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Musik

Ehrlicher Jazz aus Deutschland

"Egis" ist ein Album, dessen Klang und Niveau manch andere deutsche Jazzproduktion überragt. Geschult an staatlicher Musikhochschule und Jazz College spielt Sebastian Studnitzky gleichermaßen populär wie tiefgründig.

Album Cover 'Egis' von Sebastian Studnitzky (Foto: Herzog Records)

Die aktuelle CD heißt 'Egis'

Natürlich liegt es auch mit am Background: Sebastian Studnitzky ist ein deutscher Jazzmusiker der Sonderklasse. Weltweit spielt er mit internationalen Gruppen, wie Mezzoforte aus Island und der Nils Landgren Funk Unit aus Schweden. Dazu bringt der badische Trompeter, Pianist und Keyboarder aber auch viel Zeit und Leidenschaft für seine eigenen Bands auf: Drei Alben hat der 38-Jährige bereits mit seiner Berliner Jazzpop-Combo Triband veröffentlicht und nun legt er mit "Egis" das zweite seines Studnitzky Trios nach.

Sebastian Studnitzky (Foto: Herzog Records)

Neue Töne von Studnitzky

"Musik soll frei sein von allen Stilgrenzen, Erwartungen und berechnenden Verkaufsstrategien", findet Sebastian Studnitzky. "Die Ehrlichkeit und Emotion ist für mich das absolut Wichtigste in meiner Musik" sagt der Wahlberliner, der im Schwarzwald aufwuchs, in Stuttgart an der staatlichen Hochschule für Musik studierte und am Berklee College of Music, in Boston Massachusetts. Nach einer soliden klassischen Ausbildung, die er als Vierjähriger auf dem Klavier begann, wandte er sich einige Jahre ausschließlich der Jazztrompete zu und schwenkte dann, weil ihm einengende Stilvorgaben und Scheuklappen-Denken störten, der Elektronik und dem Pop zu, wodurch er wieder mehr zum Klavierspiel kam. Heute erklärt Sebastian Studnitzky lachend: "Jetzt hab ich mich mit der Trompete wieder versöhnt und auch wieder mit dem Jazz."

Jazz, Pop und Klassik stilvoll vereint

Alles was ihn geprägt hat, findet sich nun auf dem Album "Egis" wieder. Sanft wie Miles Davis spielt Sebastian Studnitzky darauf Trompete, klassisch schlägt er das Klavier an, poppig lässt er die Keyboards klingen. Verschiedene Stile wechseln einander ab und greifen ineinander über. So ist die Swing-Nummer Fugato z.B. von Scarlattis Katzenfuge inspiriert, verrät Sebastian Studnitzky. Auch die Musik, die er zu Hause höre, komme aus allen möglichen Stilen, erzählt er. Zu seinen größten Einflüssen gehören jedoch, und das hört man deutlich, Johann Sebastian Bach und Miles Davis. Die großen Klassiker hört er immer wieder, denn sie verschaffen ihm eine gewisse musikalische Erdung.

Inspiration durch Reisen

Sebastian Studnitzky (Foto: Herzog Records)

Studnitzky steht für Ehrlichkeit und Emotion in der Musik

Wenn Studnitzky selbst komponiert, wird er oft von seinen internationalen Konzertreisen inspiriert. Die Streicher für das Stück "May" auf dem Album "Egis" dachte er sich im Frühling aus, als er durch Norwegen tourte und auf eine Fähre wartend an einem Fjord in der Sonne saß. Die Komposition "Moskau – Love can't be denied" geht auf seine Faszination für die russische Hauptstadt zurück, deren brodelnde Musikszene er seit den 90er Jahren kennt und liebt und die er immer wieder aufsuchte. Dazu ist der Deutsche inzwischen mit einer Russin verheiratet und freut sich mit ihr gerade auf das erste gemeinsame Kind. Fast alle Titel auf dem zweiten Studnitzky-Album verweisen auf die Entstehungsgeschichte der Stücke und sind wie Sebastian Studnitzky selbst und seine Musik: leicht zugänglich, aber mit Tiefgang, weltoffen und doch in der Tradition verwurzelt, humorvoll und ernsthaft, sachlich korrekt, aber gefühlvoll. "Egis" heißt das Album übrigens schlicht nach dem Akkord, mit dem das Titelstück beginnt: ein E-Dur-Dreiklang mit Gis im Bass. Klingt jedoch nach mehr, und so ist es auch. Nicht oft findet man ein Jazz-Album in Deutschland, das mit jedem Track aufs Neue begeistert und berührt.

Autorin:Antje Hollunder

Redaktion: Matthias Klaus

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