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Medienentwicklung

DW Global Media Forum: "Objektivität ist ein Mythos"

Whistleblower, Aktivisten und Bürgerjournalisten - wo verläuft die Grenze zwischen Aktivismus und Qualitätsjournalismus? Hierzu diskutierten Medienexperten auf einem Panel der DW Akademie.

Ala'a Shehabi, Bloggerin und Mitbegründerin Bahrain Watch (photo: DW Akademie/Nadine Wojcik).

"Aktivisten und Journalisten ergänzen sich" - Ala'a Shehabi beim Panel der DW Akademie

Dan Gillmor hält die Trennung von Aktivisten und Journalisten längst für überholt. "Journalisten waren und sind schon immer auch Aktivisten - sie alle stehen für Pressefreiheit und freie Meinungsäußerung ein." Gillmor, US-Medienexperte und Professor am Knight Center for Digital Media an der Arizona State University, sieht kein Problem darin, Öffentlichkeits- oder Kampagnenarbeit von Nichtregierungsorganisationen als Journalismus zu bezeichnen. Im Gegenteil: "Aktivisten recherchieren gründlich, gewissenhaft und sorgfältig. Warum sollten wir hier eine Grenze ziehen?"

Steffen Leidel pflichtete Gillmor beim. "Viele Nichtregierungsorganisationen machen eine hervorragende journalistische Arbeit - und darüber hinaus. So sind beispielsweise Mitarbeiter von Human Rights Watch darin ausgebildet, traumatisierte Personen adäquat zu interviewen", sagte Leidel, Projektmanager DW Akademie Digital. Zudem recherchierten viele Organisationen in Gegenden, in die Journalisten nicht reisen würden.

Aktivismus oder Journalismus?

Steffen Leidel, DW Akademie Digital (photo: DW Akademie/Nadine Wojcik).

Steffen Leidel, DW Akademie Digital

Daher ist es für Steffen Leidel wichtig, Journalismus möglichst breit zu definieren. Dies gelte insbesondere für die Arbeit der DW Akademie, die sich bereits seit 50 Jahren im Bereich Medienentwicklung engagiere. "Unsere Projekte richteten sich früher ausschließlich an Journalisten. Heute schließen wir in unserer langfristigen Länderarbeit alle Akteure ein, die sich für freie Meinungsäußerung einsetzen." Dazu würden nun auch unter anderem Organisationen, Ausbildungsinstitutionen, Bürgerjournalisten und Blogger gehören.

Die Arbeit von Journalisten und Aktivisten würde sich gut ergänzen, sagte Ala'a Shehabi, Bloggerin und Mitbegründerin von Bahrain Watch. Als sie und ihre Kollegen aufdeckten, dass die Regierung Bahrains über eine Millionen Kanister Tränengas in Südkorea geordert hatte, um auf wachsende Proteste im Land zu regieren, wendeten sie sich zunächst an traditionelle Printmedien. "Wir kontaktierten die Financial Times - wir selbst hätten nie eine so breite Öffentlichkeit erreichen können", so Ala'a Shehabi. Kaum war der Artikel erschienen, startete Bahrain Watch eine Kampagne - mit Erfolg: Südkorea verweigerte die Lieferung.

Dan Gillmor, US-Medienexperte (photo: DW Akademie/Nadine Wojcik).

Dan Gillmor, US-Medienexperte

Patrick Beuth sprach sich wiederrum dafür aus, eine klarere Linie zwischen Journalismus und Aktivismus zu ziehen. "Wenn ich Teil einer Bewegung oder Protestes bin, dann kann ich nicht darüber schreiben", sagte Beuth, ZEIT ONLINE. Der Redakteur befürchtet, dass er sonst seine "Glaubwürdigkeit verlieren würde."

Steffen Leidel, der seit mehreren Jahren Medienschaffende in Lateinamerika für die DW Akademie trainiert und berät, hat entgegengesetzte Erfahrungen gemacht: "In vielen lateinamerikanischen Ländern vertrauen die Menschen eher Nichtregierungsorganisationen als konventionellen Medien." Auch Dan Gillmor kann Beuths Befürchtungen nicht teilen. "Jeder Journalist ist subjektiv, politische Überzeugungen oder kulturelle Hintergründe fließen immer in eine Berichterstattung ein. Objektivität ist ein Mythos."

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