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Wirtschaft

EADS-Konzern sortiert sich neu

Wer seit 2009 EADS-Aktien hält kann sich freuen: Der Kurswert hat sich mehr als verdreifacht. Doch der Luft- und Raumfahrtkonzern will noch höher hinaus. Sorgen bereitet allerdings die Rüstungssparte.

Scheinwerfer strahlen gleißend hell, die musikalische Untermalung kündigt Großes an. Es erinnert an den Einzug von Matadoren, als die Konzernspitze des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS den Ballsaal eines Fünf-Sterne-Hotels am Berliner Kurfürstendamm betritt und auf dem Podium Platz nimmt.

Dabei werden doch nur Geschäftszahlen verkündet. Die sind allerdings beeindruckend. Konzernchef Thomas Enders spricht von 2012 als "einem guten Jahr mit einem starken Umsatzanstieg". EADS liege gut im Kurs mit dem "Ziel, 2015 eine Umsatzrendite von zehn Prozent zu erreichen."

Erfolg trotz Widrigkeiten

In Zahlen kletterte der Umsatz 2012 um 15 Prozent von 49 auf rund 57 Milliarden Euro. Unter dem Strich fuhr der Konzern einen Gewinn von knapp 1,2 Milliarden Euro ein, das sind 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Selbstverständlich ist das nicht, angesichts der Schwierigkeiten, mit denen EADS zu kämpfen hatte.

Da war zum einen die geplante Fusion mit dem europäischen Rüstungshersteller BAE Systems. Der Zusammenschluss zum größten Rüstungskonzern der Welt war im Oktober am Veto der deutschen Bundesregierung gescheitert.

EADS-Konzernchef Thomas Enders spricht auf der Bilanz-Pressekonferenz am 27.02.2013. Foto: REUTERS/Fabrizio Bensch

Vom Airbus- zum EADS-Konzernchef: Thomas Enders

Ohne starken Partner hat die EADS-Rüstungssparte Cassidian Probleme: Das Ergebnis hat sich halbiert, ein Sanierungsprogramm ist in Arbeit, 850 Stellen werden gestrichen. "Wir bauen Risiken ab", erklärt Thomas Enders.

Dabei müsse die Geschäftsführung klären, ob sie an allen Aktivitäten festhält, denn Cassidian habe ein breites Produktspektrum, vom Kampfflugzeug bis zum Radar für die elektronische Gefechtsführung. "Angesichts der weltweiten Finanzkrise müssen wir uns fragen: Was braucht das Militär wirklich? Treffen wir die Bedürfnisse? Womit verdienen wir Geld?" Diese Fragen würden sich aber nicht nur bei Cassidian stellen, sondern auch in allen anderen Bereichen.

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Airbus-Mutter EADS in Topform

Zugpferd Airbus

Aktuell sind die Auftragsbücher bei EADS prall gefüllt. Der Orderbestand habe zuletzt rund 567 Milliarden Euro betragen, im vergangenen Jahr seien Neubestellungen im Wert von mehr als 100 Milliarden Euro dazu gekommen.

Gewinn hat EADS vor allem mit Airbus gemacht. Die Turbulenzen um Haarrisse in den Tragflächen des Großraumflugzeuges A380 führten allerdings dazu, dass viele potenzielle Kunden erst einmal abwarten. So ist der Auftragseingang bei Airbus von rund 1600 Bestellungen im Jahr 2011 auf gut 900 im vergangenen Jahr zurückgegangen.

"Keine Frage, wir hätten gerne mehr von den großen Vögeln verkauft", sagt Enders. Die Probleme mit den Tragflächen seien aber gelöst, verspricht er, die Instandsetzung sei im Gang, die Neukonstruktion angepasst.

Mit Spannung wird nun der Produktionsstart des neuen Langstrecken-Jets A350 erwartet. "Wir haben viel aus unseren Fehlern und den Fehlern unserer Konkurrenten gelernt", meint Enders und spielt damit wohl auch auf brennende Batterien im "Dreamliner" des Konkurrenten Boeing an.

Ein Mega-Entwicklungsprogramm wie das des A350 mit neuen Technologien, neuen Rohstoffen und neuen Partnern sei indes immer mit Risiken behaftet. Der Plan, in der zweiten Jahreshälfte 2014 die ersten Maschinen ausliefern zu können, sei riskant und je näher man an die Zertifizierung und die Auslieferung komme, desto höher seien die Kosten, wenn dann noch etwas schieflaufe. Im Moment gehe aber alles gut voran. "Wir erwarten mit Spannung, dass der erste Vogel im Sommer abheben kann", so Enders.

Mehr Profit auch für die Aktionäre

Pleiten, Pech und Pannen wie beim Militärtransporter A400M will sich EADS nicht noch einmal leisten. Nach jahrelangen Verzögerungen und milliardenschweren Zusatzkosten sollen die ersten vier Maschinen in diesem Jahr endlich an Frankreich und die Türkei ausgeliefert werden. Allerdings sind die Maschinen militärisch noch nicht voll einsatzfähig, der Weg dorthin bleibe "herausfordernd", heißt es.

Veränderungen stehen im Eigentümerkreis von EADS an. Der alte Aktionärspakt des deutsch-französischen Konzerns, der lange von den Regierungen in Paris und Berlin dominiert wurde, soll aufgelöst werden. Die Staatsaktionäre Deutschland, Frankreich und Spanien werden keine Vetorechte mehr haben und einer Stimmrechtsbeschränkung unterliegen. Unternehmensstrategie und Firmenprojekte sollen künftig allein von Management und Verwaltungsrat entschieden werden.

Es gehe darum, so Konzernchef Thomas Enders, EADS wie jedes andere Unternehmen führen zu können. Im Klartext heißt das, dass die permanente Einmischung der Regierungen in die Unternehmensgeschäfte wohl der Vergangenheit angehören wird. Damit könnte Enders seinem Ziel, EADS profitabler zu machen, deutlich näher kommen.

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