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Politik

Edwards wird Kerrys Vize

Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry wird mit Senator John Edwards aus North Carolina in den Wahlkampf gegen George W. Bush ziehen. Die Nominierung könnte wahlentscheidend sein.

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Edwards (re.) glaubt an seinen "Freund" Kerry


Lange hatte Kerry seine Wahl geheim gehalten und die öffentliche Spannung gesteigert. Mit Edwards' Wahl versucht Kerry, zwei seiner eigenen Schwächen auszugleichen: Als volksnaher und charmanter Menschenfänger soll Edwards der Kampagne des hölzern-intellektuellen Bush-Herausforderers etwas Glanz verleihen und die Herzen der Wähler erobern, und er soll als Sohn des Südens dem Nordstaatler Kerry Stimmen in den Südstaaten bringen, die von vielen Experten als wahlentscheidend betrachtet werden.

Geheimes Treffen nach Favoritensterben

Als Favoriten für die Vize-Präsidentschaftskandidatur waren neben Edwards der ehemalige Fraktionschef der Demokraten im Repräsentantenhaus, Richard Gephardt, und der Gouverneur von Iowa, Thomas Vilsack, gehandelt worden. Zuletzt hatten sich Hinweise auf eine Kandidatur Edwards' verdichtet: Nach Angaben von Vertretern der Demokratischen Partei hatte dieser am vergangenen Donnerstag seinen Urlaub in Florida für ein geheimes Treffen mit Kerry in Washington unterbrochen. Umfragen hatten in der vergangenen Woche ergeben, dass die Mehrheit der US-Bürger eine Kandidatur des Juristen für das Vizepräsidentenamt befürworten würde.

Edwards war die Überraschung in den Vorwahlen der Demokraten. Zwar hatte er sich im März gegen Kerry im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur geschlagen geben müssen. Doch hatte sich der spät in die Politik gelangte Senator schon damals unausgesprochen als Anwärter auf die Vizepräsidentschafts-Kandidatur positioniert.

Mann mit Optimismus und Charme

Bei der ersten Vorwahl in Iowa kam er auf einen starken zweiten Platz, ebenso in Wisconsin Mitte Februar, seinen Geburtsstaat South Carolina gewann er. Begeistern konnte Edwards vor allem durch seinen persönlichen Charme. Er setzte auf einen "optimistischen" Grundton seiner Kampagne, vermied allzu harte Angriffe auf seine Rivalen und pflegte sein Image als Sonnyboy - ein krasser Gegensatz zum eher grimmig auftretenden derzeitigen Vizepräsidenten Dick Cheney.

Auch wenn er es als Rechtsanwalt zum Millionär gebracht hat, kann Edwards glaubwürdig vermitteln, dass ihm die Sorgen der kleinen Leute am Herzen liegen. Denn als Spezialist für Schadenersatzklagen hat er nicht nur über 20 Jahre hinweg für seine Mandanten aus dem

Volk Millionensummen von Versicherungen und Krankenhäusern erstritten - Edwards kommt auch selbst aus einfachen Verhältnissen. Als Sohn einer Arbeiterfamilie wuchs er in Kleinstädten in South- und North Carolina auf und arbeitete sich mit zähem Ehrgeiz nach

oben, indem er sein Studium mit Fabrikjobs finanzierte.

Versprechen an den Vater

Nach dem Tod seines Sohnes Wade 1996, dem er versprochen hatte, in die Politik zu gehen, wurde Edwards 1998 für North Carolina in den Senat gewählt. Dort wurde das rhetorische Talent des jungen Senators von den Demokraten sofort dafür genutzt, der republikanischen Kampagne zur Amtsenthebung von Präsident Bill Clinton die Stirn zu bieten.

Den gutaussehenden 51-Jährigen mit dem weichen Südstaatenakzent halten viele für den begabtesten Redner seiner Partei - der Gerichtssaal erwies sich als eine erstklassige Schule für seine Kampagne. Damit setzt er sich wohltuend gegen John Kerry ab, der einen eher gewundenen Redestil pflegt.

Rückzug vom Rückzug
Edwards hatte während des Wahlkampfes immer wieder betont, dass er nicht auf das Vizepräsidentenamt schiele. Doch die Rede, mit der er im März seinen Rückzug aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur verkündete, hörte sich stellenweise schon wie eine an den Spitzenkandidaten gerichtete Jobbewerbung an: Sein "Freund" Kerry habe eine "starke, mächtige Kampagne" geführt und sei als Anwalt all der Dinge aufgetreten, "an die wir alle glauben". (ali)

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