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Politik & Gesellschaft

EHEC-Entwarnung für Gurken und Co.

Eifrig suchen Experten noch immer nach der EHEC-Infektionsquelle. Die Verzehrwarnung für rohe Gurken, Tomaten und Salat wurde aufgehoben - nicht aber für Sprossen. Auch der Mensch könnte eine Quelle sein.

Eine schwarze Kreidetafel neben einer Kiste mit Gurken und einem Mann, der eine Gurke herausnimmt (Foto: dapd)

Woher kommt der EHEC-Erreger?

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (Foto: dapd)

Auf Fehlersuche in der EHEC-Affäre: Ilse Aigner

Es gebe "noch keinen Grund zur endgültigen Entwarnung", aber es bestehe "Anlass für berechtigten Optimismus", sagte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) am Freitag (10.06.2011). "Wir sind ein Stück weit erleichtert." Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) stimmte dem zu. "Es ist ein gutes Signal für die Verbraucher, weil jetzt mehr Klarheit herrscht."

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte zuvor die wegen der EHEC-Epidemie verhängte Warnung vor dem Verzehr roher Tomaten, Gurken und Blattsalate aufgehoben. Das Robert-Koch-Institut (RKI) und das BfR hatten die Verzehrhinweise am 25. Mai ausgesprochen. Grundlage dafür waren Erkenntnisse aus Patientenbefragungen. Die Infektionsquelle sei jedoch weiterhin unbekannt. BfR-Präsident Andreas Hensel sagte, die Warnung der Behörden für Sprossen bleibe daher bestehen. Es gebe starke Anzeichen dafür, dass Sprossen von einem Hof in Niedersachsen mit dem EHEC-Erreger belastet gewesen seien. Bundesweit starben mindestens 30 Menschen nach einer EHEC-Infektion.

Erstmals gehen die Behörden im Bundesland Hessen nun auch davon aus, dass der Keim von einem Menschen übertragen wurde. Das "Hamburger Abendblatt" berichtet unter Berufung auf die Behörden, dass eine Angestellte einer Cateringfirma den Erreger an das Essen weitergegeben habe könnte. Mindestens acht Gäste einer Feier in Göttingen waren anschließend erkrankt - einer von ihnen gab an, dass er weder Salat oder anderes Gemüse noch Sprossen gegessen habe.

Der Darmkeim-Experte Helge Karch geht sogar davon aus, dass der grassierende EHEC-Stamm nur beim Menschen vorkomme. Zum jetzigen Zeitpunkt müsse davon ausgegangen werden, dass der Ausbruchsstamm ein Reservoir im Menschen habe. Auch das Bundesinistitut für Risikobewertung geht nun davon aus, dass der Mensch als Quelle für eine mögliche Kontamination von Lebensmiteln in Frage kommen könnte.

Regierung räumt fehlerhafte Kommunikation ein

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) (Foto: dapd)

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sieht Fehler in der Kommunikation

Auch das EHEC-Krisenmanagement der Bundesregierung steht weiterhin in der Kritik. Aigner kündigte in den kommenden Wochen eine kritische Analyse der eigenen Arbeit an. Darin soll es um die Frage gehen, wer sich mit Informationen an die Medien und Öffentlichkeit wenden sollte: der Bund oder die Länder? Zwar gebe es bereits Absprachen in der Kompetenzverteilung, und sie selbst habe sich dabei auch nichts vorzuwerfen, doch nichts sei "so gut, dass man es nicht noch verbessern könnte", räumte die Ministerin ein.

Bahr pflichtet ihr bei. Es habe verwirrende Informationen von "selbst ernannten Experten" gegeben. Gegen diese habe er nicht anarbeiten können. "Ich will ja gar nicht sagen, dass die Kommunikation optimal gelaufen ist", meint der Bundesgesundheitsminister. Doch er habe sich stets an das gehalten, was das RKI als Empfehlung veröffentlicht hatte.

Imagekampagne für spanisches Gemüse

Eine Kiste mit verschiedenen Gemüsesorten (Foto: dapd)

Folgen für die Bauern: Gemüse zum Schleuderpreis

Die spanische Regierung möchte nun eine Werbekampagne starten, um den Ruf des dort angebauten Gemüses zu verbessern. Vor allem Gurken wurden vor zwei Wochen zu Unrecht als Quelle der in Norddeutschland ausgebrochenen EHEC-Epidemie identifiziert. Das ließ die Nachfrage nach Gurken rapide sinken und den Preis fallen. Nun sollen ab Samstag Broschüren verteilt und Plakate in allen großen spanischen Einkaufsmärkten aufgehängt werden. Auch die deutsche Regierung will die Kampagne unterstützen. Nach Deutschland geht normalerweise ein Viertel der spanischen Gemüse-Exporte.

Wegen ihrer EHEC-Gurkenwarnung hat nun für die Hamburger Gesundheitsbehörde auch ein juristisches Nachspiel begonnen. Der spanische Obst- und Gemüsegroßhändler Frunet hat über seine Anwälte Akteneinsicht beim Hamburger Verwaltungsgericht beantragt. Damit soll den Angaben der Anwälte zufolge nachgewiesen werden, dass die Gesundheitsbehörde nicht ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen sei. Sie soll nicht die vorgeschriebenene Gegenproben entnommen haben. Auf den spanischen Gurken waren zwar EHEC-Bakterien festgestellt worden, aber eine andere Sorte. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, droht der Hamburger Behörde eine Schadensersatzklage in Millionenhöhe.

Autor: Nicole Scherschun (dpa, afp)
Redaktion: Naima El Moussaoui

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