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Aktuell Welt

Ebola: Viele Ängste, wenig Hilfe

Ein Kreuzfahrtschiff irrt durch die Karibik, mit einer gesunden Frau an Bord, die in einer Ebola-Klinik gearbeitet hat. Die Weltbank beklagt mangelnde Solidarität in der Welt. Und die EU sieht eine Katastrophe kommen.

Die Ebola-Angst hat Passagieren eines US-Kreuzfahrtschiffs den Karibik-Urlaub verdorben. Eine Mitarbeiterin des Krankenhauses in Texas, das den mittlerweile verstorbenen Ebola-Patienten Thomas Eric Duncan behandelt hatte, steht an Bord der "Carnival Magic" (Artikelfoto) unter Quarantäne. Das Schiff hat keine Erlaubnis, die mexikanische Insel Cozumel nahe dem Badeort Cancún anzulaufen.

Die Angestellte der Klinik "Texas Health Presbyterian" könnte nach Angaben der US-Seuchenkontrollbehörde CDC im Labor mit Körperflüssigkeiten von Duncan in Kontakt gekommen sein. Die Frau zeige allerdings keinerlei Symptome und hätte zuletzt vor 19 Tagen mit Blutproben des Patienten hantieren können. Die Inkubationszeit von Ebola beträgt 21 Tage, ein Ausbruch der Krankheit wird mit zunehmender Zeit unwahrscheinlicher. Die Frau soll sich aber zusammen mit einer Begleitperson in ihrer Kabine freiwillig von den anderen fast 5000 Menschen an Bord isoliert haben.

Am Donnerstag hatten bereits die Behörden im benachbarten Belize die "Carnival Magic" abgewiesen. Der zentralamerikanische Staat alarmierte seine Küstenwache, um zu verhindern, dass Touristen von Bord gehen. Zuletzt hatte das Kreuzfahrtschiff am 15. Oktober in Honduras festgemacht. US-Behörden veranlassten seine Rückkehr in die USA.

Egoismus statt Solidarität

Angesichts der grassierenden Ebola-Epidemie hat Weltbankchef Jim Yong Kim scharfe Kritik an der Weltgemeinschaft geübt. Wegen mangelnder internationaler Solidarität sei die Welt im Begriff, den Kampf gegen das Virus zu verlieren, sagte Kim in Paris. "Einige Länder sorgen sich nur um sich selbst und ihre Grenzen." Dies sei "sehr besorgniserregend". Die Weltbank hatte zuletzt geschätzt, dass die Epidemie die afrikanische Wirtschaft mehr als 30 Milliarden Dollar (knapp 25 Milliarden Euro) kosten könnte.

Auch die Teilnehmer des Europa-Asien-Gipfels in Mailand haben zu mehr internationaler Kooperation im Kampf gegen die Ebola-Epidemie aufgerufen. In der Abschlusserklärung zum Spitzentreffen wird die Ausbreitung des Virus als "ernsthafte Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit auf der ganzen Welt" bezeichnet. Es müsse eine umfassende und koordinierte Strategie gegen die Krankheit geben, heißt es in dem Dokument. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso warnte bei dem Spitzentreffen, an dem rund 50 hochrangige Politiker aus Europa und Asien teilnahmen, die Epidemie könne zu einer "schwerwiegenden humanitären Katastrophe" werden. Das Virus sei "nicht nur ein Problem einiger westafrikanischer Staaten".

Es gibt immer mehr Infizierte

An der Seuche starben nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehr als 4550 Menschen. Besonders betroffen sind die westafrikanischen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone. Insgesamt wurden laut WHO bislang mehr als 9200 Ebola-Fälle in sieben Ländern festgestellt. Der Anstieg war erwartet worden und für die kommenden Wochen wird noch mit deutlich wachsenden Fallzahlen gerechnet.

In Deutschland dringt der Bundestag auf weitere Hilfen für die betroffenen Staaten Westafrikas. Das Parlament forderte die Bundesregierung auf, Aufklärungs- und Hygienekampagnen zu unterstützen. Außerdem soll untersucht werden, ob Deutschland die klinische Prüfung eines Impfstoffes gegen Ebola fördern und weitere Flugkapazitäten für den Transport von Geräten, Medikamenten und medizinischem Personal zur Verfügung stellen kann. Die Bundesärztekammer und andere Ärzteverbände riefen deutsche Mediziner dazu auf, in Westafrika zu helfen.

rb/wa (afp, ap, dpa, rtr)

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