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Wissen & Umwelt

Eben noch im Labor, jetzt auf der Showbühne!

Junge Wissenschaftler, ihre Forschungsthemen, eine Bühne, eine Stoppuhr und ein mit Bewertungskarten bewaffnetes Publikum - das sind die Zutaten beim "Science Slam".

Patrick Seelheim, Gewinner des Bonner Energy Slams 2010 (Foto: Haus der Wissenschaft Braunschweig)

Slam-Gewinner Patrick Seelheim mit der "Großen Leuchte"

"Ich erzähle Ihnen heute was über ABC-Transporter auf der QCM. Verstehen Sie nur Bahnhof? Macht nichts!", legt Patrick Seelheim los. Dann erklärt er, wie die Müllabfuhr im Gehirn funktioniert und wie man mit Quarzen wiegen kann. Dazu wirft er die Arme in die Luft, wedelt mit Flaschen, schüttelt rohe und gekochte Eier und schwabbelt mit Wackelpudding. Patrick Seelheim ist 24 und Chemie-Doktorand an der Uni Münster. Im Deutschen Museum in Bonn tritt er gegen sieben andere junge Wissenschaftler beim "Energy Slam" an.

Bei einem "Science Slam", einer Wissenschaftsschlacht also, präsentieren sich redegewandte Forscher vor einem kritischen Publikum. In jeweils zehn Minuten sollen sie ihr Forschungsthema verständlich und unterhaltsam vorstellen. Die Zuschauer verteilen dafür Punkte. Im Rahmen des Wissenschaftsjahres Energie heißt das Ganze "Energy Slam". Denn die Beiträge drehen sich um das Thema Energie. In vier regionalen Vorentscheiden werden die Teilnehmer für das Slam-Finale in Berlin ermittelt.

Die Schlacht um die "Große Leuchte"

Wiegen durch wackeln, Wackelpudding als Versuchsobjekt beim Energy Slam in Bonn (Foto: DW)

Wiegen mit Wackelpudding: Wissenschaft mit Showeffekt

Die Themen der "Slammer" im westdeutschen Vorentscheid in Bonn klingen lustig, aber auch kompliziert: "Antimaterie beim Arzt", "Kartoffeldruck goes Nano" oder "Ionendynamik in Polymerelektrolyten erläutert am Beispiel der Pärchendynamik beim Einkauf". Nicht bei jedem Vortrag sind die Zuschauer nachher schlauer als vorher.

Patrick Seelheim kann mit seiner Ein-Mann-Show über die Müllabfuhr im Gehirn bei der Publikumsjury aber punkten. Seine Konkurrenten, die überwiegend auf die klassische Power-Point-Präsentation gesetzt haben, hängt er erfolgreich ab und fährt mit dem Titel "Große Leuchte" und einer großen Glühbirnentrophäe nach Hause. Patrick Seelheim ist allerdings kein Anfänger, sondern bereits erfahrener Slammer. Zuletzt räumte er im Oktober beim Münsteraner Science Slam um das Goldene Gehirn ab. Sein Erfolgsrezept: "Wichtig ist, dass man Analogien findet, die so griffig sind, dass sie jeder versteht und immer noch so richtig, dass sie etwas mit dem Konzept zu tun haben".

Ein neuer Trend in der Lehre?

Das Publikum bewertet die Teilnehmer beim Energy Slam in Bonn (Foto: DW)

Beim "Energy Slam" verteilt das Publikum die Noten

Mit der lockeren Atmosphäre beim "Science Slam" wolle man gezielt ein neues Publikum ansprechen, sagt Organisatorin Britta Eisenbarth vom Haus der Wissenschaft: "Es ist interessant für junge Leute, die sich sonst keine wissenschaftlichen Vorträge anhören."

Science Slams sind in Deutschland noch relativ neu, erklärt Steffen Koolmann, Prorektor der Bonner Alanus Hochschule, der den "Energy Slam" mitorganisiert hat: "Es kommt aus dem angelsächsischen Raum, aber wir in Deutschland werden immer mehr an das Thema herangeführt." Koolmann sieht im Zusammenhang mit dem Trend des Science Slams auch einen Wandel in der akademischen Kultur. Verständlichkeit und Unterhaltsamkeit würden in der Lehre immer wichtiger: "Als Hochschullehrer muss man sich diesen Fragen ganz anders stellen. Früher galt die Regel: Der Professor ist unantastbar. Er kann so unterrichten, wie er es mag. Heute geht es nicht mehr nur um den Inhalt, sondern auch um die Form."

Slam-Champion Patrick Seelheim bestätigt das. Er fühlt sich angetrieben von Anti-Vorbildern in der Wissenschaft: "Es gibt diesen Stereotyp von Professor – relativ alt geworden, darüber verbittert und mit der Einstellung: Was soll ich mit Studenten? So darf man nie werden." Patrick Seelheim dagegen ist motiviert. Er freut sich auf das Finale am 9. Dezember in Berlin und will dann mit einem neuen Thema auftrumpfen.

Autor: Gönna Ketels
Redaktion: Judith Hartl