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Deutschland

Ebola-Notfallpläne liegen bereit

In Teilen Westafrikas breitet sich das tödliche Ebola-Virus aus. Bisher sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation 539 Menschen daran gestorben. Auch in Deutschland bereitet man sich auf den Ernstfall vor.

Das Virus kommt per Flugzeug. Eine Gruppe junger Abenteurer kehrt von einer Rucksacktour durch den westafrikanischen Dschungel zurück nach Deutschland. Wenige Tage nach ihrer Ankunft - inzwischen gehen die meisten ihrem Beruf wieder nach - bekommt einer der Reisenden hohes Fieber. Zunächst denkt er an eine normale Grippe, aber als er kurze Zeit später aus allen Körperöffnungen blutet, ruft seine Freundin den Rettungswagen. Auch sie selbst leidet nun unter Kopfschmerzen und beginnendem Fieber. Ähnlich geht es einem Mitreisenden, der als Altenpfleger arbeitet. Als die Diagnose "Ebola" kommt, sind bereits dutzende Menschen in Deutschland erkrankt - und es gibt die ersten Toten.

Dieses Szenario ist rein fiktiv. Es eignet sich gut für einen Katastrophenfilm à la "Outbreak". Mit der Realität hat es jedoch - trotz aller nicht zu unterschätzenden Risiken - nur wenig zu tun, betonen Spezialisten wie der Hamburger Tropenmediziner Jonas Schmidt-Chanasit: "Das ist ein sehr, sehr seltenes Ereignis, dass so ein Virus aus den betroffenen Gebieten nach Europa gebracht wir." Bisher gab es in Deutschland keinen einzigen Fall einer Ebola-Erkrankung.

Ansteckung durch Körperkontakt

Krankenwagen in Sierra Leone (Foto: Reuters)

Kontakt mit Körperflüssigkeiten gilt es zu vermeiden - Notfallhelfer in Sierra Leone

Die Gründe dafür sind vielfältig. "Das Ebola-Virus kann sich nicht über größere Distanzen hinweg durch kleine Tröpfcheninfektionen verbreiten", so Schmidt-Chanasit. Die Übertragung von Mensch zu Mensch geschehe nur, wenn jemand sehr engen Kontakt mit den Ausscheidungen eines Erkrankten habe. Bei Ärzten und Pflegekräften bestehe daher die Gefahr einer Infektion, wenn sie sich nicht ausreichend schützten. In Westafrika spielten auch lokale Sitten eine Rolle: "Bei den Zeremonien, die viele Menschen dort abhalten, kommen sie in engen Kontakt mit den Ausscheidungen Erkrankter und Verstorbener - und darüber infizieren sie sich hauptsächlich mit diesem Virus."

Allerdings kann Ebola auch von infizierten Tieren auf den Menschen übertragen werden. Im Verdacht stehen hier besonders Primaten und Flughunde. Deren Fleisch, das teilweise auf westafrikanischen Märkten angeboten wird, sollten Reisende daher in jedem Fall meiden.

Weil die Inkubationszeit - die Zeit, zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit - nur wenige Tagen dauert, legen Infizierte meist keine großen Strecken mehr zurück. "Die normale Bevölkerung in diesen abgelegenen Gebieten hat ja eigentlich sowieso keine Möglichkeit, nach Europa zu reisen. Insofern kann das eigentlich nur das Hilfspersonal betreffen, das entweder aus Europa oder aus anderen Ländern vor Ort ist."

Isolierstationen stehen bereit

Ebola-Virus unter dem Mikroskop (Foto:+++(c) dpa - Bildfunk+++

Kleines Virus mit tödlicher Wirkung - Ebola unter dem Mikroskop

Dennoch ist man in Deutschland auf alle Eventualitäten gut vorbereitet. An allen großen Flughäfen gibt es Pläne für den Fall, dass ein mutmaßlich Erkrankter mit ersten Symptomen hier landet.

Anfang Juli fand am Flughafen Köln/Bonn eine Übung statt, die in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Köln-Holweide den Ernstfall durchspielte. "Das war ein ganz guter Zufall, dass die Übung gerade jetzt stattgefunden hat, weil sie schon seit Monaten geplant war", erklärt Michael Krakau, Oberarzt am Krankenhaus Holweide.

Die Klinik verfügt über eine Isolierstation und ist vom Flughafen in nur wenigen Fahrminuten erreichbar. "Der Patient wird mit einem speziellen Isolierungsrettungswagen zum Krankenhaus gebracht und fährt dann unmittelbar an das Zimmer heran. Die Station ist vom Rest des Krankenhauses hermetisch abgeriegelt. Der Luftdruck im Zimmer ist niedriger als draußen, so dass keine Luft nach außen gelangen kann. Außerdem werden die Abwässer speziell aufgefangen und entsorgt."

Andere Tropenkrankheiten gefährlicher

Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (Foto: BNI)

Fachmann für Tropenmedizin - Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg

Doch warum wird überhaupt ein solch großer Aufwand betrieben, wenn das Virus gar nicht über die Luft übertragen werden kann? "Man würde den Patienten deswegen auf einer speziellen Isolierstation behandeln, weil die Krankheit so gefährlich ist für die Betroffenen", sagt Michael Krakau. Wirksame Medikamente gegen das Virus gibt es nämlich nicht. Nur die Symptome kann man intensivmedizinisch behandeln und dadurch einen tödlichen Verlauf der Krankheit in einigen Fällen verhindern.

Viel größer als die Gefahr, dass Ebola-Infizierte in Deutschland landen, schätzen Experten das Risiko ein, dass sich andere Tropenkrankheiten bei uns ausbreiten. "Es gibt Erreger, die über Stechmücken übertragen werden, und die haben ein ganz anderes Potential", erklärt Tropenmediziner Schmidt-Chanasit. Denn diese Mücken könnten auch bei uns vorkommen. "Beim Dengue-Virus haben wir jährlich 1.000 registrierte Fälle in Deutschland und es gibt eine hohe Dunkelziffer. Hier besteht durchaus die Gefahr, dass diese Viren bei uns heimisch werden können - zumindest für einen kleinen Zeitraum im Sommer."

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