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Aufarbeitung der NS-Zeit

DW startet Gemeinschafts-Projekt "Geraubte Kinder"

Den Eltern entrissen, entführt und gewaltsam umerzogen. Zehntausende Kinder wurden während des Zweiten Weltkriegs in Polen von den Nazis verschleppt. Die Deutsche Welle will auf ihr Schicksal aufmerksam machen.

70 Jahre Befreiung KZ Auschwitz (picture alliance/dpa/F. Schumann)

Plastik im KZ-Auschwitz, die an das Zerreißen - in diesem Fall - jüdischer Familien erinnert

Die Polnisch-Redaktion der Deutschen Welle und das polnische Internetportal Interia starten dazu ein gemeinsames multimediales Projekt mit dem Namen "Geraubte Kinder". Es soll Licht auf ein wenig bekanntes Verbrechen der Nationalsozialisten werfen, die während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg bis zu 200.000 polnische Kinder zum Beispiel aus Waisenhäusern verschleppen oder ihren Eltern wegnehmen und "zwangsgermanisieren" ließen.

Mühsame Spurensuche nach Jahrzehnten

Viele der Betroffenen, die oftmals als Kleinstkinder "eingedeutscht" wurden, lebten noch heute, ohne ihre wahre Identität zu kennen, teilte die Deutsche Welle zum Auftakt des Projekts mit. Hinter der Verschleppung und Zwangsgermanisierung der Kinder stand das Ziel der Nazis, die - so ihre Formulierung - "germanische Volkssubstanz" zu erweitern. Ausgewählt wurden Kinder, die aus Sicht der Nazis deutsch aussahen. Ihre wahre Identität wurde mit Hilfe der NS-Behörden systematisch verschleiert. Sie erhielten einen deutschen Namen, eine gefälschte Geburtsurkunde und kamen zu "gutrassigen" Adoptiveltern, die sie zu Deutschen erziehen sollten.

Wanderausstellung Geraubte Kinder (picture-alliance/R. Haid)

Wanderausstellung "Geraubte Kinder" 2014 in Freiburg

Die Deutsche Welle und Interia stellen Schicksale betroffener Kinder in Reportagen und Interviews vor. Die Journalisten suchten dafür in Deutschland und Österreich nach "Geraubten Kindern". Sie begleiten die inzwischen alten Menschen, wenn sich deren Herkunft recherchieren lässt, bei der Kontaktaufnahme mit ihren polnischen Familien.

Erste Videos und Berichte sollen von diesem Freitag an, dem 78. Jahrestag des deutschen Angriffs auf Polen, von beiden Projektpartnern veröffentlicht werden. Zum Jahresende sind dann Reportagen über die Ergebnisse der Recherchen und mögliche Begegnungen der Opfer mit ihren bisher unbekannten Familienangehörigen geplant. Es ist den Angaben zufolge das erste Mal, dass ein deutsches und ein polnisches Medium sich gemeinsam mit diesem Thema beschäftigen.

qu/rb (DW, dpa, Wanderausstellung "Geraubte Kinder")