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Wissen & Umwelt

Ebola-Impfstoffstudie gibt Anlass zu Hoffnung

Gute Nachrichten sind selten, was die Ebola-Epidemie in Westafrika angeht. Jetzt verkünden Forscher die hoffnungsvollen Ergebnisse einer Impfstoffstudie am Menschen. Aber zu früh freuen sollten wir uns nicht.

Seit Monaten dominieren Hiobsbotschaften über Ebola in Westafrika: Immer mehr Fälle, immer mehr Tote, immer länger dauert die Epidemie. Vielleicht - aber nur vielleicht - gibt es jetzt Anlass zu etwas Hoffnung.

Im September haben die klinischen Studien zu zwei vielversprechenden Ebola-Impfstoffkandidaten begonnen - jetzt, knapp drei Monate nach Studienbeginn, haben die Forscher die ersten Ergebnisse zu einem der beiden Impfstoffe auf der Webseite des Fachjournals "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

"Der Impfstoff wurde gut vertragen und hat Immunantworten in 20 von 20 gesunden Erwachsenen ausgelöst, die den Impfstoff erhalten haben", verkündet das National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), Teil des nationalen US-Gesundheitsinstituts, welches die klinische Studie gemeinsam mit dem Pharmakonzern GlaxoSmithKline durchführt. Das bedeutet nicht automatisch, dass der Impfstoff gegen das tödliche Ebolavirus schützen wird. Es bedeutet aber, dass die Forscher den Impfstoff jetzt in Westafrika unter realen Bedingungen testen können - an Menschen, die tatsächlich mit dem Virus in Kontakt kommen können.

Impfstoff gegen Ebola Foto: REUTERS/Public Health Agency of Canada

Ein komplett anderer Impfstoff wird von der Public Health Agency of Canada entwickelt

Schimpansen-Erkältungsvirus mit ein bisschen Ebola

Insgesamt werden derzeit zwei Impfstoffe am Menschen getestet.

Der, zu dem nun die ersten Ergebnisse bekannt wurden, hat den komplizierten Namen cAd3-EBO. Er besteht aus einem Schnupfenvirus, das nur Schimpansen befällt, und in das etwas Erbmaterial eines Ebolavirus eingesetzt wurde. Der Impfstoff ist eigentlich eine Mischung: Einige Schnupfenviren enthalten Erbmaterial von dem Ebolastamm Zaire-Guinea, andere enthalten Erbmaterial von dem Sudan-Stamm. Zaire-Guinea ist verantwortlich für den jetzigen Ausbruch in Westafrika. Alle Impfstoffkandidaten enthalten kein komplettes Ebolavirus und können die Krankheit daher nicht auslösen.

Antikörperproduktion, keine Nebenwirkungen

20 gesunde erwachsene Freiwillige erhielten eine Spritze mit dem Ebola-Impfstoff. Die Hälfte erhielt eine niedrige Dosis, die andere eine höhere Dosis mit der zehnfachen Menge an Impfstoffpartikeln. Nach vier Wochen hatten alle Freiwilligen Antikörper gegen mindestens einen der beiden Ebola-Stämme gebildet. "Es wurden keine Nebenwirkungen festgestellt", schreiben die Forscher in ihrem Bericht. Zwei Probanden allerdings bekamen vorübergehend Fieber.

Dass es keine ernsten Nebenwirkungen gebe, seien "sehr gute Neuigkeiten", sagte Cesar Munoz-Fontela, Virusforscher am Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für experimentelle Virologie in Hamburg, im DW-Interview. Er betont, dass es sich bei dem Paper lediglich um einen vorläufigen Bericht handele und es schwierig sei, "viele Schlußfolgerungen zu ziehen". Trotzdem bezeichnet er den Impfstoffkandidaten als "aussichtsreich". Dass zwei Probanden Fieber bekommen haben, sei kein Grund zur Besorgnis, sagt er: "Es gibt viele Impfstoffe, die in den Geimpften ein leichtes Fieber auslösen.

Anders als im Tierversuch

Versuchsaffe Foto: Jeremy Breaux (New Iberia Research Council)

Affen reagieren anders als Menschen

Doch nicht alles ist perfekt. Zwar haben alle Freiwilligen Antikörper gebildet, doch die Forscher haben erwartet, dass der Impfstoff zudem eine T-Zell-Antwort in den Geimpften auslösen würde. Diese Zellen sind ein wichtiger Teil des Immunsystems. "Wir wissen aus früheren Studien mit Affen, dass die CD8-T-Zellen eine entscheidende Rolle dabei spielten, die Tiere vor einer ansonsten tödlichen Menge an Ebola-Viren zu schützen", sagt Julie Ledgerwood von der NIAID, Leiterin der klinischen Studie.

Aber nur 9 der 20 Geimpften haben CD-T-Zellen gebildet. "Wenn dieser Impfstoff von einer CD8-T-Zellantwort abhängt - so wie es im Tierversuch war - könnte das ein Problem sein", kommentiert Munoz-Fontela. Im Moment lässt sich aus den Ergebnissen der Phase-1-Studie demnach noch nicht schlussfolgern, ob der Impfstoff Menschen in Westafrika tatsächlich vor dem Virus schützen kann. Erst wenn das bewiesen ist, wäre das tatsächlich die langersehnte gute Neuigkeit.

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