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Wirtschaft

E-Autos: "Nächstes Jahr fängt die Zukunft an"

Adrian van Hooydonk, Chefdesigner bei BMW, im DW-Interview über den Genfer Autosalon, serienmäßige Elektroautos und seine Lieblingsmodelle des Münchner Konzerns.

Design sketch BMW i3 and BMW i8 (02/2011). Zunächst werden zwei Fahrzeuge, der BMW i3 und der BMW i8, ab 2013 unter der neuen Submarke an den Start gehen. Darüber hinaus wird die BMW Group zukünftig ihr Angebot an Mobilitätsdienstleistungen deutlich ausbauen. Zu diesem Zweck wurde die Beteiligungsgesellschaft BMW i Ventures gegründet. Sie wird mit bis zu 100 Millionen US-Dollar ausgestattet.

Designstudie BMW i3 und BMW i8

DEUTSCHE WELLE: Auf dem Genfer Autosalon sind Elektro-Autos auch in diesem Jahr ein Thema. BMW zeigt sein allererstes elektrisches Auto ActiveE auf Basis der 1er-Reihe. Dieses Auto sieht auf den ersten Blick genauso wie das konventionelle Modell aus. Wäre es nicht besser gewesen, durch ein anderes Design die Besonderheiten eines Elektro-Autos zu betonen?

Adrian van Hooydonk: Das stimmt natürlich. Wir werden das auch tun. Wir werden nächstes Jahr ein Elektro-Auto auf den Markt bringen, den i3, der von Grund auf neu gestaltet und gebaut ist. Der 1er, den Sie ansprechen, ist tatsächlich erst eine Conversion, also ein Umbau von einem traditionellen Auto auf Elektro-Antrieb. Und im Prinzip testen wir mit diesem Auto unseren neuen Elektro-Antrieb. Dieser Antrieb, dieser Motor, diese Batteriezellen, die gehen eben dann nächstes Jahr in den i3. Es ist alles gedacht als Vorbereitung auf unser erstes komplett neues Elektro-Fahrzeug, was nächstes Jahr kommt, der i3. Und den haben wir auch hier in Genf als Concept-Car ausgestellt.

Die Spritpreise erreichen in diesem Jahr neue Rekordwerte und bisher hat die Autobranche versucht, durch optimiertes Design den Verbrauch zu senken. Was glauben Sie, sind die Grenzen des technisch Machbaren schon erreicht? Oder kann man durch noch mehr Design den Verbrauch noch weiter senken?

Adrian van Hooydonk, Leiter BMW Group Design Quelle: BMW AG Frei zur Verwendung für Pressezwecke

BMW- Chefdesigner Adrian van Hooydonk

Soweit ich unsere Techniker kenne bei BMW, ist die Grenze noch nicht erreicht. Wir haben es in den letzten Jahren immer wieder geschafft, jedem von unseren neuen Fahrzeugen mehr Power zu geben und sie weniger verbrauchen zu lassen. Also da scheint auch mit konventioneller Motorentechnik noch Einiges möglich. Wenn man dann weiter denkt Richtung Hybrid oder Elektro-Mobilität, dann kommen wir in ganz andere Dimensionen. Und wir als Designer können eigentlich über die Aerodynamik da einen Beitrag liefern.

Können Sie vielleicht ein Beispiel geben? Wo sehen Sie noch Potential beim Design, um den Verbrauch zu optimieren?

Also, ich denke, das zeigen wir z. B. in den BMW i8. Das ist auch ein Conceptcar, was wir jetzt ausstellen, aber dieses Auto wird nächstes Jahr in Serie gehen. Das ist ein Plug-in Hybrid, das hat zwei Elektro-Motoren und dann auch noch einen normalen Verbrennungsmotor. Und wenn Sie dieses Auto anschauen, dann sehen Sie, dass wir dort im Thema Aerodynamik eigentlich sehr, sehr weit gegangen sind. Wir haben sogar im Heck die Heckleuchten durchströmt gemacht und das war eine Idee, die aus dem Windkanal kam. Die haben wir dort gefunden, diese Idee.

In einigen Medien gibt es die Kritik, in der Autobranche generell, aber auch bei BMW fehle es an großen Entwürfen. Es würden lediglich die Vorgängermodelle weiter entwickelt, aber radikale Veränderungen fänden nicht statt. Was entgegnen sie solcher Kritik?

Ich glaube, dass wir bei BMW durchaus ein paar mutige Schritte jetzt machen. Vor allen Dingen, wenn man sieht, wie wir mit dieser neuen Mobilität umgehen. Also, Elektro-Fahrzeuge und Hybride. Wir haben dafür eine eigene Marke kreiert, BMWi. Um das Gewicht von der Batterie zu kompensieren, werden wir die Autos komplett aus Kohlefaser bauen. Das sind ziemlich radikale Veränderungen. Und ich glaube, dass diese technisch neuen Ansätze auch eine Möglichkeit sind, um wirklich neues Design zu machen. Die ersten Eindrücke können Sie sich formen an Hand der Conceptcars i3 und i8. Ich glaube, die sehen ziemlich futuristisch aus. Es gibt, denke ich, bisher keine Autos, die so aussehen. Die Serien-Autos kommen ja nächstes Jahr und ich denke, die Showcars, die zeigen schon fast das Serien-Design. Die Serienprodukte, die werden nächstes Jahr wirklich futuristisch aussehen. Dann fängt die Zukunft richtig an.

Wie wird ein neues Modell entwickelt? Wie kann man sich das vorstellen? Man setzt sich hin zusammen mit den Kollegen, trinkt dann ein paar Tassen Kaffee, macht ein paar Zeichnungen und dann entstehen Ideen. Wie läuft das?

Concept Car BMW i3 on display at the 82nd International Motor Show and Accessories of Geneva, Switzerland on March 7, 2012. Photo by Loona/ABACAPRESS.COM # 312008_126 82nd Geneva International Motor Show - Geneva BMW: Der BMW i3 Concept mit eDrive ist das konsequent nachhaltig gestaltete Fahrzeug für den Stadtverkehr: Rein elektrisch angetrieben und maßgeschneidert für die Anforderungen einer nachhaltigen und emissionsfreien Mobilität verkörpert es eine intelligente Art der Fortbewegung in der Stadt oder beim Pendeln.

Das Modell für den BMW i3

Ja, das gehört durchaus dazu, ein paar Tassen Kaffee und sehr viele Zeichnungen. Es funktioniert so, dass ich dem Design-Team am Anfang eines Projektes ein Briefing gebe. Aber es ist ein sehr offenes Briefing. Das heißt, es gibt nur ein paar Infos für die Designer, denn im Wesentlichen möchte ich nicht vorgeben, wie das neue Auto aussehen soll. Zumindest nicht am Anfang. Am Anfang möchte ich eigentlich, dass unsere Designer sich Gedanken machen über unsere Historie, über was so in der Welt passiert und über die Zukunft. Und ich möchte, dass jeder Designer uns dann seine oder ihre eigene Idee gibt, wie z. B. ein neuer 7er oder ein neuer 3er aussehen soll. Und meine Rolle ist dann die, dass ich aus der Vielzahl von Skizzen, die dann kommen, zusammen mit meinen Design-Managern die vielversprechendste auswähle. Dann machen wir davon Modelle. Ich würde mal sagen, für ein Außen-Design machen wir dann so vier bis fünf Modelle und für ein Innen-Design drei bis vier Modelle in Originalgröße. Und die sehen dann nach einer Weile aus wie wirklich echte Autos und daraus wählen wir dann weiter aus. Das Ganze ist also ein Design-Wettbewerb. Jeder Designer kann gewinnen und jeder Designer ist aufgefordert, ein komplettes Außen- oder ein komplettes Innendesign zu gestalten. Und dieser ganze Design-Wettbewerb dauert ein Jahr. Also nach einem Jahr wissen wir dann, welchen Entwurf wir machen wollen. Und dann dauert es noch zwei Jahre, um diesen Entwurf in Serie zu bringen.

Was sind beim Design für Sie und Ihre Mitarbeiter die wichtigsten Kriterien beim Außen-Design z. B.? Wie muss ein typischer BMW unbedingt aussehen? Worauf darf man nicht verzichten?

Ein BMW muss eigentlich immer eine perfekte Kombination aus Dynamik und Eleganz sein. Das passt zu unserer Marke, auch wenn man die Historie betrachtet. Und ein BMW hat natürlich ein paar Merkmale, Stil-Merkmale, die ein Ikonencharakter bekommen haben. Unsere Grill oder die Doppelrundscheinwerfer, oder die Form des Seitenfensters. Und diese Ikonen, wenn man sie genauer anschaut, da variieren wir aber auch. Wenn man z. B. den Kühlergrill anschaut vom 7er oder vom 5er oder vom 3er, dann sieht man, dass das alles zu einer Familie dann gehört, aber so wie im wahren Leben, dass in einer Familie jedes Familienmitglied auch seinen eigenen Charakter hat. Und das ist eigentlich unsere Design-Philosophie.

Wie aggressiv darf oder wie aggressiv muss ein BMW sein?

Ein BMW ist ein Auto, das natürlich auch schnell gefahren werden kann. Und deswegen versuchen wir, diese Bewegung, diese Dynamik, diese Sportlichkeit, durchaus zu zeigen. Weil dann ist ein Entwurf authentisch. Wenn man schon an der Außenseite sehen kann, was man mit dem Auto machen kann, das ist schon gewollt. Im Außen-Design reden wir eigentlich nicht über Aggressivität. Wir reden, wenn, dann über einen konzentrierten Blick. Das Auto, wenn man das von vorne sieht, mit seinen Doppelrundscheinwerfer und seinem Kühlergrill und seiner flachen Haube, wirkt natürlich extrem sportlich, aber wir sagen, es wirkt konzentriert. Das heißt, so wie ein Athlet am Start. Der lächelt natürlich auch nicht, ist voll bei der Sache und sobald die Ampel auf Grün geht, dann geht es los. Das denke ich, strahlt auch ein BMW aus. Und das passt auch zu dem Fahrerlebnis.

Was ist Ihr absolutes Lieblingsmodell von BMW?

Als Designer denkt man natürlich immer nach vorne und findet eigentlich, dass das letzte Produkt immer das Schönste ist. Heute in Genf stellen wir das 6er Grand Coupé vor. Da bin ich sehr froh, dass wir jetzt so weit sind, dieses Auto in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Auto mag ich sehr gerne. Ich glaube, das verkörpert eigentlich alles das, worüber wir gesprochen haben. Es hat Sportlichkeit, es hat Eleganz, es hat diesen konzentrierten Blick. Es ist ein Auto, das auch einen ganz guten Nutzwert hat. Ich bin recht groß, ich kann hinten sehr gut sitzen. Man kann die Rückenlehne umklappen, man kann Einiges mitnehmen. Es wird Allrad geben. Das ist wirklich ein Auto, was wenig Wünsche offen lässt. Das mag ich sehr, sehr gerne. Und aus unserer Historie liebe ich den BMW 3.0 CSL. Das ist ein Klassiker, bei dem schon die ganze Design-DNA, von der wir heute noch leben, zu erkennen ist.

Adrian Hooydonk ist Chefdesigner beim Autokonzern BMW.

Das Gespräch führte Roman Goncharenko.
Redaktion: Andrea Lueg