1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Europa

Eagles of Death Metal: Ein Konzert als "Therapie"

Es ist eine Rückkehr, die schwieriger kaum denkbar wäre. Die US-Rockband Eagles of Death Metal trat wieder in Paris auf, drei Monate nach dem Terrorüberfall auf das Bataclan.

Sichtlich bewegt erschienen die Musiker auf der Bühne des Olympia, umjubelt von einem Publikum, zu dem auch Überlebende und Opferangehörige gehörten. Dazu wurde das Lied "Paris s'éveille" ("Paris erwacht") des Liedermachers Jacques Dutronc eingespielt - eine Reverenz an die französische Hauptstadt.

Frontmann Jesse Hughes hatte zuvor von seiner Angst gesprochen: "Ich hoffe, ich kann auf die Bühne laufen und stärker sein als jetzt. Ich will nicht vor allen zusammenbrechen." Als er dann am Abend vor dem Publikum stand, sagte er zunächst kein Wort.

Ihren ersten Song "I Only Want You" unterbrach die Band nach wenigen Takten für eine Schweigeminute. "Nehmen wir uns den Moment, um zu gedenken", sagte Schlagzeuger Joss Homme.

Für den Auftritt galten höchste Sicherheitsvorkehrungen. Der Bürgersteig vor dem "Olympia" war komplett abgesperrt, Polizisten und private Sicherheitsleute kontrollierten die Besucher mehrfach, unter anderem mit Metalldetektoren. Im Vorraum des Konzertsaals warten psychologisch geschulte Betreuer, erkennbar an dezenten Schildern auf der Brust.

"Heute wird uns niemand aufhalten", rief Frontmann Hughes den Anhängern entgegen. Doch immer wieder brachen auch bei ihm die Emotionen durch. Irgendwann verschwand die Band ohne Vorwarnung von der Bühne. Nach ein paar Minuten kam Hughes allein zurück, sichtlich bewegt. "Ihr Motherfuckers habt keine Ahnung, wie sehr ich Euch liebe, wie sehr ich Euch heute Abend brauche", sagte er. "Ich bin so scheiße nervös."

"Ich kann die Bösen nicht siegen lassen", hatte der Bandleader im Sender iTélé gesagt. "Ich muss wieder mit meinen Freunden sein. Wir müssen das beenden." Der Auftritt in Paris sollte zu einer "Therapie" werden. "Es soll nicht leicht sein. Es soll schwer sein", sagte Hughes in einem höchst emotionalen Interview mit der Nachrichtenagentur AFP, bei dem er immer wieder in Tränen ausbrach. "Das ist für mich eine Therapie. Ich bin egoistisch."

"Ich verstehe, was die Leute fühlen, die nicht kommen können", sagte Hughes mit Blick auf diejenigen, die dem Auftritt im Olympia fernbleiben wollten. "Aber ich weiß in meinem Herzen: Das Richtige zu tun bedeutet, das Schwerste zu tun." Es gehe darum, einen "psychologischen, emotionalen Krebs, der die ganze Welt infiziert hat" herauszuschneiden.

Hughes erzählte auch von dem verhängnisvollen Abend des 13. November. "Als ich um mein Leben gerannt bin, war da ein Kerl neben mir, der Schwierigkeiten hatte zu laufen." Der Mann habe heftig geblutet. "Er hat tief eingeatmet und gesagt: 'Dein letztes Konzert war viel besser'", berichtete der Sänger. "Das war so unglaublich mutig, einen Witz zu machen."

Die Band wollte das Konzert vom 13. November "zu Ende spielen", und hatte die Überlebenden von damals dazu eingeladen. Die Musiker wichen in den traditionsreichen Veranstaltungssaal Olympia aus, weil der Musikclub Bataclan, in dem drei schwerbewaffnete Islamisten während des Eagles-of-Death-Metal-Konzerts 90 Menschen getötet hatten, bis Ende des Jahres geschlossen ist. Wenn das Bataclan dann renoviert ist und wiedereröffnet wird, will Hughes mit den Eagles der erste sein, der dort auf der Bühne steht: "Ich liebe diesen Club."

Diesen Mittwoch spielt die Band in der Münchner Tonhalle.

rb/jj (afp, ap, dpa)

Die Redaktion empfiehlt