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Afrika

Ebola im Krisenland Mali

Als sechstes Land in Westafrika kämpft Mali gegen das Ebola-Virus. Doch die Behörden in der Hauptstadt Bamako sind schwach - können Sie einem Ausbruch der todbringenden Krankheit Herr werden?

Die Motorrollerfahrer drängeln auf den Straßen, die Einkäufer schlendern über den Markt und im Fluss Senegal baden die Kinder. Auf den ersten Blick ist keine Panik zu sehen auf den Bildern aus Kayes im Westen Malis. Dort wo der Strom träge weiterfließt in Richtung Atlantik, als Grenzfluss zwischen Senegal und Mauretanien. In den Köpfen in Kayes ist die Furcht aber schon angekommen.

"Wir haben jetzt Angst, uns die Hand zu geben und uns zu umarmen", sagte Hama Niang der Nachrichtenagentur AP. Er ist einer der knapp 130.000 Einwohner von Kayes. "Es gab Gerüchte, dass wir fliehen sollten, als das kleine Mädchen mit Ebola aus Guinea kam. Und als der Gesundheitsminister diesen ersten Ebola-Fall bestätigte, waren wir fast verrückt vor Angst."

Mediziner im Kampf gegen Ebola in Kayes - Fhoto: Baba Ahmed (AP)

Mediziner im Kampf gegen Ebola in Kayes: Gesundheitssystem durch den Bürgerkrieg geschwächt

Das kleine Mädchen, das zuvor in Guinea war, ist bereits tot. Der winzige Leichnam von Fanta Kone hat seine letzte Ruhestätte in einem tiefen Grab gefunden. Die Zweijährige war am Wochenende am Ebola-Fieber gestorben. Fantas Großmutter musste aus einem Quarantäne-Zelt heraus beobachten, wie in Plastik gehüllte Helfer mit Schaufeln die rote Erde aushoben. Sie hatte ihre Enkelin aus dem Süden des Nachbarlands Guinea geholt, nachdem der Vater des Mädchens dort gestorben war.

Nasenbluten im Bus

Im Süden Guineas war die Krankheit Ende 2013 ausgebrochen. 1000 Kilometer legten Fanta und ihre Großmutter mit Bussen von dort nach Kayes zurück. Schon zu Beginn der Reise bekam das Mädchen Nasenbluten und musste sich erbrechen. Die Krankheit war mit hoher Wahrscheinlichkeit also bei ihr bereits ausgebrochen.

In den Ortschaften entlang ihrer Route herrscht deshalb Angst vor weiteren Ebola-Fällen. Bei einem Zwischenstopp in der malischen Hauptstadt Bamako trafen Großmutter und Enkelin zwölf Familienmitglieder. Sie stehen nun unter Quarantäne. Markassé N'Daou, Sprecher des malischen Gesundheitsministeriums, zeigt sich angesichts der eingeleiteten Maßnahmen optimistisch: "Seit die Test-Ergebnisse des Mädchens vorliegen, spüren wir all diejenigen auf, die mit ihr in Kontakt waren." Ärzte und Pfleger in ganz Mali seien über die Krankheit und ihre Symptome informiert worden. "Wir haben die notwendige Logistik und auch Isolier-Einheiten, die an den Grenzen postiert sind", sagte N'Daou der Deutschen Welle.

Vorbild Senegal und Nigeria

Insgesamt würden derzeit 82 Personen in Mali auf Ebola-Symptome wie Fieber untersucht und beobachtet, so die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf. Die WHO habe ein Team von fünf zusätzlichen Experten nach Mali geschickt, sagte WHO-Sprecher Tarik Jasarevic der DW. Sie sollen das Gesundheitsministerium dabei unterstützen, all diejenigen zu finden, die mit dem Mädchen in Kontakt waren. "So wollen wir sichergehen, dass niemand unbeobachtet Ebola-Symptome zeigt." Außerdem plane man den Aufbau eines Krisenzentrums, vermutlich in Kayes, so Jasarevic. "Darüber diskutieren wir gerade mit unseren Partnern in Mali."

Grenzkontrolle zwischen Mali und Guinea wegen Ebola - Foto: Joe Penney (Reuters)

Grenzkontrollen zwischen Guinea und Mali: Durch Fiebermessen Ebola-Infizierte ausfindig machen

In Guinea, Sierra Leone und Liberia sind bislang fast 5000 Menschen an Ebola gestorben. Im Senegal hatte es Ende August einen Ebola-Fall gegeben, weitere Ansteckungen konnten bislang jedoch verhindert werden. Nigeria musste von Juli bis Oktober 20 Ebola-Tote beklagen, gilt jedoch heute als befreit von dem Virus. Schnell und umfassend hatten die Behörden dort all diejenigen ausgemacht und medizinisch betreut, die mit Ebola-Patienten in Kontakt waren. Zudem wurde die Bevölkerung umfassend darüber informiert, wie man sich vor Ebola schützen kann.

Krieg, Flucht, Krankheit

Trotz des Optimismus im Gesundheitsministerium von Bamako: Experten befürchten, dass der Kampf gegen eine weitere Ausbreitung der Krankheit in Mali schwieriger sein könnte als im Senegal oder in Nigeria. In den vergangenen zwei Jahren tobte ein Bürgerkrieg im Land, noch immer bedrohen Tuareg-Rebellen und islamistische Terrorgruppen die Menschen vor allem im Norden Malis. Bis zu 250.000 Malier leben weiterhin als Flüchtlinge im eigenen Land. "Nach so einem Konflikt ist das Gesundheitssystem eines Landes stark geschwächt", so WHO-Sprecher Jasarevic. Das erschwere auch die Reaktion auf Epidemien wie Ebola. "Wir hoffen wirklich, dass Mali sich in den vergangenen sechs Monaten auf Ebola vorbereiten konnte. Auf den Fall, der nun eingetreten ist." Dafür habe man frühzeitig Schutzanzüge nach Mali gebracht. Mit einer größeren Anzahl von Impfstoff-Dosen gegen Ebola könne man jedoch frühestens im Jahr 2015 rechnen, so die WHO.

Tests dafür sind in den USA und Großbritannien bereits angelaufen. Seit Mitte Oktober wird auch in Mali der mögliche Ebola-Impfstoff ChAd3 der Pharma-Firma GlaxoSmithKline getestet, finanziert vor allem mit öffentlichen Geldern. Die Angst vor Ebola in Mali und anderswo wird wohl nicht nachlassen, bis ein wirksames Mittel gegen die tödliche Seuche gefunden ist.

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