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Filme

Egon Günther mit 90 Jahren gestorben

Er war einer der innovativsten und mutigsten Filmemacher Ostdeutschlands. Egon Günther verscherzte es sich nicht nur einmal mit den DDR-Behörden. Jetzt ist der Regisseur und Drehbuchautor gestorben.

Ginge es gerecht zu beim Rückblick auf die deutsche Filmgeschichte der Nachkriegszeit, so würde man den Regisseur Egon Günther vermutlich in eine Reihe stellen mit den großen westdeutschen Regisseuren. Kluge, Wenders, Herzog, Fassbinder und Schlöndorff - das sind Namen, die sich eingeprägt haben im Bewusstsein der Deutschen. Doch Egon Günther? Wer außer ehemaligen DDR-Bürgern und Filminteressierten kennt das Werk dieses Filmemachers heute noch?

Oft Ärger mit den DDR-Behörden

Günther, der am 30. März seinen 90. Geburtstag feierte, war einer des innovativsten und sicher auch mutigsten Regisseure Ostdeutschlands. Viele seiner Filme wurden zensiert, geschnitten und verstümmelt, oft nach wenigen Tagen aus den Lichtspielhäusern entfernt. Manche durften gar nicht erst gezeigt werden. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, wie viele Filme Egon Günther im Laufe seiner Karriere trotzdem realisieren konnte.

Filmstill - Die Schlüssel (Defa)

Eine Arbeiteren aus der DDR auf Urlaubsreise in Polen: Jutta Hoffman in "Die Schlüssel"

Der 1927 geborene Günther, der aus einer Arbeiterfamilie stammt, fing in den 1950er Jahren an Gedichte und Romane zu schreiben. Noch mehr als seine Filme sind diese Werke heute vergessen. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Weil er unzufrieden war mit der Realisierung seiner Drehbücher für andere Regisseure, begann er schließlich selbst Regie zu führen. Schon sein zweiter Film "Das Kleid", nach einem Märchen von Hans Christian Andersen, kam nicht in die Kinos - die Behörden hatten ihn verboten. Mit "Lots Weib" hatte er mehr Glück. In diesem Film fand Günther auch zu einem seiner nun bevorzugten Themen: dem Alltag in der DDR und dem besonderen Augenmerk auf die Moderne.

Experimentierfreudig und avantgardistisch: Egon Günther

Doch schon der folgende Film "Wenn Du groß bist, lieber Adam" wurde von den Zensoren wieder verboten, verschwand für Jahre in den Archiven. Erst 1990, als er nach der Wende gemeinsam mit einem Dutzend anderer lange verbotener DDR-Filme wieder ans Tageslicht kam, erkannte man auch im Westen die Qualitäten dieses Regisseurs. "Wenn Du groß bist, lieber Adam", die witzig und phantasievoll erzählte Geschichte eines Jungen und dessen Alltag aus Beobachtungen und Spiel, ist in seiner filmischer Experimentierlust einzigartig im DDR-Filmschaffen.

Jutta Hoffmann (Adele Schopenhauer), Hilmar Baumann (Goethes Sohn) und Katharina Thalbach (Ottilie von Pogwisch) in Lotte in Weimar (defa-spektrum GmbH)

Lustwandeln in Weimar: Egon Günters Film "Lotte in Weimar"

Zu einem der großen Regisseure Deutschlands hätte Günther dann eigentlich in den 1970er Jahren mit seinen Filmen "Der Dritte" und "Die Schlüssel" aufsteigen müssen. Beide Filme mit Hauptdarstellerin Jutta Hoffmann erzählen von Frauenschicksalen in der DDR der Gegenwart. Sie gehören noch heute zu den bemerkenswertesten Defa-Produktionen. Doch auch damit hatte Günther bei den Behörden kein Glück. Obwohl "Der Dritte" 1971 beim Festival in Karlsbad den Hauptpreis erhielt und Hoffmann in Venedig den Preis für die beste Darstellerin erhielt, wurden dem Regisseur in seiner deutschen Heimat weiterhin Steine in den Weg gelegt.

Wechsel zu Literaturverfilmungen und historischen Stoffen 

In der Folge verlegte sich Günther mehr auf Literaturverfilmungen und historische Stoffe. Doch auch in diesen erkannten die DDR-Behörden Anspielungen auf die "sozialistische Wirklichkeit" der DDR und machten dem Regisseur das Leben schwer. Ende der 1970er Jahre verließ er die DDR und drehte nur noch im Westen. Seinen DDR-Pass behielt er jedoch.

Einige seiner Filme wie "Lotte in Weimar", "Die Leiden des jungen Werther" oder später auch "Die Braut" kreisten um das Leben von Johann Wolfgang von Goethe. Nach der Wende kehrte Günther in seine ostdeutsche Heimat zurück, realisierte aber fast nur noch Fernsehfilme.

Deutschland Egon Günthers Film Der Dritte mit Jutta Hoffman (DEFA)

Aus dem Leben einer alleinerziehenden Mutter in der DDR: Jutta Hoffman in "Der Dritte"

Günthers einziger späterer Kinofilm "Rosamunde" ist heute vor allem deshalb noch sehenswert, weil er einen blutjungen Jürgen Vogel in einer seiner ersten Rollen zeigt.

Egon Günther wurde 2014 mit einem Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin geehrt. Bis zu seinem Tod lebte er mit seiner dritten Frau in Groß Glienicke in Brandenburg. An Hochschulen gab er in den letzten Jahrzehnten sein Wissen an kommende Generationen von Regisseuren und Drehbuchautoren weiter. Er hatte viel zu erzählen - vor allem auch, wie es ist, in einem repressiven Staat Haltung zu bewahren und unermüdlich künstlerisch ambitionierte Filme zu realisieren.

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