

DW Beethovenfest und Istanbuls Orchester

und in der Staatsoper Unter den Linden die Neunte dirigierte und Millionen Menschen in aller Welt die musikalische Vereinigungsfeier im Fernsehen miterlebten. (pt)

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