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Kultur

Ehrlich-Preis für Schöpfer von "Dolly"

Renommierte Auszeichnung für umstrittene Forschung: Der Schöpfer des Klon-Schafs "Dolly" ist mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis geehrt worden. Während der Preisvergabe gab es Proteste von Klon-Gegnern

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Kopf an Kopf: Wilmut lehnt sich an die Büste von Paul Ehrlich

Für seine Aufsehen erregenden Experimente, die zum ersten Klonen eines Säugetieres geführt hatten, erhielt der britische Genforscher Ian Wilmut am Montag (14.3.2005) in der Frankfurter Paulskirche den wichtigsten deutschen Medizinpreis. Der Virologie-Fachmann Bernhard Fleckenstein bezeichnete Wilmut in seiner Laudatio als einen Forscher, der "eine wissenschaftliche Revolution ausgelöst hat, welche die künftige Biomedizin grundlegend wandeln wird".

Dolly

Novum: "Dolly" das erste geklonte Säugetier (Archivbild 25. Februar 1997)

Zu den heftigen Protesten im Vorfeld der Preisvergabe sagte Fleckenstein, Wilmut habe auch zum sorgfältigen Umgang mit den neuen Technologien aufgerufen und sei damit seiner ethischen Verpflichtung nachgekommen. Von der Arbeit des Wissenschaftlers werde die Krebsforschung profitieren, genau wie Patienten, die unter der Bluterkrankheit leiden.

Lizenz zum Klonen

Der preisgekrönte Wissenschaftler, der am Roslin-Institut im schottischen Edinburgh arbeitet, hatte kürzlich eine britische Lizenz zum Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken erhalten. Das deutsche Embryonen-Schutzgesetz, das auch therapeutisches Klonen verbietet, kritisierte der Laudator als ethisch widersprüchlich, wissenschaftsfeindlich und novellierungsbedürftig.

Wilmut kündigte an, dass er das Preisgeld in die Erforschung von bisher unheilbaren Krankheiten stecken werde. Er betonte, beim menschlichen Klonen seien die Embryonen, aus denen Stammzellen entnommen würden, erst etwa eine Woche alt. Damit seien sie kleiner als ein Sandkorn und könnten mangels eines ausgebildeten Nervensystems noch nichts empfinden. Beim therapeutischen Klonen wird der Embryo zerstört. Der britische Genforscher sprach sich zugleich gegen das so genannte reproduktive Klonen von Menschen aus, also das Herstellen von Klonbabys. Dieses ist weltweit geächtet.

Demonstration gegen Wilmut

Gegen die Preisverleihung protestierten rund 40 Demonstranten vor der Paulskirche. "In Deutschland würde Wilmut eingesperrt für das, was er in Großbritannien tut. Klonen tötet Menschen", rief einer der Klon-Gegner.

Kritik an der Auszeichnung Wilmuts äußerten auch Ärzte- und Lebensschutzorganisationen. "Es ist mehr als befremdlich, wenn die Bundesregierung mit deutschem Steuergeld einen britischen Wissenschaftler belohnt, dessen Klonvorhaben hier zu Lande mit Strafe bedroht wären", erklärte die Ärzte-Organisation Marburger Bund in Köln.

Die UN-Vollversammlung habe sich erst vor wenigen Tagen gegen sämtliche Formen des Klonens ausgesprochen, sagte der zweite Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke. Deshalb sei es nicht nachzuvollziehen, dass die Bundesregierung nun einen Forscher auszeichne, der die Klontechnik am Menschen anwenden wolle.

Demonstranten mit Schafs-Masken

Demonstranten mit Schafs-Masken protestieren gegen die Verleihung des Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preises Ian Wilmut.

Der Bundesverband Lebensrecht forderte die Paul-Ehrlich-Stiftung zu "Ehrlichkeit und Fairness in der Auseinandersetzung um das Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken" auf. "Wer von
Wissenschaftlern die Einhaltung ethischer Prinzipien fordert, ist nicht deshalb schon wissenschaftsfeindlich", erklärte die Vorsitzende des Verbandes, Claudia Kaminski. Die Initiative setzt sich für das Lebensrecht von Kranken und Behinderten und den Schutz des ungeborenen Lebens ein.

Geldgeber: Unternehmen und Bundesregierung

Das Preisgeld der mit 100.000 Euro dotierten Auszeichnung stammt je zur Hälfte aus Spenden von Unternehmen und vom Bundesgesundheitsministerium. Frühere Preisträger sind unter anderem der amerikanische Gen-Pionier Craig Venter und der ebenfalls amerikanische Aids-Forscher Paul Gallo.

Die 1929 gegründete Paul Ehrlich-Stiftung ist eine Stiftung der Vereinigung von Freunden und Förderern der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Ehrenpräsident ist Bundespräsident Horst Köhler. Im Stiftungsrat, der über die Preisvergabe entscheidet, sitzen 14 Wissenschaftler aus fünf Ländern. Entgegen früheren Meldungen nahm Bundespräsident Köhler nicht an der Zeremonie teil. (mik)

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