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Wirtschaft

Ehrgeizige Ziele von Volkswagen Argentinien

Der argentinische Standort von Volkswagen steht in Lateinamerika im Schatten der großen Werke in Mexiko oder Brasilien. Dennoch spielt er eine Schlüsselrolle. Ein Gespräch mit dem Chef von VW-Argentina, Viktor Klima.

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VW-Fox aus dem Werk in Cordoba

Als Viktor Klima im Oktober 2000 Präsident von VW-Argentinien wurde, dachten viele, der ehemalige Bundeskanzler von Österreich (1997-2000) würde nun in der Versenkung veschwinden. Buenos Aires ist nicht nur mehr als 10.000 Kilometer von Wien entfernt. Es gilt zudem nicht gerade als das Zentrum der internationalen Automobilindustrie. Auch im Volkswagen-Konzern selbst spielt Argentinien eher die zweite Geige, steht im Schatten Brasiliens.

Herausforderung Argentinien

Victor Klima

Viktor Klima, österreichischer Ex-Bundeskanzler und VW-Manager

Dennoch beschwert sich der 57-jährige Klima nicht, im Gegenteil. Als Politiker auf dem Abstellgleis sieht er sich nicht und Langeweile kam in seinem Manager-Posten fernab der Heimat auch nicht auf. Kaum war er angetreten, stürzte Argentinien in die schwerste Wirtschaftskrise seiner Geschichte. "Ich habe auf dem Höhepunkt der Krise zu Herrn Piech (Anmerkung der Red.: damals VW-Chef) einmal gesagt: Herr Piech, ich hatte Sie um eine Herausfoderung gebeten, aber dass sie gleich so groß sein muss," sagt der österreichische Sozialdemokrat heute scherzhaft.

Getriebe für den Export

Als Argentinien sich Ende 2001 zahlungsunfähig erklärte, zogen viele ausländische Unternehmen ab. VW blieb, hatte man doch kurz zuvor noch 160 Millionen Dollar in das Werk in der Stadt Cordoba, 700 Kilometer westlich der Hauptstadt, investiert. Dort stellt der Konzern Getriebe für alle möglichen VW-Modelle her, 2004 waren es mehr als 500.000, Tendenz steigend. Das Werk dort kam bei der Krise eher glimpflich davon, sind doch 95 Prozent der Getriebe für den Export bestimmt, für die Fabriken in Brasilien, Mexiko, Südafrika, Spanien oder Deutschland. Export ist derzeitig die einzige Möglichkeit in Argentinien, Geld zu verdienen. Hier wirkte sich die Abwertung des Peso gegenüber dem Dollar um rund 70 Prozent positiv aus.

Allerdings musste auch VW durch ein tiefes Tal schreiten: Klima spricht von einem "sehr engagierten" Restrukturierungsprogramm zur Bewältigung der Wirtschaftskrise. 52 Prozent des so genannten "indirekten Personals" sei entlassen worden, eine kryptische VW-interne Umschreibung für jene Mitarbeiter, die nicht direkt bei der Herstellung eines Automobils beschäftigt sind, also zum Beispiel Personal in der Verwaltung und Buchhaltung.

Neues Auto kommt

Anfangs musste Klima die verschreckten Automanager in Wolfsburg beruhigen. "Da gab es schon die Sorge, dass es zu Produktionsausfällen kommen könnte", erzählt er. "Uns ist es aber gelungen, unsere Liefertreue unter Beweis zu stellen. Das hat dazu geführt, dass wir als Vertrauensbeweis die Genehmigung bekommen haben hier wieder zu investieren." Ende 2005 will VW Argentinien in seinem zweiten Werk, in Pacheco nahe Buenos Aires, ein neues Auto zu fertigen. Einzelheiten sind noch nicht bekannt.

Lesen Sie weiter, warum VW ausgerechnet in Argentinien investiert und was Viktor Klima persönlich an dem Land schätzt.

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