E-Sport: Neuer Sport für neue Helden | Sport | DW | 07.08.2015
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Sport

E-Sport: Neuer Sport für neue Helden

E-Sport, also der elektronische Sport, boomt und wird immer professioneller. Profiteams zocken an Konsole und Computer gegeneinander Fußball, Strategiespiele oder Rennsimulationen - mittlerweile um Millionensummen.

E-Profisportler Adrian Wübbelmann. Foto: Sk gaming

E-Profisportler Adrian Wübbelmann

Auf der "gamescom" in Köln brandet immer wieder Applaus auf. 400 Zuschauer fiebern gerade live bei einem "FIFA"-Duell zweier E-Sport-Mannschaften mit. Denn auf der weltweit größten Messe für Computer- und Videospiele werden nicht nur die neuesten games präsentiert, sondern es finden auch E-Sport-Turniere statt. Tausende Fans wollen in Köln hautnah dabei sein, wenn ihre Helden gegeneinander antreten. Ausgetragen werden die Turniere in klassischen Sportspielen wie "FIFA", aber auch in Shootern wie "Counter-Strike" und in Strategiespielen wie "League of Legends (LoL)". Besonders LoL ist lukrativ, allein bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr wurde ein Preisgeld von zwei Millionen Dollar ausgelobt.

Tausende Zuschauer verfolgen die Wettkämpfe vor Ort, die die Electronic Sports League (ESL) organisiert. Die ESL ist das weltgrößte E-Sport-Unternehmen, sie überträgt die Turniere auch per Livestream. So können die E-Sportfans rund um den Globus sehen, welche Athleten auf der "gamescom" gewinnen und die Preisgelder in Höhe von mehr als 200.000 Dollar kassieren.

Großer Besucherandrang auf der Computerspiele-Messe gamescom . Foto: Reuters

Großer Besucherandrang auf der Computerspiele-Messe "gamescom" - Sportspiele sind in

Clans treten gegeneinander an

Bei "LoL" treten zwei so genannte "Clans" gegeneinander an. Sie bestehen aus jeweils fünf Profis. Jeder E-Sportler kann aus mehr als 100 Zauberwesen eine Spielfigur auswählen und steuert sie dann durch eine virtuelle Welt. Ziel ist es, die Heimbasis des gegnerischen Clans zu erobern. Dafür sind vor allem schnelle Finger und eine gute Fitness nötig. Eine Partie dauert 50 Minuten, pro Minute schaffen die Spieler bis zu 400 Klicks auf Tastatur und Maus.

"Unser Tag beginnt mit Training am Computer, das geht dann den halben Tag, dann essen wir etwas, damit man fit bleibt. Dann wird wieder am PC trainiert", sagt der 22 Jahre alte E-Sportprofi Adrian Wübbelmann. "Abends bewegt man sich ein bisschen, damit die Fitness erhalten bleibt. Und dann redet man mit den anderen darüber, wie das Training gelaufen ist." Neben dem reinen "LoL"-Training analysiert er mit seinen Teamkollegen kommende Gegner anhand von Videoaufzeichnungen, entwickelt neue Strategien und Spielzüge, die dann in den nächsten Trainingseinheiten einstudiert werden. Adrian schätzt, dass so ein Spiele-Tag auch schon mal 13 Stunden hat.

Perfekte Organisation

Autogrammkarte von E-Sportler Adrian Wübbelmann. Foto: Sk gaming

Selbst E-Sportler haben mittlerweile Autogrammkarten: hier der “CandyPanda“

Adrian Wübbelmann ist seit 2012 Profi, seine Fans kennen ihn aber praktisch nur unter seinem Spielernamen: "CandyPanda". Adrian ist Mitglied der Kölner Clans "SK gaming". Im vergangenen Jahr hat er es bis zur LoL- WM geschafft, da war aber in der Vorrunde Schluss. Den Clan leitet Alex Müller, er betreut neben "LoL-Spielern" zum Beispiel auch Teams, die "Pro Evolution Soccer", "Counter-Strike" oder "Quake" zocken. Seine Aufgabe ist es, dass sich die Teammitglieder wie "CandyPanda" auf ihren Job konzentrieren können und möglichst viel trainieren. Deswegen kümmern sich acht "SK gaming"-Mitarbeiter darum, dass die Teams bei den Turnieren angemeldet und die Reisen organisiert sind. Außerdem verhandelt Alex Müller mit Sponsoren. Denn neben den Preisgeldern sind es vor allem die Sponsoren, die das Geld in die Teamkasse spülen und deren jeweiliges Firmenlogo dann auf den Ärmeln und der Brust der Spieler prangt.

80.000 Euro Jahresverdienst

"Es sind in der Regel Unternehmen aus der Hardware-Industrie, die den direkten Zugang zu den Computerspielern suchen. Also Hersteller, die Computer-Mäuse, Tastaturen und Headsets produzieren", sagt Alex Müller. "Allerdings interessieren sich auch immer häufiger Unternehmen für den E-Sport, die bisher gar nichts damit zu tun haben." Momentan werben zum Beispiel auf Kölner Plakatwänden "SK gaming"-Athleten für einen amerikanischen Limonadenhersteller. "Damit unsere Teams erfolgreich sein können und sich professionell vorbereiten, benötigen wir natürlich ein ordentliches Budget. Das bewegt sich bei einem Team unserer Größe zwischen 300.000 und 500.000 Euro pro Jahr", rechnet der "SK gaming"-Chef vor. Müller schätzt, dass es gute E-Sportler pro Saison auf ein Einkommen von 80.000 Euro bringen. Allerdings ist mit der Karriere meistens nach fünf, sechs Jahren Schluss. Dann lassen die Reflexe nach, und jüngere Spieler sind schneller.

Dopinggeständnis eines E-Sportlers

Riesige Preisgelder und Zahlungen von Sponsoren, professionelle Strukturen und Millionen Fans weltweit, all das klingt nach einer rosigen Zukunft für den E-Sport. Allerdings ist die Branche seit einigen Wochen verunsichert. Ende Juli hat das Doping-Geständnis des US-Profis Cory Friesen für Aufsehen gesorgt. Der "Counter-Strike"-Spieler hatte in einem youtube-Video erzählt, dass er das verschreibungspflichtige Mittel "Adderall" genommen habe, um seine Konzentrationsfähigkeit zu steigern. Seitdem hat die ESL angekündigt, dass sie gegen Doping im E-Sport vorgehen wolle. Bereits bei einem "Counter-Strike" Turnier in Köln am 22. August wolle man auch mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) zusammenarbeiten.

Diese Kooperation steht aber erst am Anfang. Die NADA hat mitgeteilt, dass sie die ESL vor allem bei der Aufklärung und in der Dopingprävention unterstützen wolle. Mehr sei momentan nicht möglich, es müsse erst ein Regelwerk für den E-Sport geschaffen werden. Weitere Doping-Geständnisse sind bisher ausgeblieben. Ob es sich um einen Einzelfall oder um gängige Praxis handelt, ist also unklar. Alex Müller begrüßt den Vorstoß des ESL: "Es ist richtig, dass sich die ESL darum kümmert und frühzeitig reagiert. Wir begrüßen solche Tests."

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