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Wirtschaft

EADS bei Jahrhundertdeal aus dem Rennen

Im Wettstreit um einen Milliardenauftrag des US-Verteidigungsministeriums sind der europäische Konzern EADS und sein Partner Northrop Grumman aus dem Bieterverfahren ausgestiegen. Grund: "Unfaire Wettbewerbsbedingungen"

KC-45 (Foto: Northrop)

Northrop sieht keine Chance für das Tankflugzeug KC-45

Die Entscheidung des europäischen Luftfahrtkonzern EADS, sich aus dem Bieterverfahren zur Lieferung von 179 Tankflugzeugen an das US-Militär zurückzuziehen, hat am Dienstag (09.03.2010) für Enttäuschung bei Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gesorgt. Er kritisierte, dass bei der Beschaffung von Rüstungsgütern der "freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden" dürfe. Denn gerade dies sei in der aktuellen Wirtschaftskrise schädlich.

Brüderle reagierte damit auf den Rückzug der EADS-Tochter Airbus und ihres US-Partners Northrop Grumman, die der US-Regierung vorwerfen, die "Struktur der Ausschreibung" zur Lieferung von 179 Tankflugzeugen bevorzuge "eindeutig" den US-Konkurrent Boeing.

Auch die EU hat sich jetzt eingeschaltet: "Die EU-Kommission wäre extrem besorgt", falls sich herausstellen sollte, dass die Ausschreibungsbedingungen einen offenen Wettbewerb verhindert haben, erklärte Handelskommissar Karel De Gucht. Er kündigte an, dass die Kommission "weitere Entwicklungen in dem Fall sehr genau verfolgen" werde.

"Verlierer Air Force"

Tom Enders (Foto: AP)

Verärgert: Tom Enders

Der Chef der EADS-Tochter Airbus, Tom Enders, warf der US-Regierung "Voreingenommenheit" vor. Auch er kritisierte: Die jetzige Ausschreibung sei "maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigeren Flieger der Konkurrenz". Die Schlussfolgerung liege auf der Hand: "Es geht hier nicht mehr um das beste Tankflugzeug und auch nicht um einen fairen Wettbewerb." Verlierer sei die Air Force, die "jetzt die zweitbeste Lösung bestellen" müsse.

Spiel mit gezinkten Karten?

US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte bereits im vergangenen Jahr erklärt, er könne nur mit einem Auftrag an Boeing leben. Und schon vor drei Monaten hatte Northrop Grumman gedroht, das Handtuch zu werfen, weil mit "gezinkten Karten" gespielt werde. So hatte Boeing Einsicht in das Airbus-Preisangebot erhalten und konnte sein Angebot darauf abstimmen.

(Luft-)Weg ist frei

Nun dürfte Boeing einziger Bieter für den Auftrag im Volumen von 35 Milliarden Dollar sein. Die jetzige Ausschreibung ist bereits der dritte Anlauf zur Vergabe des Auftrags zum Bau der 179 Tankflugzeuge. Ursprünglich sollte Boeing die Maschinen bauen. Als mit der Auftragsvergabe jedoch einer der größten Beschaffungsskandale der USA aufflog, wurde die Entscheidung rückgängig gemacht.

KC-45 (Foto: Northrop)

KC-45: Nach Ansicht von EADS und Northrop Grumman das beste Tankflugzeug der Welt

Bei der zweiten Ausschreibung kamen im Februar 2008 Northrop und EADS zum Zug. Gegen diese Entscheidung ging wiederum Boeing erfolgreich vor: Der Rechnungshof des Kongresses erklärte das Vergabeverfahren für fehlerhaft und empfahl dem Pentagon die Neuausschreibung. Gesagt, getan.

Ein gutes Geschäft

Zunächst geht es um 68 Flugzeuge für zwölf Milliarden Dollar und undatierte Folgeaufträge für weitere 111 Maschinen. Das EADS-Tankflugzeug KC-45 ist eine Variante des Airbus A330 und hat bisher alle internationalen Wettbewerbe gegen Boeings KC-767 gewonnen. Dieses basiert auf dem alten Verkehrsjet B767, der von Airbus völlig vom Markt verdrängt wurde. Nach dem Scheitern der ersten amerikanischen Ausschreibung hatte Boeing sein Modell überarbeitet.

KC-767 (Foto: Boeing)

Schon in Italien im Einsatz: Das Tankflugzeug KC-767 von Boeing

Boeing wirbt für die KC-767 mit dem Argument, die Produktion jederzeit auf jedem von der Air Force gewünschten Niveau garantieren zu können. Außerdem verbrauche die KC-767 etwa ein Viertel weniger Treibstoff als der größere und schwerere Airbus-Tanker. Die KC-767 wurde bisher nur nach Japan und Italien verkauft, wo Boeing Teile fertigen lässt. Wo sie offen mit dem Airbus-Tanker konkurrierte wie in Australien, Großbritannien, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und 2008 in den USA, hatten stets die Europäer die Nase vorn.

EADS hatte für den Airbus-Tanker ein eigenes Werk in den USA bauen wollen, in dem auch die A330-Frachter montiert werden sollten. Northrop Grumman sollte die militärischen Komponenten zuliefern. Der Rüstungskonzern warb zudem damit, das Projekt würde 48.000 Arbeitsplätze in den USA schaffen, mehr als Boeings KC-767.

EADS stürzt wegen A400M in rote Zahlen

EADS teilte zudem am Dienstag mit, wegen der Probleme mit dem Militärtransporter A400M tief in die roten Zahlen gerutscht zu sein. Im letzten Quartal 2009 sei ein Verlust von 1,05 Milliarden Euro gemacht worden. Im Vorjahreszeitraum gab es noch einen Gewinn von 490 Millionen Euro. Die Dividende soll nun ausfallen.

Autor: Christian Walz, Marion Linnenbrink (dpa, afp, apn, rtr)
Redaktion: Susanne Eickenfonder, Annamaria Sigrist

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