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Fußball

Edin Dzeko: Die Deutschen geben nie auf

Edin Dzeko ist Torschützenkönig der Bundesliga. Der Stürmer vom VfL Wolfsburg traf mit Bosnien-Herzegowina im Testspiel auf das DFB-Team. Im Interview der Deutschen Welle spricht er über die WM-Chancen der Deutschen.

Der Wolfsburger Edin Dzeko hält die Torjägerkanone. (Foto: dpa)

Mit seiner Mannschaft Bosnien-Herzegowina testete Edin Dzeko die Form der deutschen Nationalmannschaft vor dem Start der WM 2010. Der Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga ist WM-Experte der Deutschen Welle. Im Exklusivinterview spricht der Profi vom VfL Wolfsburg über die WM-Chancen der DFB-Auswahl und über sein Leben in Deutschland.

DW-WORLD.DE: Für welches Team halten Sie bei der Fußball-WM? Bosnien-Herzegowina ist ja leider nicht dabei.

Edin Dzeko: Bosnien leider nicht, aber Deutschland ist dabei und ich halte auf jeden Fall für Deutschland bei der WM.

Sie sind WM-Experte der Deutschen Welle. Welche Chancen hat Deutschland bei der WM in Südafrika?

Das ist natürlich schwer vorherzusagen. Aber eines steht fest: In der Qualifikation spielt Deutschland meistens nicht so ganz stark. Bei einer EM oder WM sind die Deutschen dann auf den Punkt fit und ganz stark. Ich glaube, dass die das schaffen und alles erreichen können.

Ballacks Ausfall ein Riesenverlust

Der Ausfall von Kapitän Michael Ballack wiegt schwer. Wer ist jetzt der stärkste und wichtigste deutsche Spieler?

Der Ausfall von Ballack ist natürlich ein Riesenverlust. Aber es gibt weitere sehr gute Spieler, Philipp Lahm zum Beispiel. Er ist auf der Außenposition Weltklasse. Vorne im Sturm sind Miroslav Klose, Mario Gomez und Lukas Podolski nicht in Form. Aber das kann sich sofort ändern, wenn der Start ins Turnier gut klappt. In der Nationalmannschaft haben die schon sehr oft sehr gute Leistungen gezeigt.

Edin Dzeko jubelt (Foto: AP)

Der Bosnier Edin Dzeko war in der jüngsten Bundesliga-Saison mit 22 Treffern bester Schütze

Warum ist die deutsche Mannschaft bei den Turnieren so stark? Man sagt ja, Deutschland sei eine Turniermannschaft. Sie spielen mit einigen Deutschen in Wolfsburg zusammen. Was ist das Geheimnis der deutschen Fußballer?

Es ist vor allem eine Frage der Mentalität. Die Deutschen geben nie auf. Die wollen immer bis zur letzten Minute kämpfen. Egal, ob es 0:1 oder 1:0 steht. Die spielen immer bis zur 90. Minute voll konzentriert. Das macht die Mannschaft so stark und ist ein Riesenvorteil gegenüber anderen Mannschaften.

Wo liegen die Stärken der deutschen Nationalmannschaft? Eher in der Offensive oder in der Defensive?

Die Mannschaft ist als Einheit sehr stark. Es zählt nicht so sehr die Klasse des einzelnen Spielers, da haben andere Mannschaften vielleicht bessere Einzelspieler auf einzelnen Positionen. Man kann bei den Deutschen keinen Mannschaftsteil herausheben, nicht den Sturm oder die Innenverteidigung. Deutschland war immer als Team kompakt und gut.

Wo sehen Sie eine Schwäche?

Deutschland hat in der Defensive Probleme. Per Mertesacker in der Innenverteidigung und Philipp Lahm auf der Außenbahn sind gesetzt. Meiner Ansicht nach fehlen noch ein zweiter guter Innenverteidiger und ein weiterer Außenverteidiger.

Spanien spielt einen überragenden Fußball

Die spanische Nationalmannschaft (Foto: AP)

Spanien, Dzekos WM-Favorit

Wer wird Weltmeister, wer sind Ihre Favoriten?

Es gibt einige Favoriten. Ich setze auf Spanien als Weltmeister. Die spielen derzeit einfach einen überragenden Fußball. Wir haben in der WM-Qualifikation zweimal gegen Spanien gespielt und zweimal verloren.

Was macht den spanischen Fußball so gut? Ist es das Tempo, die Schnelligkeit, die Technik oder die Athletik?

Es ist das technisch am stärksten besetzte Team. Dazu kommen die Schnelligkeit und Präzision, mit der die Spanier spielen. Und es sieht dabei so locker aus, so als ob die ohne Druck spielen, ohne Stress. Unglaublich.

Wie schätzen Sie die Gegner Deutschlands in der WM-Gruppe ein? Erstes Spiel ist gegen Australien?

Kein Gegner bei einer WM ist zu unterschätzen. Immerhin haben sich alle Mannschaften - bis auf Südafrika - in der Qualifikation durchgesetzt. Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass Deutschland alle Gegner in der Vorrunde schlägt. Das erste Spiel ist immer sehr wichtig. Dann wird man sehen. Die Gruppe D ist nicht so einfach, aber auch nicht die schwerste. Ich gehe davon aus, dass Deutschland und Serbien weiterkommen.

Was macht Serbien stark?

Die haben zum einige sehr, sehr gute Spieler. Aber das wichtigste für die Mannschaft ist der Trainer. Radomir Antic hat alles richtig gemacht. Er hat die Mannschaft kompakter und viel stärker gemacht als vor zwei Jahren bei der EM. Für ihn ist Disziplin und Ordnung sehr wichtig, und das hat die Mannschaft angenommen.

Dritter Gegner ist Ghana. Was erwarten Sie von den afrikanischen Teams bei der ersten WM in Afrika?

Wir haben vor einigen Wochen gegen Ghana gespielt und die Afrikaner mit 2:1 geschlagen. Da haben drei oder vier Stammspieler gefehlt, aber trotzdem bin ich der Ansicht, dass Serbien und Deutschland besser sind als Ghana und Australien. Aber man weiß nie, auch Ghana hat ein paar gute Spieler, wenn alle fit sind.

Glauben Sie, dass es ein afrikanisches Team bis ins Halbfinale schaffen kann?

Ich glaube nicht. Aber wenn, dann wird es die Elfenbeinküste sein. Die haben eine gute Mannschaft mit sehr vielen, sehr guten individuellen Spielern.

"Ich wollte immer nur Fußballer werden"

Edin Dzeko (Foto: Azer Slanjankić)

Edin Dzeko privat

Sie sind Torschützenkönig der Bundesliga. Das ist ein Riesenerfolg. Wollten Sie immer schon Fußballer werden?

Ich habe erst sehr spät angefangen, mit zehn Jahren. In Deutschland spielt man normalerweise schon mit fünf Jahren im Verein, aber das war bei uns nicht möglich wegen des Krieges. Nach dem Ende des Krieges hat mich mein Vater zu einem Fußballverein gebracht und dann habe ich regelmäßig trainiert. Zuerst haben wir immer in der Halle trainiert, erst später dann auch draußen. Ich hab immer sehr gerne Fußball gespielt, schon als Kleinkind mit meinen Kumpels. Fußball war einfach für mich die Nummer 1 und ich wollte immer nur Fußballer werden.

Jetzt bestreiten Sie mit Fußball Ihren Beruf und Ihr Leben. Ist ein Traum wahr geworden?

Ja, dass ist natürlich ein Traum, wenn du einen Job hast, den du liebst und für den Du auch noch sehr viel Geld bekommst. Das ist einfach geil.

Was raten Sie jungen Spielern in Deutschland oder in Bosnien-Herzegowina? Wie kommt man dahin, wo Sie jetzt sind?

Man muss hart arbeiten und sehr viel trainieren. Meine Trainer haben immer zu mir gesagt: „Edin, Du hast viel Talent. Aber Talent ist ein Prozent und Arbeit 99 Prozent". Wenn man etwas erreichen will, muss man hart dafür arbeiten und in jedem Training und Spiel versuchen, ein bisschen besser zu werden. Dann ist noch sehr wichtig, immer an sich zu glauben, sich selbst immer wieder zu motivieren und zu sagen: „Ich kann das, ich will das und ich will das auch zeigen“.

Sie leben seit zwei Jahren in Deutschland. Wie gefällt es Ihnen hier und was ist das besondere an Deutschland?

In Deutschland zu arbeiten ist super. Hier ist alles organisiert und es gibt keine Probleme, wenn man sich an die Regeln hält. In meiner Heimat Bosnien-Herzegowina gibt es noch sehr viele Probleme, aber wir haben schon sehr viel erreicht.

Haben Sie Deutschland schon ein bisschen besser kennen gelernt?

Wenn ich ehrlich bin, nicht so wirklich. Ich kenne die Stadien. Manchmal fahre ich nach Berlin oder Hamburg. Ich war auch schon ein paar Mal mit Freunden in München. Das ist auch eine sehr tolle Stadt. Ich habe hier schon sehr viele deutsche und bosnische Freunde. Ich fühle mich sehr wohl in Deutschland und bin sehr glücklich hier.

Sie konnten kein Deutsch, als Sie hierher kamen. Wie haben Sie die Sprache so schnell gelernt?

Ich bin der Meinung, dass es sehr wichtig ist, in einem anderen Land die Sprache zu sprechen und sie zu lernen. Sonst kannst du nicht mit den Kollegen oder mit deinem Trainer oder den Fans sprechen. Oder du gehst in ein Restaurant oder auf eine Party und kannst dich nicht unterhalten. Du stehst dann in einer Ecke und verstehst nicht, was die Leute sagen oder warum sie lachen. Also war es das erste Ziel, das ich mir gesetzt habe, die deutsche Sprache zu lernen. Es ist zwar noch längst nicht perfekt, aber es geht ganz gut.

Das Gespräch führte Marco Vollmar

Redaktion: Arnulf Boettcher