Echo: Kriterien der Preisverleihung sollen überarbeitet werden | Musik | DW | 16.04.2018
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Musik

Echo: Kriterien der Preisverleihung sollen überarbeitet werden

Nach der heftigen Kritik an der Echo-Verleihung hat der Veranstalter angekündigt, das Konzept des Preises zu überprüfen. Inzwischen haben die Gewinner des "Echo Klassik 2017" aus Protest ihre Auszeichnung zurückgegeben.

Der Druck war groß und was genau verändert werden soll, ist noch unklar. Aber angesichts der Kritik nach der Echo-Verleihung um die Rapper Kollegah und Farid Bang, erklärte Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), dass das Konzept des Preises erneuert werden soll.

Das schließe die "umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen" ein. Nähere Details nannte er nicht. Nur soviel: "Im Zuge der aktuellen Debatte mussten wir erkennen, dass wir uns in einem Umfeld wiederfinden, das den Preis in ein falsches Licht rückt." Er betonte, dass der Verband und Veranstalter des Echo jede Art von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Gewaltverherrlichung ablehne.

Echo 2018: Kollegah und Farid Bang auf der Bühne (picture-alliance/dpa/J. Carstensen)

Kollegah (rechts) und Farid Bang beim Echo 2018

Kritik reißt nicht ab 

Die Rapper Kollegah und Farid Bang waren am Donnerstagabend für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" ausgezeichnet worden. In dem Album finden sich die Textzeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Die Echo-Verleihung an die Rapper war daraufhin auf breite Kritik gestoßen. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sprach von einer Schande.

Empörung gab es auch, weil die Ehrung für die Rapper am 12. April war: dem Tag, an dem besonders in Israel an die sechs Millionen ermordeten Juden erinnert wird. Der jüdische Comedian Oliver Polak schrieb in der Zeitung "Die Welt": "Ich weiß, was Satire ist, ich weiß, was Stand-up ist, und ich verstehe auch die künstlerische Funktionsweise von Battle-Rap. Ich weiß auch, was
Antisemitismus ist, das Protegieren von Judenhass. Dass der Echo diese beiden 'Künstler' am Holocaustgedenktag auftreten lässt, ist an Zynismus und Rohheit nicht zu übertreffen." Es sei eine makabre Doppelmoral, sich von den Inhalten zu distanzieren und diese gleichzeitig live und zur Primetime ausstrahlen zu wollen. 

Antisemitismus in der deutschen Rap-Szene 

Der jüdische Rapper Ben Salomo attestiert der deutschen Rap-Szene allgemein eine starke Judenfeindlichkeit. Sie sei in weiten Teilen genauso antisemitisch wie die deutsche Rechtsrock-Szene, sagte Salomo am Samstag der "Berliner Morgenpost". Bei vielen, die er kenne, spiegele sich das noch nicht mal in den Texten wider, aber sehr viele glaubten an antijüdische Verschwörungstheorien. "Dadurch kommt das dann auch immer wieder in den Songs vor", so der Berliner Musiker.

Auch Berlins Kultursenator nimmt die Gesellschaft und die Musikindustrie in die Pflicht. "Der eine Satz der Rapper, der jetzt überall zitiert wird, ist krass und dumm", sagte Klaus Lederer am Samstag auf einem Parteitag in Berlin-Adlershof. Dass die beiden Rapper aber ein Weltbild transportierten, das vor Verschwörungstheorien, Sexismus und Ungleichheitsvorstellungen nur so
triefe, und dass sich das offenbar prächtig kommerzialisieren lasse, dem werde weder in der Musikindustrie noch im öffentlichen Diskurs angemessen begegnet. "Wir erleben massive Ignoranz. Das ist ein Zeitgeistprobelm", so Lederer. 

Noto-Quartett gibt Echo-Klassik zurück

Die Verleihung der Echo-Trophäen richtet sich in den meisten Kategorien nach dem Ergebnis der Verkäufe und einer darauffolgenden Juryabstimmung. In strittigen Fällen wird ein Beirat angerufen. Im Fall des Rap-Albums hieß es vor der Verleihung, die künstlerische Freiheit sei in dem Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre. 

Aus Protest gegen die Ehrung der Rapper gaben die Gewinner des "Echo Klassik 2017" - das Noto Quartett aus Berlin - am Montag (16.4.) ihre Auszeichnung zurück. Bis vor kurzem sei der Echo für sie "der renommierteste und größte Musikpreis Deutschlands" gewesen, erklärten die Musiker. Und weiter: "Die Tatsache, dass nun eben dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet, ist für uns nicht tragbar." Die Echo-Auszeichnung sei für sie nun "nichts mehr als ein Symbol der Schande" und werde zurückgegeben. 

pl/rk (dpa, epd)

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