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Europa

Eduard Schewardnadse: Ein sowjetisch-georgisches Leben mit Weltbedeutung

Eduard Schewardnadse hat als Gorbatschows Außenminister den Kalten Krieg beendet und die Vereinigung Deutschlands ermöglicht. Nun ist er im Alter von 86 Jahren gestorben.

Die Ernennung des georgischen Parteichefs Eduard Schewardnadse zum sowjetischen Außenminister im Juli 1985 war eine Überraschung. Schließlich verfügte der damals 57-Jährige über keine außenpolitische Erfahrung. Er blickte zu dem Zeitpunkt auf eine steile Partei- und Staatskarriere in Georgien zurück und hatte sich als georgischer KP-Chef mit engen Verbindungen zum KGB einen Namen im Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft in der südkaukasischen Sowjetrepublik gemacht. Damit passte er hervorragend zu Michail Gorbatschow, der selbst erst wenige Monate zuvor zum neuen Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion geworden war.

Denn Gorbatschow und Schewardnadse stammten beide nicht nur aus dem Kaukasus und waren seit den frühen 1960er-Jahren miteinander bekannt. Vielmehr einte beide das Ziel, der maroden, von Korruption und Misswirtschaft geprägten Sowjetunion ökonomisch eine neue Perspektive zu geben. Die stagnierende Sowjetwirtschaft gefährdete Mitte der 1980er-Jahre die Legitimität des kommunistischen Herrschaftssystems und die Ideologie vom siegreichen Sozialismus. Um den Lebensstandard der murrenden Bevölkerung zu verbessern, sollten staatliche Budgetmittel aus der Rüstungs- und Schwerindustrie in die sowjetische Konsumwirtschaft umgelenkt werden. Doch dieses Unterfangen erforderte eine Entspannung im Ost-West-Konflikt, insbesondere mit den USA.

Außenminister des Neuen Denkens

In den folgenden fünf Jahren hat Schewardnadse als Gorbatschows Außenminister des sogenannten Neuen Denkens in der sowjetischen Außenpolitik Weltgeschichte geschrieben: Mit seinem und Gorbatschows Namen sind die Abrüstungsverträge mit den USA, der Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan und das Nicht-Eingreifen in die friedlichen Revolutionen in Ostmitteleuropa verbunden. Und besonders für Deutsche wird Eduard Schewardnadse - ebenso wie Michail Gorbatschow - immer eine Person sein, die als einer der Väter der deutschen Wiedervereinigung in Erinnerung bleiben wird. Als Vertreter der Sowjetunion bei den Zwei-plus-Vier-Gesprächen arbeitete er gegen den Widerstand vieler sowjetischer Altkommunisten und Armeegeneräle in Moskau an einer deutschen Wiedervereinigung mit. Letztendlich gehörte Schewardnadse zu den führenden Männern, die den "Kalten Krieg" zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion beendet haben, was ihm international viel Anerkennung eingebracht hat.

Audioslideshow Helmut Kohl Kohl Zwei-plus-Vier-Mächte Schewardnadse

Schewardnadse und Gorbatschow (in der Mitte)

Im Dezember 1990 erklärte Schewardnadse allerdings seinen Rücktritt vom Amt des sowjetischen Außenministers: Er warnte vor einer Diktatur und protestierte damit gegen die Kräfte, die sich gegen weitere Reformen in der Sowjetunion und die Auflösung des kommunistischen Herrschaftssystems wandten. Zwar arbeitete er im Umfeld Gorbatschows weiter, doch nach dem Putsch gegen Gorbatschow im August 1991 und der Auflösung der Sowjetunion im Dezember endete Schewardnadses Rolle in Moskau.

Rückkehr in die Heimat

Der Weggang aus Moskau bedeutete aber noch nicht das politische Ende von Eduard Schewardnadse. Er kehrte ins politisch und wirtschaftlich zerrüttete Georgien zurück, um dort die Macht in der von der Sowjetunion unabhängig gewordenen Kaukasusrepublik zu übernehmen. Bei Wahlen im Herbst 1992 erhielt er eine überwältigende Zustimmung und im folgenden Jahrzehnt gelang es ihm - ab 1995 als Präsident Georgiens - das Land trotz der Abspaltungen von Abchasien und Südossetien zu stabilisieren.

Seine Politik in Georgien endete aber nicht in einer Erfolgsgeschichte: In den letzten Jahren seiner Zeit als Präsident erwies sich Schewardnadse als Bremsklotz für den völligen Durchbruch Georgiens zu Demokratie und Marktwirtschaft. Er schien eher durch Vetternwirtschaft und Korruption an seinem Machterhalt zu arbeiten als an der Entwicklung eines georgischen Rechtsstaates. Als es im November 2003 bei Parlamentswahlen zu Wahlfälschungen kam, führten Massenproteste in die sogenannte Rosenrevolution. Ein unrühmliches Ende seiner Amtszeit, aber immerhin ein friedlicher Machtwechsel, ohne Blutvergießen.

Mit Schewardnadses Rücktritt am 23. November 2003 endete seine politische Ära auch in Georgien. Er verließ damit endgültig die Politik. Schewardnadse begann, seine Memoiren zu schreiben. "Demokratie war mein größtes Ziel", hatte er anlässlich der Veröffentlichung seiner Lebenserinnerungen im Interview mit der Deutschen Welle gesagt. Dieses Ziel hat Eduard Schewardnadse nur zum Teil erreicht. Seine bedeutenden Verdienste als sowjetischer Außenminister werden überschattet von seinem jähen politischen Ende als alternder Präsident, der zu lange an der Macht festhielt.