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Deutschland

Ehemalige Heimkinder beschuldigen Bischof

Ohrfeigen, Fausthiebe, Stockschläge - der Augsburger Bischof Walter Mixa wird beschuldigt, er habe früher Heimkinder misshandelt. Sein Bistum bestreitet die Vorwürfe.

Der Bischof von Augsburg, Walter Mixa (Foto: dpa)

Der Bischof von Augsburg, Walter Mixa

Fünf ehemalige Heimkinder in Oberbayern haben laut einem Zeitungsbericht angegeben, als Kinder von dem heutigen Augsburger Bischof Walter Mixa geschlagen worden zu sein. In eidesstattlichen Erklärungen, die der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe, 31.03.2010) vorliegen, behaupten die drei Frauen und zwei Männer, Mixa habe sie in den 1970-er und 1980-er Jahren im Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef im bayerischen Schrobenhausen mehrmals geschlagen.

"Zu keinem Zeitpunkt Kinder misshandelt"

Das Bistum Augsburg wies die Vorwürfe zurück. "Bischof Mixa hat zu keinem Zeitpunkt in keiner Funktion Kinder misshandelt", erklärte die Sprecherin des Augsburger Ordinariats, Kathi Marie Ulrich, am Mittwoch. Die Berichte dienten dazu, den Bischof als einen "profilierten Vertreter der katholischen Kirche" zu diffamieren. Das Bistum behalte sich rechtliche Schritte gegen die Anschuldigungen vor.

Laut "SZ" berichten die ehemaligen Heimkinder von Ohrfeigen, Fausthieben gegen den Oberarm sowie Schlägen auf das Gesäß mit Teppichklopfer und Stock. Während der Schläge soll Mixa nach Angaben eines heute selbst als Erzieher arbeitenden Familienvaters gesagt haben: "Kind Gottes, nimm diese Strafe" oder: "In dir ist der Satan, den werde ich dir schon austreiben." Walter Mixa war den Angaben zufolge von 1975 bis 1996 Stadtpfarrer von Schrobenhausen und habe laut den Berichten der ehemaligen Heimkinder regelmäßig die Mallersdorfer Schwestern besucht, die das Kinderheim damals leiteten. Danach soll er die Heimkinder für Fehlverhalten bestraft haben.

Auch die Nonnen sollen dem Bericht zufolge die Kinder geschlagen haben - "mit Holzbesen, Holzpantoffeln und Kleiderbügeln", wie die heute 41 bis 47 Jahre alten Personen laut "SZ" berichten. Der Orden der Mallersdorfer Schwestern höre diese Vorwürfe nach eigenen Angaben zum ersten Mal, habe aber einen offenen Umgang angekündigt und wolle die Geschehnisse gemeinsam mit den Betroffenen aufarbeiten.

Vertrauensverlust der katholischen Kirche

Papst Benedikt XVI. (Foto: dpa)

Papst Benedikt XVI.


Die Vorwürfe kommen zu einer Zeit, in der die katholische Kirche in Deutschland mit einem schweren Imageverlust zu kämpfen hat: In den vergangenen Monaten waren zahlreiche Fälle bekannt geworden, in denen sich Priester und andere Kirchenleute an Kindern und Jugendlichen sexuell vergangen haben.

Wegen des Missbrauchskandals sind viele Deutsche mit Papst Benedikt XVI. unzufrieden: Eine Umfrage für das Magazin "Stern" ergab, dass nur noch knapp ein Drittel aller Bürger (31 Prozent) die Arbeit des 82-Jährigen als gut oder sehr gut bewertet. Noch vor drei Jahren waren es 70 Prozent. 46 Prozent von insgesamt 1004 Befragten beurteilen seine Arbeit als weniger gut oder schlecht. Selbst 45 Prozent der Katholiken geben ihm eine schlechte Note.

Am Dienstag hatte die katholische Kirche eine Telefon-Hotline für Missbrauchsopfer geschaltet. Unter der Nummer 0800-1201000 kümmern sich geschulte Berater und Therapeuten um alle, die solche Übergriffe in katholischen Einrichtungen erlebt haben.

Autor: Dеnnis Stutе (afp, apn, dpa, epd, kna)
Redaktion: Martin Schrader

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