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Presse

DW-Korrespondent in Haft erkrankt

DW-Korrespondent Eric Topona droht in Tschad eine lebenslange Gefängnisstrafe. Nach Informationen des BICC – Bonn International Center for Conversion – ist Topona in der Untersuchungshaft schwer erkrankt.

DW-Korrespondent Eric Topona droht in Tschad eine lebenslange Gefängnisstrafe

DW-Korrespondent Eric Topona droht in Tschad eine lebenslange Gefängnisstrafe

Ein Antrag, ihn in ein Krankenhaus zu verlegen, um angemessen behandelt werden zu können, werde verwehrt, Besuche würden durch hohe Schmiergeldforderungen praktisch unmöglich gemacht,so das BICC. Zuletzt war am 26. Juni ein Antrag auf vorläufige Freilassung Toponas abgelehnt worden.

Ein Untersuchungsrichter in der Hauptstadt N'Djamena hatte Topona Anfang Mai einbestellt, er solle als „Zeuge in einer Diffamierungsangelegenheit“ gehört werden. Vor Ort erfuhr der 29-Jährige, er selbst sei angeklagt – wegen „Gefährdung der Verfassungsordnung“. Er habe im Internet „subversive Schriften“ veröffentlicht, in denen unter anderem von einem „Volksaufstand“ die Rede sei. Eric Topona, der auch Generalsekretär des Tschadischen Journalisten-Verbandes (UJT) ist, bestreitet die Vorwürfe: Keine der genannten Schriften stamme von ihm.

Die tschadische Anwältin Delphine Djiraïbe, die als Expertin am Global Media Forum in Bonn teilnahm, hat dies bestätigt. Sie steht über ihre Kanzlei in N’Djamena mit Eric Topona und weiteren Inhaftierten in Kontakt. Die Anwältin spricht von einer „politisch motivierten Anklage“. Die Vorwürfe gegen Topona und die beiden anderen Journalisten seien offensichtlich „konstruiert“, die Gründe „vorgeschoben“. Djiraïbe berichtete, dass auch einige hohe Militärs aus ähnlichen Gründen festgesetzt worden seien, gegen weitere Journalisten ermittelt werde und mehrere Abgeordnete zeitweise in Haft gewesen seien.

Zu den Vorwürfen sagte Delphine Djiraïbe, Topona sei mit einem tschadischen Blogger in Verbindung gebracht worden. Auf dessen Plattform habe ein anderer Autor unter Toponas Namen veröffentlicht. Zudem habe möglicherweise dieselbe Person im Namen Toponas per Mail mit dem Blogger kommuniziert. Dieser Mailverkehr sei in die Hände der Behörden in Tschad gelangt, berichtete die Anwältin. Der Blogger seinerseits sei inzwischen aus dem Senegal ausgewiesen worden, auf Betreiben von Menschenrechtsorganisationen jedoch nicht nach Tschad.

Zum anderen, so Delphine Djiraïbe, würden sich die Behörden auf handschriftliche Notizen – eine vermeintliche Namensliste – stützen, die bei einem prominenten, in Haft befindlichen Mitglied der bewaffneten Rebellen gefunden worden sei.

Zu Beginn seiner Untersuchungshaft hatten der deutsche Botschafter in Tschad und die EU-Botschafterin Eric Topona im Gefängnis besucht. DW-Intendant Erik Bettermann hatte bereits im Mai gegen die Festnahme des Journalisten protestiert und seine sofortige Freilassung gefordert.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hat sich besorgt über das Schicksal Toponas geäußert. „Die Welle willkürlicher Verhaftungen von Journalisten ist Anlass zu größter Sorge für die Pressefreiheit im Tschad“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. Die fortgesetzte Inhaftierung der drei Medienschaffenden ohne Gerichtsurteile sei unverhältnismäßig. Auf einer ROG-Rangliste der Pressefreiheit liegt der Taschad auf Platz 121 von 179 Ländern.