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Deutschland

Ebola: Viel Interesse, wenig Spenden

Haben die deutschen Hilfsorganisationen das Ausmaß der Ebola-Epidemie unterschätzt? Nach dem ersten Ebola-Toten in Deutschland ist ihnen nun zumindest Aufmerksamkeit gewiss.

Daniel Peter steht in einem Garten im Kölner Süden und streift sich erst einen blauen, dann einen gelben Schutzanzug über. Er zieht eine Haube über seine schwarzen Haare, setzt eine Schutzbrille mit breitem Schild vor die Augen, schlüpft in ein paar Überschuhe aus Plastik.

Um ihn herum strahlen die Nadelbäume grün in der Herbstsonne. Umringt ist der junge Arzt aber auch von knapp 30 Journalisten. Dutzende Blitze leuchten auf, die Fernsehkameras rasten in Stativhalterungen, Mikrofone werden in die Höhe gereckt.

Viel Interesse...

Peter demonstriert den Journalisten, wie man sich vor dem Ebola-Virus schützen kann. Das Interesse daran ist riesig, spätestens seit am Dienstag zum ersten Mal ein Mann in Deutschland an Ebola gestorben ist. Zur Vorführung eingeladen hat das Aktionsbündnis "Deutschland Hilft", ein Zusammenschluss verschiedener Hilfsorganisationen in Deutschland, darunter der Arbeiter-Samariter-Bund. Für dessen "Schnelleinsatzteam" hat Peter bereits Nothilfe im Irak geleistet, war nach dem Taifun Haiyan auf den Philippinen im Einsatz. Würde er auch ins Ebola-Gebiet reisen, um dort im blau-gelben Schutzanzug Ebola-Patienten zu betreuen?

"Nein, würde ich nicht, zumal ich zwei kleine Töchter habe", sagt Peter. "Ich glaube an die Sicherheit der Schutzanzüge in dem Maße, wie ich an menschliche Fehler glaube. Und ich bin kein Mensch, der frei von Fehlern ist." Das Restrisiko sei nicht zu eliminieren. Und das sei ihm zu groß angesichts seiner Kinder.

...wenig Spenden

Mehr als 400 Ärzte und Helfer haben sich bereits mit Ebola infiziert. Auch in Spanien und den USA, wo weitaus bessere Schutzkleidung zur Verfügung steht als in Westafrika, haben sich zwei Krankenschwestern angesteckt. Sie hatten Ebola-Patienten betreut. In Deutschland seien die Standards noch einmal besser, sagt Peter. Hier sei eine Ansteckung sehr viel unwahrscheinlicher als etwa in Liberia.

Doch selbst wenn er das Risiko eingehen wollte, dort zu helfen: momentan hat "Deutschland Hilft" keine Ärzte oder Pfleger zur Betreuung von Ebola-Patienten im Einsatz. Und die Spenden? Ziehen nur langsam an. Viele deutsche Hilfsorganisationen können bislang nur niedrige sechsstellige Beträge verbuchen. Bei Erdbeben, Wirbelstürmen und anderen Katastrophen spenden die Deutschen ein Vielfaches. Selbst die Hilfsorganisationen haben wohl zu lange das Ausmaß der Epidemie unterschätzt und nicht ausreichend um Spenden geworben. Auch die Teams des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) seien auf Ebola derzeit noch nicht eingestellt, sagt Edith Wallmeier, Leiterin der ASB-Auslandshilfe.

Aktiv in der Aufklärung

"Sie sind im Moment nicht dafür geschult, zum Beispiel Isolierstationen aufzusetzen oder Ebola-Patienten zu behandeln", so Wallmeier. Man werde diese Schulungen aber durchaus mit aufnehmen in die Trainings. "Da sind infektiöse Erkrankungen äußerst schwierig und müssen extra trainiert werden."

Ebola-Info-Veranstaltung in Köln

Edith Wallmeier, Leiterin der ASB Auslandshilfe

Der ASB und andere Mitgliedsorganisationen von "Deutschland Hilft" sind dennoch auch jetzt schon aktiv gegen Ebola: In den betroffenen Ländern sind Teams unterwegs, die über Hygienemaßnahmen aufklären, mit denen man sich vor einer Ansteckung schützen kann. Außerdem bereite man sich darauf vor, dass Ebola auf weitere Länder übergreift, sagt Wallmeier. In einer ASB-Klinik in Gambia schule man das Personal derzeit im Umgang mit den blauen und gelben Schutzkitteln.

Angst vor der Ausbreitung

"Es besteht durchaus eine berechtigte Angst", sagt Wallmeier. Im Nachbarland Senegal habe es einen Ebola-Fall gegeben und in der ASB-Klinik komme jeder zweite Patient aus anderen afrikanischen Ländern. "Von daher ist die Chance groß, dass Ebola-Patienten in unsere Klinik finden."

Und wenn sich in Deutschland Menschen anstecken? Auch darauf seien der ASB und andere Hilfsorganisationen vorbereitet, so Wallmeier. Denn ganz ausschließen könne man das nicht. Es steht zu befürchten, dass das Anlegen der gelben und blauen Schutzanzüge auch in deutschen Städten noch einige Male demonstriert wird.