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Afrika

ECOWAS als Wirtschaftsmotor für Westafrika?

Die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten, kurz ECOWAS, soll eigentlich die wirtschaftliche Integration vorantreiben. 35 Jahre nach der Gründung stehen aber noch immer politische Krisen im Mittelpunkt.

Krisen statt Devisen - die ECOWAS muss sich um zu viele Probleme kümmern (Foto: AP)

Krisen statt Devisen - die ECOWAS muss sich um zu viele Probleme kümmern

Keine fünf Monate ist der letzte Putsch in Westafrika her. Mal wieder im Niger und auch der Ablauf ist altbekannt: Ein Teil des Militärs putscht sich an die Macht und verspricht das Ende der Armut, weniger Korruption und mehr Demokratie. In der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS ist das nichts Neues. Mit Ausnahme vom Senegal und Kap Verde gab es bisher in allen 15 Mitgliedsstaaten einen Putsch. Vier Bürgerkriege gab es in den letzten 20 Jahren. "Wegen der politischen Krisen ist die Hauptbeschäftigung der ECOWAS nicht mehr ökonomisch, sondern politisch", sagt John Igue, Geographieprofessor an der Universität von Benin. "Die heutige Hauptaufgabe ist, den Frieden in Westafrika zu erhalten." Erst wenn die politischen Krisen ausbleiben, wird es laut Igue auch schnellere wirtschaftliche Fortschritte geben.

Entwicklungswunder Regionalintegration?

ECOWAS will über den informellen Handel hinaus (Foto: dpa)

ECOWAS will über den informellen Handel hinaus

Regionale Integration gilt unter Wirtschaftsexperten als große Hoffnung für Afrika. Allein können viele Länder kaum am globalen Wirtschaftssystem teilhaben. Gemeinsam mit anderen Staaten könnten sie ihre Kräfte bündeln und den eigenen Markt vergrößern. Erstes Ziel der ECOWAS ist es deshalb auch, den Handel zwischen Mitgliedsstaaten zu verbessern. Der informelle Handel blüht bereits, aber offiziell beträgt der interne ECOWAS-Handel nur 13 Prozent des gesamten Handelsvolumens.

In den nächsten 20 Jahren sollen es 40 Prozent werden. So steht es im Aktionsplan, über den die ECOWAS-Kommission im Juni 2010 entschieden hat. Bevor die ECOWAS erfolgreicher agieren kann, müssen aber zunächst die Staaten gestärkt werden, sagt der Wissenschaftler Corsino Tolentino: "Wir brauchen zunächst starke Staaten mit einer dominierenden Rechtstaatlichkeit. Das ist nötig, um dann schrittweise Teile der nationalen Souveränität für die Region aufzugeben."

Beratung durch neues Institut

ECOWAS-Treffen 2005

Teilnehmer eines ECOWAS-Treffens

Damit es soweit kommen kann, hat Corsino Tolentino vor kurzem das Westafrika-Institut in Kap Verde gegründet. An dem Forschungsinstitut wollen sich Wissenschaftler mit dem Prozess der regionalen Integration beschäftigen und die ECOWAS und ihre Regierungen beraten. So soll die Organisation effektiver und besser vernetzt werden. Außerdem soll das Bewusstsein für regionale Integration auch endlich bei der Bevölkerung ankommen, sagt Abdul Rahman Lamin von der UNESCO in Ghana.

"ECOWAS will sich selbst von einer ECOWAS der Staaten zu einer ECOWAS des Volkes umwandeln. Das zeigt, dass es bisher ein Projekt der Eliten war, von der Spitze gesteuert. Jetzt merkt man, dass ein breiteres Spektrum der Gesellschaft involviert werden muss." Deshalb unterstützen UNESCO und auch deutsche Wissenschaftler das Westafrika-Institut. Für Lamin ist es eine Schnittstelle zwischen den Eliten und dem Volk.

Die nächste Krise wartet bereits

Um die Glaubwürdigkeit beim Volk zu vergrößern, müssten jedoch zunächst Beschlüsse, die auf dem Papier stehen, auch in die Praxis umgesetzt werden. So wird offiziell der freie Waren- und Personenverkehr garantiert. Tatsächlich bestehen einige Staaten jedoch noch immer auf Aufenthaltsgenehmigungen und an den Grenzen werden Händler schikaniert. Wichtige Themen, die wegen aktueller Krisen mal wieder in den Hintergrund rückten: In Guinea-Bissau wurde ein umstrittener Armeechef ins Amt gehoben, der angeblich an einer Meuterei beteiligt war. Die nächste politische Krise muss gelöst werden.

Autor: Adrian Kriesch

Redaktion: Katrin Ogunsade