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Kultur

Edgar Froese - Pionier des Elektro-Pop

Seine Gruppe "Tangerine Dream" ist eine der wichtigsten Popbands in Deutschland. Nun ist Edgar Froese gestorben. Der Musiker galt als Pionier des Elektro-Pop. Angefangen hat alles mit Dalí und einer Frucht.

Seine futuristischen Klänge sind berüchtigt: Edgar Froese gehört zu den Pionieren des Elektro-Pop. Nun ist er im Alter von 70 Jahren überraschend gestorben, wie Tangerine Dream auf ihrer Internetseite mitteilte. Die Elektroszene hat ihm etliche experimentelle Klänge zu verdanken.

Als Froese Tangerine Dream 1967 in Berlin gründete, kamen auch andere Musiker und Gruppen auf, die ebenfalls neue musikalische Möglichkeiten testen wollten, darunter berühmte Komponisten wie Klaus Schulze oder

Karlheinz Stockhausen

. Froese war der musikalische Kopf von Tangerine Dream.

Inspiriert von Dalí

Geboren wurde er am 6. Juni 1944 im russischen Tilsit, direkt an der litauischen Grenze. Als Jugendlicher lernte er Klavier spielen, träumte aber davon, Bildender Künstler zu werden. Froese studierte vier Jahre lang Malerei und Grafik an der Berliner Akademie der Künste. Sein Idol war Salvador Dalí, den er im Jahr 1967 zu einem künstlerisch-musikalischen "happening afternoon" in der spanischen Hafenstadt Lligat besuchte. Anschließend kehrte Froese nach Berlin zurück und gründete bald darauf die Gruppe Tangerine Dream. Froese war von den Ereignissen mit Dalí inspiriert. Seine Gruppe hatte surrealistische Tendenzen, war aber auch von der psychedelischen Musikströmung beeinflusst.

Mandarinen und Meditation

Tangerine-Dream-Gründer Edgar Froese gestorben

Edgar Froese am Synthesizer

Der Name Tangerine Dream schien Froese schon länger im Kopf herumzuschwirren. Er tauchte bereits in einem Song auf, den er rund ein Jahr zuvor mit seiner damaligen Band "The Ones" spielte. "Tangerines" sind eine in Florida gezüchtete rötlich-gelbe Mandarinensorte.

1970 veröffentlichte die Gruppe ihre erste LP mit dem Titel "Electronic Meditation". Der Name der Platte war Programm. Schnell spielten sie in einer Liga mit den Krautrock-Bands Amon Düül und Guru Guru. Wie ihre Kollegen auch, versuchten sie mit ihrer Musik meditative Zustände zu erreichen. Bei Tangerine Dream kamen aber Geräusche aus der Alltagswelt hinzu. Zum Beispiel schloss die Gruppe 1970 bei einem TV-Konzert in Österreich ein Dutzend Flipper-Automaten an die Verstärker an.

Neue Formationen - neue Kompositionen

Einflussreiche deutsche Musiker: Tangerine Dream

Die Gruppe "Tangerine Dream" bei einem Auftritt in den 90er Jahren in Hamburg

Die Ruhe ihrer Musik steht in Kontrast zur chaotischen Bandgeschichte. Kurzzeitig löste sich die Gruppe auf, dann folgten über die Jahre einige Neuformationen, unter anderem mit den Komponisten Klaus Schulze und Conrad Schnitzler. Nachdem sie Froese jeweils nach weniger als einem Jahr verließen, kam es erneut zu Umformationen.

Anfangs waren die Instrumente der Gruppe noch konventionell. 1972 kam zum ersten Mal ein Synthesizer zum Einsatz – auf der berühmten Doppel-LP "Zeit". Für die vierte LP "Atem" (1973) nutzte die Band die damals neue Technik des "quadrophonen Raumklangs". Beide Platten fanden international viel Beachtung.

Neben

Kraftwerk

und der Krautrock-Band Neu! gehörte Tangerine Dream bald zu den wichtigsten Popbands in Deutschland. In ihrer Bandgeschichte erhielt die Gruppe auch einige Kompositionsaufträge für Filmmusiken. 1983 schrieb die Gruppe die Titelmelodie für den Schimanski-Tatort "Das Mädchen auf der Treppe", die als Single 1982 auf den Markt kam und in die Charts aufstieg - 1997 erschien ein Remixe im modernen Drum-and-Bass-Stil.

Froeses Solo-Projekte: Klänge von überall

Edgar Froese Tangerine Dream Archiv

Froese verstand sich als Komponist

Neben seiner Arbeit mit Tangerine Dream veröffentlichte Froese auch Solo-Projekte. 1974 erschien seine erste Solo-LP "Aqua" , ein Jahr später kam "Epsilon In Malaysian Pale" heraus. Er experimentierte mit allen Klängen, die ihm überall begegneten. So nummerierte er die Titel der Platte "Macula Transfer" (1976) nach Flugnummern wie Qantas 611 oder OS 452. Seine Solowerke wurden von Künstlern, Architekten, Schriftstellern und Ingenieuren inspiriert. Mit "The Ambient Highway" brachte Froese eine fünfteilige CD-Kollektion heraus, in der älteres Material remastert wurde. Sein letztes Soloalbum "Dalínetopia" erschien 2005.

2013 verletzte Froese sich bei einem Unfall schwer und lag ein halbes Jahr lang im Koma. Nun ist der Elektro-Pop-Pionier am 20. Januar 2015 im Alter von 70 Jahren in Wien an einer Lungenembolie gestorben. Der Musikwelt, und vor allem der Elektro-Pop-Szene, hinterlässt er klangkünstlerische Meisterwerke, elektronische Einfälle und sicher noch lange anhaltende Inspiration.

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