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Wirtschaft

E-Auto noch lange nicht in der Spur

Der Ausbau der Elektromobilität in Deutschland ist ins Stocken geraten. Eine Expertenkommission beklagt mangelndes Tempo beim Umbau der Mobilität und fordert Subventionen. Vorbilder könnten Japan und die USA sein.

Der Media Laboratory Designer (MIT Media Lab), William Lark (r) und der Hiriko - Driving Mobility Manager, Juanjo Brizuela, zeigen am Donnerstag (27.05.2010) bei der Deutschland Präsentation des faltbaren Elektromobils Citycar, an einem Prototypen die Funktionsweise des Fahrzeugs im Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (Innoz) im ehemaligen Gasometer in Berlin. Das preisgekrönte Hiriko Fahrzeugkonzept wurde vom Massachusetts Institut of Technology (MIT) erfunden und im Baskenland konstruiert. Der 2,5 Meter lange Zweisitzer kann auf der Stelle drehen und die Achsen zum Parken auf nur 1,5 Meter zusammenschieben. Das Elektromobil wird von Radnabenmotoren angetrieben, hat eine Reichweite von 120 Kilometer und erreicht in drei Sekunden die Spitzengeschwindigkeit von 50 km/h. Das Fahrzeug soll ab 2012 produziert und gleichzeitig in fünf Städten weltweit getestet werden. Foto: Arno Burgi dpa/lbn

HIRIKO Elektroauto

Für das Jahr 2020 hat die Bundesregierung ein ehrgeiziges Ziel vorgegeben: Zu diesem Zeitpunkt sollen in Deutschland eine Million Autos zugelassen sein, die von einem Elektromotor angetrieben werden. Zurzeit sind es bei einer Gesamtzahl von mehr 42 Millionen PKW in Deutschland nicht einmal 5.000. Die Bundesregierung hatte dieses Ziel 2009 im "Regierungsprogramm Elektromobilität" festgelegt und will Deutschland damit zum "Leitmarkt und Leitanbieter" von Elektroautos machen.

Um die Arbeit auf diesem Weg zu koordinieren, um Fortschritte festhalten und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten, wurde die NPE (Nationale Plattform Elektromobilität) ins Leben gerufen. Die Kommission besteht aus Vertretern von Industrie, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Heute (20.06.2012) hat sie in Berlin ihren dritten Fortschrittsbericht vorgelegt.

Darin hält die NPE das Ziel von einer Million Elektroautos zum gegenwärtigen Zeitpunkt für illusorisch. Dem Handelsblatt sagte der Kommissionsvorsitzende Henning Kagermann, es könnte unter den gegenwärtigen Umständen zu höchstens 600.000 Autos in 2020 kommen – das Regierungsziel würde deutlich verfehlt. Vor einem Monat hatte die NPE einen Bericht veröffentlicht, in dem sie die bisherige Arbeit von Politik und Wirtschaft zusammenfasst hatte. Der Tenor des Papiers: Deutschland hält den Kurs. Mit ihrem heutigen Bericht hat die Kommission ihre Zahlen spezifiziert und kommt zu dem Schluss: Der Kurs ist richtig, er wird jedoch nicht bis zum Ziel führen.

Ein Elektroauto wird aufgeladen Foto: Joerg Sarbach/dapd

Einfach ein E-Auto zu bauen reicht nicht. Es fehlt auch noch an der nötigen Infrastruktur, an Ladestationen etwa.

Vom Leitmarkt zum Entwicklungsland?

Die Schätzung der Nationalen Plattform, in den nächsten acht Jahren auf eine Zahl von 600.000 Elektroautos in Deutschland zu kommen, halten einige Experten bereits für überzogen. Der Direktor des Center Automotive Research der Universität Essen-Duisburg, Ferdinand Dudenhöffer hält auch das bescheidenere Ziel für unerreichbar.

"So wie es derzeit aussieht", so Dudenhöffer, "wird man froh sein, zehn Prozent des Ziels zu erreichen." Der Automobilexperte geht für das Jahr 2020 von höchstens 100.000 Elektroautos in Deutschland aus. Der Nachrichtenaqentur dpa sagte er heute: "Die Elektromobilität ist in Deutschland dabei, zu sterben." Deutschland werde so statt zum Leitmarkt der neuen Technologie zu einem Entwicklungsland auf diesem Gebiet.

Kann der Markt es richten?

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, der ehemalige Verkehrsminister Matthias Wissmann, vertraut bei der Umsetzung des Regierungsprogramms Elektromobilität auf die Gesetze des Marktes. Seiner Ansicht nach entscheide allein der Kunde, ob der Elektroantrieb sich am Markt durchsetzt. Gegenwärtig sind E-Mobile noch deutlich teurer als Autos mit Verbrennungsmotor.

Die NPE fordert dagegen von der Politik weitere Fördermaßnahmen und verweist auf die Beispiele USA und Japan. Diese Länder verdankten, so die NPE, ihre Marktführerschaft auf diesem Gebiet der Tatsache, dass sie den Kauf eines Elektroautos mit "einer deutlichen Förderung von 5.000 bis 9.500 Euro pro Fahrzeug" subventionierten.

BMW i3 Concept - vier Meter langes E-Mobil mit Heckmotor und Hinterradantrieb hat einen Aluminiumrahmen. Foto: BMW

Die großen Hersteller entwickeln inzwischen auch E-Modelle, die, wie dieser BMW, besonders leicht sein müssen.

Steuererleichterung statt Kaufprämie

Die Forderung, sich an den USA und Japan ein Beispiel zu nehmen und den Kauf eines E-Mobils mit einer Prämie zu unterstützen, lehnt die Bundesregierung bislang ab. Sie will den Absatz von Elektroautos mit steuerlichen Anreizen fördern: Die Besitzer von E-Autos sollen für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit werden.

Andere Maßnahmen, die die Regierung in Aussicht stellt, kann sie aber nicht einfach anordnen, sie braucht dafür die Unterstützung und Mitarbeit von Ländern und Kommunen. Dazu gehört die Einrichtung von besonderen Fahrspuren für Elektroautos und speziell für sie reservierte Parkflächen in Großstädten.

Den für das "Regierungsprogramm Elektromobilität" zuständigen Ministern, Peter Ramsauer (CSU) und Philipp Rösler (FDP), die für Verkehr und für Wirtschaft verantwortlich sind, ist der Fortschrittsbericht heute übergeben worden. Ihren nächsten Bericht soll die Nationale Plattform Elektromobilität in zwei Jahren vorlegen. 2013 werden Bundesregierung und NPE eine Internationale Konferenz für Elektromobilität in Berlin veranstalten.

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