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Politik

Echte Helden

40 Kinder, 40 Tage, keine Erwachsenen: Das ist Konzept der neuesten Reality-Show im US-Fernsehen. Der Ort: eine Geisterstadt im US-Bundesstaat New Mexiko. Mal ehrlich, davon haben wir doch als Kinder alle geträumt.

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Und wer, wie der achtjährige Jimmy, schon nach vier Tagen aufgibt und heim zu Mammi geht, der hat eben in einer solchen Gesellschaft von harten acht- bis fünfzehnjährigen Cowboys und -girls nichts verloren. Eigentlich sah auch die neunjährige Emilie schon nach wenigen Tagen so aus, als würde sie in das Handtuch werfen. Nur, weil die Kids zwei Hühnern den Kopf abschlagen mussten, damit ein bisschen Fleisch auf den Tisch kommt. Emilie hat sich mit den Viechern verbarrikadiert und die Hühnerhaus-Tür mit einer Schnur zugeknotet. Wie rührend. Doch dann dachte sie an die Worte, die ihre Mutter ihr mitgegeben hat: Sei ein zähes und cooles Cowgirl! und hat den passiven Widerstand aufgegeben. Die Suppe hat sie allerdings nicht gegessen.

Aber es würde ja auch keiner zuschauen, wenn den Kids alles auf Anhieb gelingt und sie immer fröhlich sind. Tränen müssen schon sein, die bringen mehr Quote für "Kid Nation" von CBS, das muss man ja wohl verstehen. In einer verlassenen Westernstadt, wo es kein fließend Wasser und kein Fernsehen gibt, sollen die Kinder eine bessere Welt erschaffen. Da aber gleiche Rechte und Pflichten für alle langweilig wären - vor allem für die Zuschauer - sind die vierzig Kids in vier verschiedenen Klassen eingeteilt. Es gibt Oberklasse, Händler, Köche und Arbeiter, die, wie im richtigen Leben, nur ein Zehntel des Lohns der Bessergestellten bekommen und dafür die Klos putzen müssen. Alle paar Tage haben sie Gelegenheit, in einem Wettbewerb in eine andere Klasse aufzusteigen. Das ist besser als im richtigen Leben. Da kommt man vom Küchendienst nicht so schnell wieder weg.

Dauerpiepen

Und alle paar Tage wird an eines der Kinder ein goldener Stern verliehen. Der Stern ist 20.000 Dollar wert und einen Anruf bei Mami. Nicht für den Anruf, aber für das Geld wäscht der 15jährige Greg sogar freiwillig das Geschirr und hackt den Hühnern den Kopf ab. Der Älteste braucht die Dollars dringend für seine College Ausbildung, hat er in die Kamera gesagt. Pech gehabt, denn die vier Mitglieder des Kinder-Stadtrats, die über die Stern-Vergabe entscheiden, haben ihn durchschaut: Wer nur des Geldes wegen hilft, geht leer aus. Jetzt schon zum zweiten Mal. Daraufhin hat er einen Tag lang die Kleinen so oft beschimpft, dass vor lauter Zensor-Piepsen von ihm kaum was zuhören war. Super. Schließlich braucht jeder Western einen Bösewicht.

Immerhin hat Greg, wie auch die anderen, schon 5000 echte Dollars allein fürs Mitmachen bekommen. Das ist doch genug Entlohnung dafür, dass sie vierzig Tage in der Wüste Cowboy spielen und die Schule schwänzen dürfen. Dass es manchmal so kalt ist, das das Wasser einfriert und ein Sandsturm die Kleinen in Todesängste versetzt, das gehört eben dazu zum Westernleben.

Kinderarbeit?

Die Kritiker, die hier von Kinderarbeit sprechen, sollen mal ganz ruhig sein. Schließlich werden die lieben Kleinen ja zu nichts gezwungen. Zwar sind sie nur auf dem Klo wirklich unbeobachtet und arbeiten 14 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, aber es gibt kein Manuskript, keine Regieanweisungen (ganz sicher!), und demnach ist es rechtlich gesehen keine "Arbeit".

Und die Eltern haben unterschrieben, dass sie auf alle Rechte und Klagen verzichten, selbst, wenn ein Kind bei der Show ums Leben kommt. Aber das ist unwahrscheinlich, schließlich gibt es einen Arzt und auch einen Psychologen in der Nähe. Das reicht ja wohl. Wie es den Kindern geht, wenn sie nach den 40 Tagen wieder zuhause sind? Das ist dann ja nun wirklich das Problem der Eltern.