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Doping in China

Ehemalige Ärztin spricht über das staatliche Dopingsystem von Chinas Olympioniken

Die ehemalige Ärztin Xue Yinxian hat gegenüber der ARD-Dopingredaktion flächendeckendes Doping chinesischer Athleten aufgedeckt und fordert die Aberkennung aller chinesischen Medaillen aus den 80er und 90er-Jahren.

USA Los Angeles Olympiamannschaft China 1984 (Getty Images/AFP/)

Das chinesische Olmypia-Team bei den Spielen 1984 in Los Angeles

Die 79-jährige Ärztin spricht offen über das flächendeckende Doping-Systems des chinesischen Staates nachdem sie aus China geflohen war und Asyl in Deutschland beantragt hatte. "Es müssen mehr als 10.000 Athleten betroffen sein", gab Xue imInterview mit der Doping-Redaktion der ARD an. 

2012 hatte Xue zum ersten Mal öffentlich Vorwürfe erhoben und von flächendeckendem Staatsdoping in China in der 1980er und 90er-Jahren gesprochen. Anschließend sei sie immer wieder von der Staatsmacht bedrängt worden und fühlte sich in ihrer Heimatstadt Peking nicht mehr sicher. Nach ihrer Flucht aus China vor wenigen Wochen hat die 79-Jährige politisches Asyl in Deutschland beantragt und lebt aktuell mit ihrem Sohn in einem Flüchtlingsheim in Deutschland. Hier gab sie auch das Interview. 

Xue fordert Aberkennung von chinesischen Medaillen 

"In den 80ern und 90er Jahren haben die chinesischen Sportler in den Nationalmannschaften großflächig Dopingmittel genommen. Die Medaillen wurden mit Dopingmitteln begossen. Gold, Silber und Bronze. Alle internationalen Medaillen sollte man aberkennen", sagte die Ärztin, die ab den 1970er-Jahren mehrere Nationalmannschaften und Athleten Chinas medizinisch betreute, gegenüber der ARD und beschreibt, wie sehr Doping in der Zeit, in der China mit Stars wie der Turnerin Li Ning zur globalen Sportmacht aufsteigen konnte, im Mittelpunkt der staatlichen Strategie stand: "Man glaubte nur noch an das Doping. Wer Dopingmittel nimmt, verteidige das Land, hieß es. Wer aber gegen Doping ist, der gefährde das Land. Und wer das Land gefährdet, sitzt heute im Gefängnis." 

Dopingkontrollen als Teil des Systems 

Und auch die Kontrollen seien zum Zwecke der Vertuschung des flächendeckenden Doping-Systems missbraucht worden und dienten lediglich dazu, sicherzustellen, dass die Sportler bei der Ausreise "dopingfrei" waren, die Substanzen für Kontrolleure bei internationalen Wettbewerben wie den Olympischen Spielen eben nicht mehr nachweisbar waren. 

Dagegen setzte sich Xue nach eigenen Angaben schon während ihrer Zeit als Mannschaftsärztin zur Wehr, konkret vor den Spielen 1988 in Seoul, als sie von offizieller Seite damit beauftragt worden war, eine Spitzenathletin mit verbotenen Substanzen zu behandeln. "Ich wollte die Turner-Nationalmannschaft zu einem Ort ohne Doping machen. Ich weigerte mich, einem bekannten Sportler Dopingmittel zu spritzen. Danach durfte ich nicht mehr das Team leiten. 1988 war ich noch mit der Turn-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Seoul dabei. Nach dem Wettkampf der Turner wurde ich aber sofort isoliert. Ich durfte keine Sportler mehr behandeln." 

dvo/sw

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