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Wissen & Umwelt

Ebola zeigt Verletzlichkeit des Menschen

Die Ursache für die Ausbreitung des Virus ist nicht im Versagen der Medizin zu suchen, meint Fabian Schmidt. Aber die Epidemie zeige, wie wichtig Aufklärung, Bildung und Armutsbekämpfung heute sind.

UNICEF Mitarbeiter warnen Bürger vor Ebola (Foto: AP)

Fachleute informieren Bürger in Guinea über die Gefahren der Seuche

Die rasante Ausbreitung des Ebola-Virus in Westafrika ist besorgniserregend. Konsequente Schritte sind nötig, um die Seuche einzudämmen und zurückzudrängen.

Aber jetzt eine Suche nach etwaigen Schuldigen zu beginnen, wäre töricht. Den betroffenen Ländern vorzuwerfen, sie hätten dem Virus durch mangelhafte medizinische Versorgung Vorschub geleistet, wäre genauso unangemessen, wie der Forschung vorzuwerfen, sie hätten es versäumt, schon viel früher einen Impfstoff zu entwickeln.

DW-Wissenschaftsredakteuer Fabian Schmidt (Foto: DW).

DW-Wissenschaftsredakteuer Fabian Schmidt

Die bittere Wahrheit ist: Trotz aller medizinischen Fortschritte bleibt der Mensch verwundbar. Das Ebola-Virus ruft auf grausame Weise in Erinnerung, dass Menschen sterblich sind und dass es Gefahren gibt, die selbst die beste Forschung nicht so einfach in den Griff bekommt.

Das gilt nicht nur für Ebola, sondern genauso für viele andere Viren, etwa für Malaria, AIDS oder die gemeine Grippe. An dem Influenzavirus sterben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation weltweit jedes Jahr zwischen 250.000 und einer halben Million Menschen - also viel mehr als an Ebola. Dennoch haben wir uns scheinbar an die Gefahr gewöhnt.

Das soll nicht heißen, dass die Gefahr von Ebola unterschätzt werden darf: Das Virus ist hochansteckend - bereits durch einfachen Körperkontakt, hat eine sehr kurze Inkubationszeit und verläuft in den meisten Fällen tödlich.

Aber gerade deshalb ist die Seuche auch relativ gut einzudämmen. Das klingt zwar paradox, ist aber wahr: Das Virus kann sich nämlich kaum unbemerkt verbreiten. Mediziner können also schon früh eingreifen, wenn es irgendwo auftritt. Schon seit 1976 ist Ebola in Westafrika bekannt. Dennoch haben sich die bisherigen Epidemien unter Menschen nicht zu weltweiten Pandemien entwickelt.

Weil das Virus schon lange unter Flughunden und anderen Wildtieren verbreitet ist, wird es wohl auch niemals völlig ausgerottet werden können. Trotzdem ist Ebola beherrschbar, wenn der Kampf dagegen mit aller Konsequenz geführt wird.

Das geht aber nicht ohne umfassende medizinische Aufklärung aller Menschen in den betroffenen Gebieten. Sie müssen wissen, welche Gefahren in Wildtierfleisch lauern. Sie müssen lernen, die Symptome der Krankheit richtig zu erkennen und wissen, dass sie Patienten auf keinen Fall selbst pflegen dürfen.

Eine ganz entscheidende Voraussetzung für einen erfolgreichen Kampf gegen Ebola ist und bleibt die Armutsbekämpfung. Denn nur, wenn Menschen nicht auf das Jagen von Flughunden oder Nagetieren im Urwald angewiesen sind, und wenn Eltern ihre Kinder zur Schule schicken können - wo sie etwas über Hygiene und Gesundheitsvorsorge lernen - wird es möglich sein, Ebola und ähnliche Seuchen auch in Zukunft von den Menschen fern zu halten.