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Kunst

East Side Gallery-Künstler Kani Alavi lädt Trump zur Mauerbesichtigung ein

Kani Alavi kennt sich mit Mauern aus. Als die Berliner Mauer fiel, bemalte der iranische Einwanderer die Reste, die man heute als East Side Gallery kennt. Angesichts Trumps Einreiseverbot spricht er eine Einladung aus.

1980 verließ der Künstler Kani Alavi seine Heimat Iran, wo kurz zuvor Ajatollah Khomeini die Macht übernommen hatte, und zog ins damals noch geteilten Berlin. Nachdem dort die Mauer fiel und größtenteils abgerissen wurde, gehörte Alavi zu den Künstlern, die sich künstlerisch auf den Resten verewigten. Ihre Werke wurden zur East Side Gallery, für deren Restaurierung und Erhalt Alavi über viele Jahre kämpfte.

2002 wurde eins seiner East Side Gallery-Bilder im Skulpturengarten der Vereinten Nationen in New York ausgestellt. Seit vielen Jahren besitzt der Künstler neben der iranischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Mit der DW sprach er über den Einreisestopp in den USA, der unter anderem Iraner betrifft, und über Präsident Donald Trumps Pläne, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten.

DW: Mittlerweile dürfen Menschen aus den sieben vom Einreisestopp betroffenen muslimischen Ländern, die einen zweiten Pass besitzen, doch in die USA einreisen. Aber wie fühlten Sie sich, als Sie zunächst nur erfuhren, dass Sie zumindest für die nächsten drei Monate nicht in die USA einreisen dürfen?

Kani Alavi: Wut. Allein wenn eine Mutter ihren Sohn nicht sehen kann oder umgekehrt - das ist wirklich traurig. Über die Jahre und Jahrhunderte sind sich Menschen aus verschiedenen Ländern begegnet. Gerade die USA erzählen ständig, sie seien Demokraten und meinen sogar, sie könnten die gesamte Welt durch ihre Politik retten. Und dann wird ein Punkt gesetzt, und sie sagen, wir müssen eine Mauer hochziehen. Es passt überhaupt nicht zu ihrer Kultur.

Kani Alavis Mauergemälde wurde 2002 an Kofi Annan in New York übergeben (picture-alliance/dpa/D. Kanter)

Kani Alavis Mauergemälde wurde 2002 an Kofi Annan in New York übergeben und steht jetzt im Skulpturgarten der UNO

Welche konkrete Verbindung haben Sie zu den USA?

Mein Bild steht in New York im UNO-Skulpturengarten. Auf dem Bild umarmen sich Menschen über die Mauer hinweg. Wenn ich jetzt daran denke, dass ich eventuell nach vielen Jahren nicht hinfahren könnte, um mein Bild zu sehen - warum habe ich dieses Bild dann gemalt? Wenn Mauern existieren, werden Kulturen getrennt bleiben. Wir müssen anders denken, damit die Mauern - auch in unseren Köpfen - abgeschafft werden und Menschen zusammenkommen.

Der Einreisestopp ist die eine Sache, aber Trumps geplante Mauer an der US-mexikanischen Grenze wird auch heiß diskutiert - und auch teilweise mit der Berliner Mauer verglichen. Ist dieser Vergleich berechtigt?   

Mauern wurden in Berlin, aber auch zwischen Nord- und Südkorea, Zypern und der Türkei, Palästina und Israel errichtet, und der Plan für Mexiko und USA ist genau dieselbe Geschichte. Die Mauern wurden aus politische Gründen errichtet - und das ist die schlimmste Methode, politisch etwas erreichen zu wollen. Ich glaube, dass Trump sich mit seinen politischen Vorstellung selbst zumauert, die Umsetzung wird nicht so einfach klappen. Es ist ein kurzsichtiger Plan, mit dem er nichts erreichen kann. Das wird er noch bereuen. Wenn ein Politiker eine Mauer hochgezogen hätte, als Trump ein Kind war, dann wäre er nie so reich geworden. Seinen Reichtum hat er nicht durch Abschottung erzielt, sondern durch Vielfalt und kulturelle Beziehungen.

Sie engagieren sich seit Jahren für den Erhalt der East Side Gallery, einen Teil der Berliner Mauer. Was bedeutet für Sie der Erhalt dieses doch negativ geprägten Symbols?

Es ist natürlich ironisch gemeint, aber Trump soll einfach seine Mauer hochziehen, und eines Tages gehen wir hin und bemalen sie. In Korea machen wir es genauso. Gerade organisieren die Koreaner für uns eine zweite East Side Gallery als Symbol der Freiheit. Die Künstler, die ihre Vorstellungen zur friedlichen Revolution in den 1990er Jahren in Deutschland auf die Mauer malten, sind weltweit bekannt geworden, weil ihre Kunst durch unsere Bemühungen erhalten blieb.

Kani Alavi mit seinem Werk an der East Side Gallery in Berlin (AP)

Kani Alavi mit seinem Werk an der East Side Gallery in Berlin

Ich durfte die koreanische Präsidentin begleiten, als sie die East Side Gallery in Berlin besuchte. Sie war sehr interessiert und wollte wissen, warum wir die Mauer bemalt haben. Ich sagte ihr: 'Sie ist ein Symbol, und wir kämpfen für ihren Erhalt, damit  niemand mehr auf die Idee kommt, in Berlin-Kreuzberg nochmals eine Mauer hochzuziehen.'

Wenn wir diese Authentizität in Berlin bewahren, können wir zum Beispiele einem Koreaner oder einem Amerikaner erzählen: 'Sehen Sie, diese Mauer hat die Menschen über Jahre getrennt. Sie ist ein Symbol, das wir bemalt haben, das wir überwunden haben. Und jetzt können wir es zeigen, um zu verhindern, dass sich so etwas in der Zukunft wiederholt.' Der amerikanischen Präsident Trump soll nach Berlin kommen und sich die East Side Gallery anschauen, bevor er seine Mauer hochzieht. Dann kann ich ihm erzählen, warum diese Mauer in Berlin erhalten geblieben ist.

Was kann ein Künstler gegen die Politik von Trump ausrichten?

Wir können nichts tun, außer ihn mit unserer Kunst zu kritisieren. Es gibt viele Künstler, die satirische Bilder gemalt haben. Trump wird sich diese Bilder sicherlich irgendwann anschauen, aber im Moment sieht er gar nichts. Er will im Moment nur seinen Willen durchsetzen und die USA wieder nach ganz oben bringen. In den nächsten Monaten wird er sich besinnen und sich überlegen, bei welchen Punkten er anders handeln sollte. Als Künstler können wir ihn dann mit unseren Bildern vielleicht in eine Bahn lenken. Wir können aber nicht hingehen und ihn bekriegen, damit er sich ändert. Wir müssen die Menschen durch Kunst, Kultur, Theater und Musik aufrütteln und zu Protesten aufrufen, damit dieser Mensch seine Meinung ändert.

Das Gespräch führte Kate Müser.

 

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