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Kultur

Ebenbilder gegen die Vergänglichkeit

Damit sie für die Nachwelt weiterlebten, schufen sich die Menschen Ebenbilder aus Wachs. Eine Ausstellung in Essen zeigt eine einzigartige Sammlung aus 9000 Jahren Kulturgeschichte.

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Der Frauenkopf diente Medizinern zu Untersuchungszwecken

Du sollst dir kein Bildnis von Gott machen, so heißt es in den Zehn Geboten. Doch der Mensch ist und war vergänglich und erschuf sich eben deshalb Abbilder seiner selbst. Das perfekte Ebenbild zu formen ist seit jeher ein Traum des Menschen.

Das ideale Material dafür ist Wachs. Denn das ermöglicht eine dreidimensionale naturgetreue Abbildung nicht nur des gesamten Körpers, sondern auch einzelner Körperteile, bevorzugt Kopf und Gesichter. Die Ausstellung zieht keine Grenzen zwischen Wissenschaft, Gattungen oder Epochen.

Ebenbilder von Seltenheitswert

170 Exponate drängen sich auf engstem Raum, aber mit viel Platz zum Staunen. So finden sich neben Büsten von antiken Herrschern oder Friedrichs des Großen auch detailgetreue Köpfe, die berühmte Kriminelle darstellen. Das älteste erhaltene Exponat stammt aus dem 8. Jahrtausend v. Chr. Der "Micah" ist eine der frühesten großfigurigen Statuetten von Menschen.

Micah

"Micah". Ayn Gazal (Jordanien), 8. Jahrtausend v. Chr. Department of the Ancient Near East, The British Museum, London (Foto: The British Museum, London)

Auf die kleine Figur ist der Kurator der Ausstellung Dr. Jan Gerchow besonders stolz, denn davon gäbe es nur 24 auf der ganzen Welt, so der Kunsthistoriker gegenüber DW-WORLD. Und die werden wegen ihrer Zerbrechlichkeit nicht gerne außer Haus gegeben. 200 Museen und Sammlungen hatte der Kurator angeschrieben, doch 40 haben letztlich ihre Exponate verliehen. Mit der Organisation der Ausstellung war Gerchow drei Jahre lang beschäftigt.

Ebenbilder für die Medizin

Königin von Pequena

Königin von Pequena, Wachsbüste aus einem Münchner Panoptilum um1925. Puppentheatermuseum im Münchener Stadtmuseum (Foto: Museum, P. Fliegauf)

Auch plastische Nachbildungen einzelner Gliedmaßen nehmen einen wichtigen Ausstellungsplatz ein. In den antiken Hochkulturen dienten sie oft als Opfergaben und sollten den Wunsch nach Heilung eines erkrankten Körperteils Ausdruck verleihen. Im frühen 18. Jahrhundert dienten die Nachahmungen vor allem medizinisch-anatomischen Zwecken.

Das Gesicht und die Hände eines von einer Hautkrankheit befallenen Unbekannten lässt einem den kalten Schauer über den Rücken laufen. "Das sind noch die harmlosesten, die wir uns ausgesucht haben, 5000 weitere schlummern noch in einem Pariser Museum", lacht Ausstellungsmacher Gerchow.

Die Ausstellung "Ebenbilder. Kopien von Körpern - Modelle des Menschen" ist noch bis zum 30.Juni 2002 im Ruhrlandmuseum in Essen zu sehen.

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