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Politik

EADS droht mit Einstellung des A400M

Ein Flugzeugbauer verliert die Geduld: EADS erwägt im Poker um die Frage, wer die milliardenschweren Mehrkosten beim Bau des Militärtransportflugzeugs A400M tragen soll, den Ausstieg.

Ein A400M in der Luft (Foto: AP)

Wird der Bau des Transportfliegers A400M abgebrochen?

Erst vor drei Wochen ist das militärische Transportflugzeug A400M nach einigen Pannen und mehrjähriger Verzögerung zum Jungfernflug abgehoben. Damals hat EADS-Chef Thomas Enders den Erstflug als "Erfolg" gefeiert. Jetzt lässt er angeblich das Aus für das Rüstungsprogramm vorbereiten. "Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", hatte Enders aber schon im vergangenen März gesagt. EADS erreichte damals immerhin, dass die sieben europäischen Bestellnationen auf die mögliche Stornierung des Auftrags verzichteten. Seitdem wird der Termin für eine Einigung zu den Mehrkosten für die um drei Jahre verspätete Produktion immer weiter nach hinten geschoben.

Bisher hat die Politik nicht auf die Drohungen reagiert. Ende Januar sollen jetzt die Würfel fallen. EADS-Sprecher Stefan Schaffrath sagte am Dienstag (05.01.2010) in Paris, ein Ausstieg aus der Produktion sei ein mögliches Szenario.

Explodierende Kosten nerven EADS-Chef

EADS-Chef Thomas Enders im Portrait (Foto: AP)

Er fordert mehr Geld von den europäischen Auftragsländern: Thomas Enders

Schon zu Neujahr hatte Thomas Enders versucht, über die Öffentlichkeit Druck auf die Auftragsländer auszuüben. "Jetzt ist Zeit für Bewegung, so oder so", sagte er der "Welt Online". Das A400M-Programm werde voraussichtlich keinen Gewinn abwerfen. "Ich kann es als Airbus-Chef deshalb nicht verantworten, mit so einem Rüstungsprogramm das ganze Unternehmen und damit auch die zivilen Programme zu gefährden." Die explodierenden Kosten nerven Enders. Der EADS-Chef sei sehr skeptisch, ob mit den Bestell-Ländern bis Ende Januar eine Einigung über die Mehrkosten von 5,3 Milliarden Euro erzielt werden könne, hieß es jetzt in der "Financial Times Deutschland". Enders treffe deshalb konkrete Planungen für einen Ausstieg. Es gebe bereits Listen von A400M-Ingenieuren, die künftig beim Bau der Zivilflugzeuge A350 und A380 eingesetzt werden sollten.

Der militärische Transportflieger schreibt bereits eine lange Geschichte: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, die Türkei, Belgien und Luxemburg hatten im Jahr 2003 insgesamt 180 Militärtransporter zum Gesamtpreis von 20 Milliarden Euro in Auftrag gegeben. Die Verzögerung des Flugzeugprojekts beträgt mindestens drei Jahre. Zudem ist EADS in keiner guten Verhandlungsposition. Bei einem Aus müsste der Konzern 5,7 Milliarden Euro zurückzahlen, die bereits geflossen sind - hinzu kämen Strafgelder in Milliardenhöhe. Nachdem das europäische Luftfahrtunternehmen die Turbulenzen wegen der Verspätung des Langstreckenfliegers A380 einigermaßen überwunden hat, würde das den Konzern wohl in eine neue Krise stürzen.

Die Entwicklung des Propellerflugzeugs A400M liegt wegen Problemen mit der Steuerung der Motoren mehr als drei Jahre hinter dem Zeitplan. Die erste Maschine soll nun frühestens Ende 2012 an Frankreich ausgeliefert werden. Deutschland, das mit 60 Maschinen größtes Abnehmerland des Flugzeugs ist, wäre dann ab 2013 an der Reihe.

Paris will das Projekt unbedingt retten

Der jüngste Schachzug von Enders erhöht den Druck auf die Auftragsländer um Deutschland und Frankreich. Paris drängt Berlin deshalb schon seit Monaten, das A400M-Projekt unter allen Umständen zu retten - umso mehr, als Frankreich das grenzüberschreitende Kooperationsmodell EADS auf andere Industriebereiche ausweiten will. Dagegen fährt die Bundesregierung bisher eine harte Linie und pocht auf die Einhaltung des Vertrags.

Das Flugzeug aus der Frontsicht (Foto: AP)

Der wegen seiner Mehrkosten umstrittene Flieger in einem Hangar in Sevilla

Politisch gesehen geht es vor allem um zwei Dinge: Kann Europa es sich leisten, das Prestigeprojekt im Rüstungssektor einfach sterben zu lassen? Dann müssten die Europäer ihre Transportflugzeuge weiter in den USA kaufen. Hinzu kommt, dass in den Hauptbestell-Ländern Deutschland und Frankreich Tausende Jobs an dem Flugzeug hängen. Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin erklärte nach dem Vorstoß von Enders, seine Regierung sei bereit, einen Teil der Mehrkosten zu übernehmen. "Aber Frankreich macht das keinesfalls allein." Jetzt sei es wichtig, einen Kostenschlüssel für die beteiligten Staaten zu finden. Deutschland und die übrigen Auftragsländer wollen bis Ende Januar eine Einigung mit EADS über die Zukunft des Militärtransporters A400M erreichen. An dem Zeitplan werde festgehalten, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Dienstag.

Über den europäischen Flugzeugbauer gab es am Dienstag auch positive Nachrichten: Die türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines hat 20 Flugzeuge der in Hamburg montierten Modelle A319 und A321 bestellt. Mit dem neuen Auftrag dürfte EADS sein Ziel von brutto 300 Bestellungen erreicht haben. Der europäische Flugzeugbauer hat nach Informationen der Pariser Zeitung "La Tribune" 2009 zudem die Rekordproduktion des Vorjahres von 483 Flugzeugen um 15 Maschinen übertroffen.

Autor: Marcus Bölz (AP, dpa, rtr)

Redaktion: Ursula Kissel

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