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Interview

Edenhofer: "China setzt starkes Klimasignal"

Donald Trump will Kohlekraft und keinen Klimaschutz. China dagegen will die Erderwärmung stoppen, saubere Luft und Ökostrom. Trotzdem habe in China noch nicht "der Kohleausstieg begonnen", sagt Klimaforscher Edenhofer.

Herr Edenhofer, China wurde auf der Klimakonferenz in Marrakesch sehr gelobt. Zurecht - oder steckt dahinter eher die Hoffnung, das Land zum Klimaschutz zu motivieren?

Edenhofer: China hat durchaus ein großes Interesse, im Konzert der internationalen Politik als Soft Power (weiche Macht, Anm. d. Red.)  wahrgenommen zu werden und international eine stärkere Anerkennung zu bekommen, die dann auch auf anderen Feldern der internationalen Politik genutzt werden kann. Bereits in Paris hat sich China sehr produktiv verhalten. Jetzt sagt das Land klar: Auch wenn die USA aussteigen, wir machen weiter.

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China treibt den Wind- und auch Solarausbau seit einigen Jahren wie kein anderes Land voran.

Und in China selbst?

Hier zeigt sich ein widersprüchliches Bild: China hat die Kapazitäten bei Wind und Photovoltaik stark ausgebaut. Das Land ist einer der größten Märkte - wenn nicht der größte - für Erneuerbare. Dennoch: Auch im Jahr 2015 wurden im Schnitt jede Woche zwei neue Kohlekraftwerke gebaut. An der Kohlefrage wird sich entscheiden, ob China beim Klimaschutz in den nächsten Jahren ernsthaft vorankommt. Und Indien setzt sich die Renaissance der Kohle erst recht fort.

Könnte China bald aus der Kohle aussteigen?

China muss raus aus der Kohle - allein schon, weil die lokale Luftverschmutzung in Peking ein Wettbewerbsnachteil wird. Trotzdem glaube ich nicht, dass jetzt schon der Ausstieg aus der Kohle begonnen hat.

Noch ist unklar, ob dort die Entkopplung zwischen Wirtschaftswachstum und Emissionswachstum tatsächlich stattgefunden hat. Es ist nicht unmöglich, dass China das schafft. Aber dazu bedarf es eines gewaltigen Kraftaktes. Es ist noch zu früh, den Abschied von der Kohle in China zu verkünden.

Ihnen fehlen klare politische Ansagen?

Ja, die Regierung muss zeigen, dass sie die richtigen Instrumente einsetzt: Ein nationaler Emissionshandel ist noch nicht eingeführt, der Bau weiterer Kohlekraftwerke noch nicht verboten.

Auch sehen wir nicht, dass wir bald einen ausreichend hohen CO2-Preis haben werden. Hoffnung macht mir aber, dass China ein nationales Emissionshandelssystem plant. Wichtig wäre hier, dass dann auch ein Mindestpreis eingeführt wird.

Sollte Europa China zu mehr Klimaschutz ermutigen?

Die Emissionen sind 2015 in Europa gestiegen. Europa hat also keinen Grund, sich als klimapolitischer Musterknabe feiern zu lassen. Das wichtigste Instrument der europäischen Klimapolitik - der europäische Emissionshandel - ist wirkungslos, weil der Preis für die Rechte zum CO2-Ausstoß viel zu niedrig ist.

Was heißt das für China?

China sollte nicht den Fehler des europäischen Emissionshandels wiederholen. Es sollte sofort einen Mindestpreis einführen. Kommt irgendwann ein Konjunktureinbruch, werden die Emissionen unterhalb der erlaubten Obergrenzen liegen. Es kommt dann zu Überschüsse an CO2-Rechten und das führt zu einem Preisverfall. Europa hat bereits ein ausgereiftes Handelssystem, es könnte zeigen, dass der Mindestpreis funktioniert.

Wie wichtig wäre es, dass China sich international weiter stark engagiert, falls die USA beim Klimaschutz aussteigen?

China hat ein starkes Signal gesandt: Auch wenn die USA aussteigen, will China bleiben. Trotzdem wäre es ein Fehler zu glauben, das Machtvakuum, das die USA bei einem Austritt hinterlassen werden, sei leicht zu füllen - auch nicht durch China. Wir hätten die Amerikaner schon gebraucht.

Und wie geht es in den Vereinigten Staaten weiter?

In den USA wird die Schiefergas-Revolution dazu führen, dass die nationalen Emissionen tendenziell weiter sinken. Es ist unwahrscheinlich, dass Donald Trump in den USA Kohlekraftwerke bauen wird. Aber er könnte natürlich versuchen, den Export von Kohle zu forcieren. Wenn es keine ernsthafte Klimapolitik im Rest der Welt gäbe, dann hätten die USA einen großen Anreiz, Kohleexporteur zu werden. Insofern ist das Störpotenzial der Vereinigten Staaten in der internationalen Szenerie beträchtlich.

Prof. Dr. Ottmar Edenhofer ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe III des Weltklimarates (IPCC), stellvertretender Direktor und Chefökonom am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Professor für die Ökonomie des Klimawandels an der technischen Universität Berlin und Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC).

Das Interview führte Martina Herzog (dpa).

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