Edelkaffee aus Elefantendung | Asien | DW | 28.06.2013
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Asien

Edelkaffee aus Elefantendung

Rund 50 Dollar kostet eine Tasse "Black Ivory". Eine der teuersten Kaffeesorten der Welt wird aus den Ausscheidungen von Elefanten gewonnen. Tierschützer beobachten diese Art der Kaffeeproduktion mit Sorge.

Tasse Kaffee inmitten von Kaffeebohnen (Foto:dpa)

Symbolbild Koffein

Elefanten aus Nordthailand tragen dazu bei, manchen Menschen einen besonders edlen Kaffeegenuss zu bescheren. Rund 20 Dickhäuter aus dem "Golden Triangle"  Elefanten-Schutzgebiet an der Grenze zu Laos und Myanmar sind in die Produktion des sogenannten "Elefantendung-Kaffees" eingespannt. 

Die Elefanten erhalten täglich Kaffeefrüchte, die unter ihr Futter gemischt werden. Nach etwa 24 Stunden scheiden sie diese fast unverdaut wieder aus. Aus den gewaschenen Früchten werden die Kaffeebohnen herausgelöst und nach Bangkok geschickt zum Rösten. Das Ergebnis ist einer der teuersten Kaffeesorten der Welt, "Black Ivory" heißt das edle Gebräu, das in einem Fünfsterne-Hotel nicht weniger als 50 Dollar pro Tasse kostet.

Der kanadische Geschäftsmann Blake Dinkin neben einem Elefanten (Foto: Black Ivory Coffee Co Ltd)

Blake Dinkin, Gründer des "Black Ivory" Kaffee-Unternehmens mit "Angestelltem"

"Elefanten sind Pflanzenfresser. Ihr Magen fungiert als eine Art 'natürlicher Fermentationsbehälter'", sagt Blake Dinkin, der kanadische Geschäftsmann hinter der Idee." Bei dem Verdauungsvorgang entsteht eine Enzymreaktion. Die Enzyme reduzieren die Bitterstoffe." Der langsame Gärprozess im Darm der Dickhäuter sorge für den besonderen Geschmack, so Dinkin gegenüber der Deutschen Welle.

Nachdem er zehn Jahre lang über der Idee gebrütet und 400.000 Dollar aus seinem eigenen Vermögen investiert hatte, begann der Unternehmer mit dem Verkauf von 70 Kilo Elefantendung-Kaffee. Inzwischen ist die Produktion um das sechsfache gewachsen. Doch von Anfang an hat der 42-jährige Unternehmer Wert darauf gelegt, unethische Produktionsmethoden zu vermeiden, wie sie die Tierschützer im Zusammenhang mit anderen Tieren kritisieren,  die ebenso Kaffeefrüchte mit ihrer Nahrung erhalten.

Die andere Seite der Medaille

In Indonesien und Vietnam wird schon seit längerem Kaffee aus den Ausscheidungen von Schleichkatzen produziert. Kaffeeliebhaber in aller Welt schätzen den "Kopi Luwak". Wurden anfangs die Exkremente der wild lebenden Tiere eingesammelt und daraus die Kaffeebohnen herausgewaschen, kommt es inzwischen immer öfter zu Massentierhaltung, kritisieren Tierschützer. Die Tiere würden häufig in Käfigen gehalten und mit Kaffeefrüchten zwangsernährt um laufend Kaffeebohnen zu produzieren.

Gelbe Kaffeefrüchte hängen an einem Ast (Foto: DW)

Kaffeefrüchte: natürliches Futter für Schleichkatzen und "Snack" für Elefanten

Die internationale Organisation zum Schutz von wild lebenden Tieren  "Traffic" warnte Anfang dieses Jahres in einem Bericht vor dem wachsenden Einsatz von Schleichkatzen zur Kaffeeproduktion. Diese Entwicklung beobachtet auch die  Naturschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) mit Sorge: "Wir fürchten, dass diese Kaffeeproduktion dazu führt, dass mehr wilde Schleichkatzen gejagt werden", sagt WWF-Programmmanager Petch Manopawitr. Viele Arten seien bereits von dem Verlust ihres natürlichen Lebensraums bedroht. Die Schleichkatze ist in Indonesien eine ungeschützte Spezies. "Deshalb sollten Konsumenten sehr achtsam sein, wenn sie Schleichkatzen-Kaffee probieren wollen." Schätzungen zufolge sollen mehr als 60 Prozent des "Schleichkatzen-Kaffees" Fälschungen sein.

Im Gegensatz dazu betrachtet Manopawitr vom WWF  die Produktion von Elefantendung-Kaffee jedoch als " innovativ", da die Elefanten in dem Schutzgebiet bereits gezähmt sind. Produzent Dinkin gibt nach eigenen Angaben acht Prozent seiner Erlöse zurück an die "Golden Triangle" Elefantenschutz-Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Elefanten eine sichere Heimstätte zu schaffen und sicherstellt, dass die Tiere mit der Produktion des Kaffees nicht ausgebeutet werden.

 Unschädlicher "Snack" 

Die Früchte der Kaffeepflanze haben keine schädliche Wirkung für die Elefanten, erklärt Produzent Dinkin. "Kaffeefrüchte ersetzen nicht ihre Mahlzeiten. Elefanten fressen rund 250 Kilo pro Tag und nur ein sehr kleiner Teil davon sind Kaffeefrüchte -  ein 'Snack' also für die Dickhäuter." Das Koffein in der Bohne werde erst beim Kochen freigesetzt, so Dinkin unter Berufung auf wissenschaftliche Untersuchungen.

Haufen Elefantendung auf dem Boden vor Elefantenfüßen (Foto: dpa)

Der Elefantendung enthält natürlich fermentierte und daher besonders schmackhafte Kaffeebohnen

Bedenken, dass im Kaffee möglicherweise Rückstände des Elefantendungs enthalten sein könnten, zerstreut der Unternehmer. Die Kaffeebohnen würden gründlich gewaschen und dann überprüft, um höchsten Hygienestandards zu genügen. Seine Kaffeemanufaktur will sich auch in Zukunft als Handwerksbetrieb verstehen, mit einer exklusiven Marke für besondere Konsumenten. "Sie sollten offen sein für Neues, abenteuerlustig, vermögend genug um etwas mehr Geld für Kaffee ausgeben zu können - und vielleicht auch gerne eine gute Geschichte erzählen."

Bisher gibt es den "Black Ivory" Kaffee vor allem in verschiedenen Luxushotels in Thailand, Dubai und den Malediven. Die Reaktion der Konsumenten sei positiv, berichten Hotelmanager. Der ungewöhnliche Fermentationsprozess habe die Kunden bisher nicht abgeschreckt.