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Aktuell Welt

DW Freedom of Speech Award für Raif Badawi

Der in Saudi-Arabien inhaftierte Blogger Raif Badawi erhält den erstmals vergebenen "Freedom of Speech Award" der DW. Der deutsche Auslandssender vergibt den Preis im Rahmen der internationalen Online-Awards "The Bobs".

Es sei eine einstimmige Entscheidung gewesen, sagte Intendant Peter Limbourg und begründete die Vergabe des Preises an Raif Badawi: "Er steht in herausragender Weise für den mutigen, unerschrockenen Einsatz für das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung. Unsere Auszeichnung soll ein starkes Zeichen setzen und sein Schicksal noch stärker in das Licht der Weltöffentlichkeit rücken. Wir hoffen, dass somit der Druck auf die Verantwortlichen in Saudi-Arabien noch größer wird, Badawi endlich freizulassen."

Badawis in Kanada lebende Frau Ensaf Haidar zeigte sich im Gespräch mit der Deutschen Welle überglücklich: "Der DW Freedom of Speech Award sendet eine deutliche Botschaft an das saudische Regime. Es ist eine Schande, dass Raif noch im Gefängnis sitzt. Insbesondere in diesen Zeiten, da Saudi-Arabien gegen die menschenrechtsverachtende Gruppe 'Islamischer Staat' einen Krieg führt. Ich bin der Deutschen Welle zutiefst dankbar für ihre Unterstützung."

Zehn Jahre Haft, 1000 Schläge

Der DW Freedom of Speech Award wurde in diesem Jahr erstmals ausgelobt. Er wird im Rahmen des Blog-Wettbewerbs

"The Bobs - Best of Online Activism"

vergeben, bei denen zum elften Mal international herausragende Online-Aktivisten und Netz-Projekte ausgezeichnet werden. Der Gewinner des DW Freedom of Speech Award sowie die Preisträger in den drei Jury-Kategorien von "The Bobs" werden am 23. Juni auf dem Global Media Forum der Deutschen Welle in Bonn geehrt.

Der 31-jährige Blogger Raif Badawi wurde im Mai 2014 von der saudischen Justiz zu 1000 Stockschlägen, zehn Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von umgerechnet knapp 200.000 Euro verurteilt. Am 9. Januar erhielt er erstmals öffentlich 50 Hiebe. Dem Urteil zufolge sollte er von da an jeden Freitag 50 Hiebe erhalten. Doch die Strafaktion wurde seither mehrfach aufgeschoben - aus medizinischen Gründen, wie es hieß.

Mutig für die Meinungsfreiheit

Raif Badawi kämpft seit Jahren für Meinungsfreiheit in seinem Land. Auf der Webseite "Freie Saudische Liberale" greift er politische und gesellschaftliche Missstände in Saudi-Arabien auf. Er veröffentlichte beispielsweise sarkastische Artikel über die Religionspolizei, nannte eine große Universität des Landes einen Hort für Terroristen und schrieb über den Valentinstag - den zu feiern in Saudi-Arabien streng verboten ist.

2008 wurde Badawi zum ersten Mal unter dem Vorwurf verhaftet, eine "elektronische Seite" aufgebaut zu haben, "die den Islam verhöhnt". Daraufhin verliess er das Land für einige Monate, kehrte aber zurück, nachdem die Anklage wieder fallen gelassen wurde. 2009 erteilte ihm die saudische Regierung ein Reiseverbot, am 17. Juni 2012 verhafteten die Behörden ihn abermals und stellten ihn im Dezember vor Gericht. Die Anklage: Verspottung islamischer Religionsführer auf seiner Website.

"Mord auf Raten"

Vor einer höheren Instanz wurde Badawi schließlich des Abfalls vom Glauben beschuldigt, worauf in Saudi Arabien die Todesstrafe stehen kann. Begründet wurde dies mit einem ihm zugeschriebenen Zitat, wonach er Muslime, Juden, Christen und Atheisten als gleichwertig bezeichnet habe. Der Vorwurf der Apostasie, des Abfalls vom Glauben, wurde später wieder fallengelassen. Seine Frau Ensaf Haidar floh 2013 mit den drei gemeinsamen Kindern nach Kanada, wo die Familie politisches Asyl fand.

Auch wenn Badawi der Todesstrafe entging, sehen Menschenrechtler in einer auf 20 Wochen verteilten Prügelstrafe von 50 Schlägen nichts anderes als einen langsamen, qualvollen Tod. "Mord auf Raten" sei das, sagte der Grünen-Politiker Tom Koenigs. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Strafe für Badawi als "grausam, falsch, ungerecht und völlig unverhältnismäßig".

Laut Badawis Ehefrau Ensaf Haidar hatte das Büro des mittlerweile gestorbenen Königs Abdullah den Fall im Dezember an das höchste saudische Gericht übergeben. Der britischen Zeitung "Independent" sagte Haidar nun, ihrem Mann drohe möglicherweise doch die Todesstrafe, wenn es zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens kommen sollte.

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