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Sprachbar

Echt deutsches Englisch!

Früher war es Französisch oder Latein, heute ist es Englisch: die fremdwortgebende Sprache im Deutschen. Wer dagegen ist, nennt es Neudeutsch oder Denglisch. Der Rest freut sich darüber, wie lebendig Deutsch ist.

Audio anhören 06:16

Echt deutsches Englisch! – die Folge als MP3

Es ist heutzutage das Einfallstor für englische Begriffe: das Internet. Gleichzeitig wird hier auch eingedeutscht, was das Zeug hält. Wir chatten darüber, was wir gerade gedownloaded haben. Und wenn wir auch nicht regelmäßig skypen, gemailt haben wir alle schon einmal. Seit 2010 können sogar Vorschläge für den „Anglizismus des Jahres“ auf der „Webseite“ der gleichnamigen Aktion eingereicht werden.

Kein Lückenbüßer, sondern Lückenfüller

Der „Anglizismus des Jahres“ soll ein Wort sein, das jenseits von Moden in die deutsche Sprache eingeht und eine interessante sprachliche Lücke füllt. Da tauchen Begriffe auf wie Crowdfunding, Whistleblower oder Shitstorm, Begriffe, die stehen für: Kapitalbeschaffung im Internet, für Geheimnisverräter sowie für Massenentrüstung und Beschimpfung im Internet. Diese drei Wörter haben ihren Weg in die deutsche Sprache gefunden.

Ob das auch auf Blackfacing zutreffen wird, den Anglizismus des Jahres 2014? Wenn ja, dann nur als Beispiel für Diskriminierung. Denn wenn sich ein hellhäutiger Mensch das Gesicht schwarz anmalt, um einen Schwarzen darzustellen, wird das als „Blackfacing“ bezeichnet.

Wörter kommen und gehen

Eine Hand hält ein Smartphone

Englische Muttersprachler können mit dem Begriff „Handy“ nichts anfangen

Viele englisch klingende Worte sind aber deutscher, als es den Anschein hat. Dass der Begriff Handy nicht aus dem Englischen stammt, hat man hier und da schon einmal gehört. Wo allerdings sein Ursprung liegt, ist auch nach mehr als 25 Jahren nicht eindeutig geklärt.

So mancher deutsche Urlauber glaubte, seine englischsprechenden Bekannten müssten ihn doch verstehen, wenn er von seinem Handy sprach. Die nannten das Gerät aber „cellphone“ oder „mobile“ – und was das war, wussten die Deutschen dann wieder nicht. Gerade sieht es aber so aus, dass dieser babylonische Wirrwarr ein Ende hat, denn Handys sterben aus und der Begriff Smartphone ist international.

Wenn Fremdwörter zu deutschen werden

Manchmal ist es sogar richtig kompliziert. Ein eingewandertes Wort bedeutet eigentlich etwas anderes, und dann sprechen es die Deutschen auch noch falsch aus! Keks ist so ein Fall. Der Hannoveraner Herman Bahlsen war Ende des 19. Jahrhunderts viel in England unterwegs. Dort gefielen ihm die Backwaren, vor allem Cakes, also Kuchen und Biskuits.

Ein Mann beißt in einen Keks

Ein falsch ausgesprochenes englisches Wort: der Keks

Bahlsen begann in Hannover, Gebäck zu produzieren und in Tüten zu verkaufen. Er nannte eine eher trockene Variante Cakes. Doch das englische Wort ging den deutschen Kunden nicht leicht über die Lippen. Es erinnerte sie sogar an menschliche Ausscheidungen. Also musste ein neues Wort her. Der Keks war geboren. Auf der Strecke blieb dabei, dass das Originalwort eigentlich im Plural stand und eigentlich auch etwas ganz anderes war. Aber der Bahlsen Keks setzte sich durch. Schon 1912 wurde er als eingedeutschtes Fremdwort in den Duden aufgenommen.

Englisch – echt deutsch!

Im Erfinden englisch klingender Worte sind die Deutschen übrigens Meister. Hier ein paar Beispiele: Showmaster, Quizmaster und Talkmaster. Alle diese Personen sind Geschöpfe des Fernsehens und von Unterhaltungsshows. Auch der so englisch klingende Hometrainer existiert im Englischen nicht. Erfindungsreiche deutsche Wortschöpfer haben einfach die Begriffe „home“ und „Trainer“ zusammengefügt, um auszudrücken, was dieses Gerät ist: ein Sportgerät für zuhause.

Und dann die Verkürzungen, etwa der Body, die einteilige Unterwäsche für Damen oder Babys. Man kann sich ausmalen, was der Kinderarzt in England denkt, wenn ihn eine Mutter fragt: „Soll ich den Body öffnen?“

Das Ende des Service Points

Ein DB Service Point mit einer Bahnmitarbeiterin im Beratungsgespräch mit einer Kundin

Aus dem „Service Point“ ist längst wieder der gute alte deutsche Schalter geworden

Was es aber auch gibt: Englische Wortschöpfungen verschwinden wieder! So war ein Abgeordneter der konservativen Christsozialen Partei erfolgreich in seinem Kampf gegen den „Slogan“ Kiss&Ride. So sollte eine Zone an Bahnhaltestellen heißen, an denen Autofahrer für kurze Zeit stehen konnten, um Fahrgäste zum Zug zu bringen oder abzuholen.

Mit seiner Beschwerde löste er eine Debatte über zu viele Fremdworte bei der Deutschen Bahn aus. Als Ergebnis wurden die Service Points wieder in „Information“ umbenannt. Flyer hießen jetzt wieder „Handzettel“, Counter wieder „Schalter“ und die Hotline wurde zur Service-Nummer. Na ja, kann halt nicht alles klappen!

Das Selfie und seine Verwandten

Doch zurück zum Anglizismus des Jahres. Nicht auf Platz eins, sondern nur auf Platz drei schaffte es 2014 das Selfie – ein Wort, das seit drei Jahren eigentlich alle Listen angeführt hat und in diesem Fall sogar weltweit. Denn selten hat ein Wort die Sprache so belebt wie das Selfie.

Es gibt unzählige Ableitungen und Zusammensetzungen: das Shelfie, ein Bild von einem Bücherregal, das Helfie, ein Bild von einer Frisur, oder das Drelfie, ein Selbstporträt im betrunkenen Zustand. Im Duden steht das „Selfie“ übrigens auch schon.

Sprachliches Einwanderungsland

Was immer man von Englisch in der deutschen Sprache halten mag – egal, ob es nun richtige oder erfundene Begriffe sind: Importierte Wörter zeigen, dass Sprache wunderbar lebendig ist. Also immer her mit den neuen Worten!





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Kennt ihr noch weitere Anglizismen? Sucht fünf, die ihren Ursprung in der englischen Sprache haben und fünf, die es nur im Deutschen gibt.

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