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Kultur

Eagles of Death Metal: Emotionale Rückkehr nach Paris

Die Band, die die Terrornacht im November in Paris überlebt hat, ist zurückgekehrt - das Konzert im Pariser "Olympia" war emotional und vor allem eins: Rock'n'Roll. DW-Reporter Fabien Jannic-Cherbonnel war dabei.

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Eagles of Death Metal rocken Paris

"Paris - I f***ing love you!" Der Frontmann der Eagles of Death Metal, Jesse Hughes, war sichtlich bewegt, als er auf der Bühne des Pariser Konzertsaals "Olympia" stand. Am 13. November 2015 mussten er und seine Bandkollegen miterleben, wie Terroristen in den Club Bataclan eingedrangen und im Publikum wahllos Menschen erschossen. Der Angriff war Teil einer Terrorserie, der in jener Nacht in Paris 130 Menschen zum Opfer fielen. Auch die Eagles of Death Metal verloren einen ihrer Leute. Kurz nach der Attacke kündigten sie an, auf jeden Fall wieder zurück nach Paris zu kommen und ihr Konzert zu Ende zu spielen.

Und das tat die Band in der Nacht zum Mittwoch. Es war nicht nur ein Konzert, sondern fast eine triumphale Rückkehr in die französische Hauptstadt - kurz nach dem Start der Europatour mit einem besonderen Namen: "The Nos Amis-Tour" (Unsere-Freunde-Tour).

In einem Interview mit dem französischen Sender iTele hat Jesse Hughes vor dem Gig bereits versprochen, dass dieses Konzert "eine echte Rockshow" werden würde. Keine leichte Sache, denn echte Rock'n'Roll-Stimmung wollte angesichts der Sicherheitsvorkehrungen rund um die Konzerthalle zunächst nicht aufkommen. Das Gelände rund um das "Olympia" war abgesperrt, die Zuschauer mussten am Eingang vier Sicherheitschecks durchlaufen. Im Vorraum der Konzerthalle stand zudem ein Team von psychologischen Betreuern bereit, Security und Feuerwehr waren überall zu sehen.

Im Saal dann: Emotion pur. Die Band hatte alle Überlebenden des Bataclan und die Angehörigen der Opfer eingeladen. 500 Plätze waren für andere frei geblieben. Für Hughes war die Rückkehr nach Paris eine Art "Therapie", wie er in mehreren Interviews vor dem Konzert sagte. Und für manch einen der Überlebenden, die Dienstagabend ins "Olympia" gekommen sind, vielleicht ein Mittel, um einen Strich unter einen furchtbaren Albtraum zu ziehen.

So emotional die Stimmung auch war: Das Publikum feierte die Band. An der Bar wurde ordentlich getrunken und gelacht, Menschen umarmten sich und waren guter Laune. Auch David ist mit zwei Freunden hier. Alle drei waren am 13. November im Bataclan. David erzählt, dass er nach der Terrornacht weiterhin zu Konzerten gegangen sei: "Mein Leben muss weitergehen."

Zu Beginn der Show betrat Jesse Hughes die Bühne in einem roten Cape. Dazu wurde das Lied "Paris s'éveille" ("Paris erwacht") des Liedermachers Jacques Dutronc eingespielt - eine Reverenz an die französische Hauptstadt. Sichtlich bewegt hielt der Sänger danach schweigend inne und blickte ins Publikum. Dann begrüßte er die Leute in seinem typischen Südstaatenakzent. Die Band hielt, was sie versprochen hatte und spielte ihre größten Hits. Ihren Song "I Only Want You" unterbrachen sie für eine Schweigeminute. "Lasst uns einen Moment an die Opfer denken, bevor wir hier weiter Spaß haben", so Sänger Hughes.

Ein Song allerdings fehlte auf der Setlist: "Kiss the Devil". Die Eagles spielten diesen Song gerade, als die Terroristen im November ins Bataclan eindrangen. Diese Erinnerung wollte die Band ihrem Publikum ersparen.

Zuschauer Vincent erzählt, dass er hier sei um die Band zu sehen, aber auch um eine Freundin zu begleiten. "Sie war damals im Bataclan. Alleine hätte sie es nicht geschafft, hierher zu kommen."

Währenddessen lieferten die Eagles of Death Metal ein ordentliches Rockkonzert ab, Frontmann Hughes sprach zwischen den Songs viel mit dem Publikum, beteuerte seine Liebe zu Paris, bedankte sich immer wieder bei allen, ganz besonders bei einem Fan, der ihm zuvor ein T-Shirt geschenkt hatte.

Frankreich Konzert Eagles of Death Metal in Paris, Olympia - Polizei

Vor dem Olympia war alles abgesperrt

In einem Moment verschwand die Band plötzlich von der Bühne. Hughes kehrte allein zurück und sagte: "Ihr Motherfuckers habt keine Ahnung, wie sehr ich euch liebe, wie sehr ich euch heute abend brauche. Ich bin so scheiße nervös."

Interaktion mit dem Publikum bestimmte das Konzert. Die Band applaudierte nach jedem Song dem Publikum. Als es laut mitsang, meinte Hughes, dass er dieses Geräusch gerne klauen würde, um daraus einen neuen Song zu machen. Später holte er eine blau-weiß-rote Gitarre und nahm Musikwünsche aus dem Publikum entgegen.

Zum Schluss: minutenlanger Jubel und Applaus. Die Band hat an diesem Abend das zu Ende gebracht, was sie am 13. November begonnen hatte. "Peace, Love and Rock'n'Roll" - unter diesem Motto stand die zweistündige Rockshow der Eagles of Death Metal. Und genau so hat sich das auch angefühlt.

Doch am Ausgang holte die Realität einen schnell wieder ein. Beim Blick auf das Smartphone erfuhren wir, dass die französische Regierung den Ausnahmezustand für weitere drei Monate verhängt hat.

Ernüchterung bringt auch die Aussage des Eagles-Frontmanns Jesse Hughes zur Frage der Waffengesetzgebung. Bei Interviews hatte er am Dienstagabend gesagt: "Bis niemand eine Waffe hat, muss vielleicht erst jeder eine Waffe haben." Auf die Frage einer französischen Journalistin, warum er das so sehe, fragte Hughes zurück: "Hat Ihre französische Waffenkontrolle den Tod einer einzigen Person verhindert?" Dem Sender Canal+ sagte er: "Ich bin kein Held, aber wenn ich eine Waffe gehabt hätte, hätte ich etwas ändern können - und ich wäre bereit gewesen, es zu tun."

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